Villingen-Schwenningen Preispoker um die Klärschlammtrocknung
Rund 70 SÜDKURIER-Leser erkunden mit Betriebsleiter Hermann Fritschi (vorne links) und Bürgermeister Jürgen Guse das preisgekrönte Biowärme-Projekt. Bild: Molitor
– Zu einem Vorzeigeprojekt gemausert hat sich die Klärschlammtrockung der kommunalen Biowärme Bräunlingen GmbH. Als einzige weit und breit basiert sie auf einem ökologisch runden Konzept: Klärschlamm, dessen Entsorgung zu einem großen Problem geworden ist, wird mit der kohlendioxid-neutralen Verfeuerung von Holzhackschnitzeln getrocknet; mit der entstandenen Fernwärme werden Gewerbe- und Industriekunden versorgt.
Das getrocknete Klärschlammgranulat dient wiederum einem Zementwerk als Ersatzbrennstoff, das dadurch jährlich 1,4 Millionen Liter Heizöleinsatz spart. Das Gesamtkonzept wurde im Jahr 2000 mit dem Umweltpreis des Landes ausgezeichnet.
Wie die Idee entstanden war und was dahinter steckt, erfuhren um die 70 neugierige Baaremer am Mittwochabend beim Besuch der Trockungsanlage in der Veranstaltungsreihe „Der SÜDKURIER öffnet Türen“. Biowärme-Initiator und Bürgermeister Jürgen Guse sowie Geschäftsführer Manfred Buchwald schilderten das Energiekonzept. Ein Rundgang sorgte für die praktische Veranschaulichung.
Das ökologische Trocknungskonzept (siehe Infokasten) überzeugte nicht nur Kläranlagen im weiten Umkreis als Kunden, sondern rief mit der Zeit auch Dienstleistungskonkurrenten auf den Plan. Mit Preisunterschreitungen versuchen sie der Bräunlinger Modellanlage Kunden abzuwerben.
Durchaus eine Herausforderung sei das für die Biowäre und die aktuell laufenden Verhandlungen über Vertragsverlängerungen mit vielen Kunden, räumt Bürgermeister Jürgen Guse ein.
Doch er setzt auf die Glaubwürdigkeit kommunaler und bürgerschaftlicher Umweltbekenntnisse im praktischen Handeln: Bräunlingens Biowärme habe das einzige runde Öko-Konzept. „Trotz Dumpingangeboten der Konkurrenz, die ihre Trockenwärme mit Heizöleinsatz erzeugen, entscheiden sich die Kunden für den etwas teureren Preis bei uns. Das ökologische Konzept spricht für Bräunlingen“, ist der Bräunlinger Rathauschef sicher.
Den Preisunterschied, der sich letztlich in der Abwassergebühr niederschlägt, beziffert er mit etwa zwei Cent pro Kubikmeter. Für die Biowärme Bräunlingen spreche auch, dass durch den Einsatz von Holz jährlich 1,6 Millionen Kubikmeter Erdgas eingespart würden. Ein zusätzlicher Holzhackschnitzelkessel mit großem Speicher soll demnächst auch die bisher als Sicherheit vorgehaltene Ölzuheizung ersetzen.
Aber kein Öko-Licht ohne Schatten: Anwohner der Anlage im Gewerbegebiet berichteten in der Besuchsrunde von immer wieder auftauchenden Geruchsbelästigungen. „Wir sind noch nicht perfekt, aber wir arbeiten stetig dran“, sagte Manfred Buchwald und schilderte eine Reihe von Anstrengungen zur Abhilfe.
