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Villingen-Schwenningen Polizei mit Neonazi-Ermittlungen noch nicht weiter

Neonazis haben am Samstag eine VHS-Stadtführung gestört. Die Kriminalpolizei ermittelt noch. Immer wieder kommt es in Villingen-Schwenningen zu rechten und linken Umtrieben.

Mit Reichskriegsflagge und israelfeindlichen Transparenten ausgestattet haben Neonazis am Samstag eine Stadtführung zur jüdischen Geschichte gestört; es kam wie berichtet zu einer Auseinandersetzung mit linken Aktivisten. Die Polizei tappt noch im Dunkeln.

Ein nationales Zentrum, wie es NPD-Funktionär Jürgen Schützinger im leer stehenden City-Kino einrichten wollte, ist Schwenningen erspart geblieben, weil der Besitzer nicht an die Nationaldemokraten verkaufen wollte. Dennoch ist eine rechtsextreme Szene vor Ort überaus aktiv; das ist nicht neu. Auch am Neckar werden so genannte „patriotische Stammtische“ abgehalten; es gibt hier eine ganze Reihe brauner Sympathisanten.

„Die Kripo ermittelt noch“

Schützinger kann sich in Schwenningen seit über 20 Jahren auf einen Wählerstamm verlassen, der es ihm ermöglicht, im Stadtrat und im Kreistag mitzumischen. Nun, nachdem mutmaßliche Neonazis am Samstag eine Stadtführung des Historikers Michael Zimmermann für die Volkshochschule gestört haben und ihrerseits von politischen Gegnern angegriffen wurden, steht das Oberzentrum einmal mehr im Blickpunkt.

„Die Kripo ermittelt noch“ – diesen Stand der Dinge vermeldete gestern Bärbel Schatz, Sprecherin des zuständigen Polizeipräsidiums Tuttlingen. Mehr konnte sie nicht sagen, denn große Fortschritte hat es nicht gegeben. Die Kollegen von der Kripo seien dabei, nach und nach die Aussagen zum Vorfall zu „verifizieren“, die zum Teil ja nur „sehr vage“ seien.

Noch sei es nicht gelungen, „handelnde Personen zu vernehmen“. Im Klartext heißt das: Rechte und Linke sind auf und davon, und jetzt muss erst mal einer gefunden werden, der am Samstag dabei war. So macht man sich auch noch keine Gedanken darüber, welcher Straftaten man die mutmaßlichen Neonazis und ihren Antifa-Gegenspielern überhaupt beschuldigen kann.

Auseinandersetzung mit den Linken

Zu Beginn der Veranstaltung der Volkshochschule, die vor dem VHS-Gebäude in der Metzgergasse begann, sollen die Neonazis etwa 15 Meter entfernt gestanden haben. Nachdem einige Aktivisten aus der linken Antifa-Bewegung zunächst nur „Nazis raus“ gerufen hatten, gab es eine handgreifliche Auseinandersetzung. Dabei sollen die Linken auch eine etwa 50 Zentimeter lange Spritze mit gelber Flüssigkeit eingesetzt haben. Die Neonazis wurden dabei von den Antifas angegriffen. Augenzeugen riefen die Polizei.

Für rechte und linke Kräfte war der Zwischenfall vom Samstag nicht das erste aggressive Aufeinandertreffen. Bei einer antifaschistischen  Demo im September vor dem Schwenninger „Easy Corner Pub“ , der Linken als das Stammlokal der Rechten gilt, fehlte nicht viel, und die Fäuste wären geflogen.



Nur massive Polizeikräfte hielten die Akteure auf Distanz. Mutmaßlich national gesinnte Jugendliche, die sich im Nebenzimmer der Gaststätte, provozierten die Antifaschisten, während diese ihre Gegner zum Herauskommen aufforderten.

In Stadt und Region organisieren sich Nationalisten in den „Freien Kräften Schwarzwald-Baar-Heuberg“, die auch eine Internetseite betreiben. Dort gibt es entsprechende Klamotten und sonstiges Zubehör und viel rechte Gesinnung.

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