Villingen-Schwenningen Pro Stolperstein gründet Verein

Die Initiative „Pro Stolpersteine“ will im Mai einen Verein gründen. Die Akteure sind nicht gewillt, ihre Aktivitäten für ein individuelles Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Villingen-Schwenningen ruhen zu lassen, auch wenn der Gemeinderat am Mittwoch beschlossen hat, die Errichtung einer zentralen Gedenkstätte für die Verfolgten des Nazi-Regimes erst einmal zu verschieben.

Wie gestern berichtet, unterstützte eine breite Mehrheit im Gemeinderat den Antrag von CDU und Freien Wählern, mit einer Gedenkstätte so lange zu warten, bis die Zeit des Nationalsozialismus in VS wissenschaftlich aufgearbeitet ist und in Buchform vorliegt. Dies soll erst bis 2017 der Fall sein.

Der „Runde Tisch“ von Privatpersonen, der ungeachtet des ablehnenden Beschlusses des Gemeinderates zur Kunstaktion „Stolpersteine“ vom November 2013 weiterhin für dieses Projekt streitet, hat am vergangenen Montag beschlossen, einen Verein zu gründen. Die Versammlung findet am Montag, 12. Mai, um 20 Uhr im Martin-Luther-Haus in Villingen statt.

„Es geht uns darum, das Thema Stolpersteine wachzuhalten und weiterzuverfolgen, unabhängig vom Beschluss des Gemeinderates“, verdeutlichte Wolfgang Rüter-Ebel, evangelischer Dekan aus Villingen. Hoffnungen gebe es im Kreise der Mitstreiter, dass der neue Gemeinderat, der am 25. Mai gewählt wird, dem Anliegen positiver gegenüberstehe. Dagegen spricht sich Friedrich Engelke, emeritierter Professor der Hochschule Furtwangen, dafür aus, dass sich die Initiative „in der Kunst der kleinen Schritte übt“. Er hält es für besser, erst einmal Stolpersteine auf privaten Grundstücken zu verlegen und nicht schon wieder in den Gemeinderat zu gehen. Enttäuscht äußerte sich Engelke indes über ein Gespräch der Stolperstein-Befürworter mit den Fraktionschefs von CDU und Freien Wählern. „Wir wollten herausfinden, was die eigentlich gegen die Stolpersteine haben.

“ Über die Motivlage habe man wenig erfahren. Allerdings hätte man das Gesprächsprotokoll von CDU-Sprecherin Renate Breuning fast als „Diktat“ empfunden. Hauptanliegen der Fraktionssprecher sei es wohl, das Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten.

Ein wesentliches Ziel der Vereinsgründung ist für Engelke die Veröffentlichung wissenschaftlich fundierter Beiträge über die Nazi-Opfer in VS. Er berichtete, dass die Gruppe bereits 14 Schicksale von Menschen recherchiert hat, die dem Euthanasie-Programm der Nazis zum Opfer fielen.

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Stolpersteine in Villingen-Schwenningen: Im November 2013 hat der Gemeinderat in Villingen-Schwenningen die Stolpersteine erneut abgelehnt. Bereits im Jahr 2004 stimmten die Räte gegen diese Form des Gedenkens an die Judenverfolgung im Dritten Reich. Dabei gab der Verlauf der Debatte zunächst Anlass zur Hoffnung, dass die Abstimmung im Gemeinderat anders ausgeht. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Nachrichten und Bilder rund um die Stolperstein-Debatte in Villingen-Schwenningen.
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