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Villingen-Schwenningen Protestfreie Eröffnung und ein energischer Oberbürgermeister

Palästina-Schau heute Abend ohne Demonstrationen in Schwenningen eröffnet. Oberbürgermeister Rupert Kubon will sich „nicht in antisemitische Ecke drängen lassen“. Kritiker werfen Ausstellungsmachern vor, eine gegen Israel gerichtete und sehr einseitige Sicht der Dinge zu verbreiten.

Im Vorfeld hatte die kontroverse Palästinenser-Ausstellung zur Flucht und Vertreibung bereits hohe Wellen geschlagen, nun eröffnete sie Oberbürgermeister Rupert Kubon heute Abend in vergleichsweise ruhigem Fahrwasser: Keine Demonstration vor der Stadtbibliothek Schwenningen, keine Protestplakate, keine Pfiffe, dafür im Innern des Baus eine vergleichsweise große Zahl von interessierten Besuchern, darunter auch arabischstämmige VS-Bürger, die selbst oder deren Vorfahren aus den Gebieten kamen.

Das Schicksal der Palästinenser ist gerade in Deutschland ein hochsensibles Thema, weil sie in direktem Zusammenhang mit der Gründung des jüdischen Staats steht, der wiederum erst durch den Holocaust in dieser Form ermöglich wurde. In vielen der rund 100 Orte, wo die Nakba-Schau bisher zu sehen war, standen sich Gegner und Befürworter unversöhnlich gegenüber – in der Doppelstadt war es nicht anders. An Kubon wurde sogar die Forderung herangetragen, das Projekt gar nicht erst zuzulassen. Dagegen wehrte er sich heute während der Eröffnung ausdrücklich, ebenso wie gegen Versuche, ihn aufgrund seiner Haltung in eine antisemitische Ecke zu drängen: „Dagegen verwahre ich mich.“

Der Oberbürgermeister verwies darauf, dass auch für die Deutschen Flucht und Vertreibung ein schwieriges Thema sei. Seine eigenen Eltern seien aus Schlesien geflohen, verloren ihre Heimat. Diese traumatische Erfahrung mussten nach dem Zweiten Weltkrieg viele Palästinenser machen. Natürlich sei ihre Sicht „parteiisch“, letztendlich gebe es in dem Nahost-Konflikt aber keine abschließenden Wahrheiten und vielleicht komme es gerade deswegen immer wieder zu einer Zuspitzung der Auseinandersetzung, weil beide Seiten glauben, in Besitz ebensolcher Wahrheiten zu sein. Mit dieser Ausstellung werde über die Lage der Palästinenser informiert und sie könne dadurch auf helfen, dass den Betroffenen ein Schritt in eine bessere Zukunft gelinge – kein solcher Beitrag seien allerdings Selbstmordattentate, wie Kubon ausdrücklich betonte.

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