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Villingen-Schwenningen Radunfall: Fahrer wird wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Die im November angefahrene Radfahrerin starb an den Folgen des Unfalls. Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung, dass der Unfall bei verringerter Geschwindigkeit des Fahrers vermeidbar gewesen wäre. Nun wurde der Autofahrer vor Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt.

Der Fall einer im November 2014 getöteten 24 Jahre alten Radfahrerin hat in der Doppelstadt für Bestürzung gesorgt. Sie war am späten Nachmittag unterwegs, als sie von einem Auto auf einem Zebrastreifen in der Vockenhauser Straße angefahren wurde und später im Krankenhaus starb. Nun wurde der 40 Jahre alte Autofahrer vom Amtsgericht Villingen-Schwenningen wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt.

Der Staatsanwalt hielt sich bei der Anklageschrift kurz. Die Getötete sei am 12. November 2014 bei Dunkelheit und starkem Regen mit ihrem Fahrrad auf dem Fahrradweg entlang der Vockenhauser Straße unterwegs gewesen. Beim Zebrastreifen, der über die Auffahrt zur Bundesstraße 33 führt, missachtete die Frau ein für Radfahrer geltendes Vorfahrt-gewähren-Schild, fuhr über den Fußgängerüberweg und wurde vom Auto des Angeklagten erfasst. Der Staatsanwalt beschuldigte den Angeklagten, seine Geschwindigkeit nicht den Umständen angepasst zu haben und mit mindestens 30 Kilometern pro Stunde in die Auffahrt eingebogen zu sein. Rechtmäßig gewesen wären höchstens 16 Kilometer pro Stunde: „Bei dieser Geschwindigkeit wäre der Unfall für den Angeklagten vermeidbar gewesen“, so der Staatsanwalt.

Der Angeklagte wirkte während der Verlesung der Anklageschrift ruhig. „Ich möchte sagen, dass es mir leid tut“, versicherte der 40-Jährige gegenüber den Eltern der Getöteten, die als Nebenkläger still und äußerlich gefasst wirkend die Verhandlung verfolgten. Er sei ein routinierter Fahrer, der häufiger Unfälle habe vermeiden können. „Manchmal ist es nicht mehr möglich, dass Fehlverhalten anderer zu kompensieren“, schilderte er. Zusätzlich sei er von anderen Autos abgelenkt gewesen. Er versicherte, dass es ihm unmöglich war, die Radfahrerin zu sehen.

Dieser Aussage widersprach der geladene Sachverständige Walter Benz von der Dekra. „Bei Blickkontakt wäre die Geschädigte erkennbar gewesen“, führte er aus. Der starke Regen und die Tatsache, dass es keine Zeugen gab, die den Unfall direkt beobachteten, machten die Untersuchungen nicht leicht. Der Sachverständige kam aber zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte mit mindestens Tempo 30 unterwegs war, als es zu dem Aufprall kam.

Es sei unbestritten, dass die junge Frau durch ihr Fehlverhalten eine Mitschuld an dem Unfall trug, räumte der Staatsanwalt ein. Ebenso spreche für den Angeklagten, dass die Sicht durch Dunkelheit, blendendes Licht und starken Regen sehr erschwert gewesen sei. Das spreche ihn aber nicht von Schuld frei. Der Straßenverkehr erfordere gegenseitige Rücksichtnahme. „Wer nichts sieht, muss notfalls anhalten“, meinte der Staatswanwalt und forderte eine Geldstrafe in Höhe von 80 Tagessätzen à 90 Euro.

Für den Verteidiger des Angeklagten stand hingegen fest, dass die Schuld wesentlich bei der Getöteten lag. Zudem könne vom Angeklagten nicht verlangt werden, mit seinem Auto Tempo 16 zu fahren. Auch sei noch immer ungeklärt, ob die Radfahrerin mit Licht unterwegs war. Er beantragte daher eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldbuße.

Richter Christian Bäumler folgte der Argumentation der Anklage und verurteilte den 40-Jährigen zu 120 Tagessätzen à 90 Euro und übertraf damit den Antrag des Staatsanwalts. Die Aussage des Angeklagten mache den Eindruck, dass dieser „nicht in der notwendigen Weise reflektiert, was passiert ist“, begründete der Richter sein Urteil.

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