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Villingen-Schwenningen Pegida-Gruppe steht in der Region offenbar vor der Auflösung

Gerüchte gab es immer wieder, jetzt scheint es soweit: Die regionale Pegidagruppe steht vor dem Aus - sagt die Organisatorin auf Facebook.

Die Pegida-Gruppe in der Region (SBH-Gida, SBH = Schwarzwal-Baar-Heuberg) steht offenbar vor der Auflösung. Auf der Facebookseite der als rechtsextrem eingeschätzten Gruppierung heißt es seit Montag, dass es „ab sofort kein SBH-Gida mehr geben wird“.

Die Bekanntgabe stammt von Sabrina Grellmann und damit von der Person, die alle zehn Kundgebungen der Gruppe in Villingen-Schwenningen angemeldet und somit auch verantwortet hat.

 

 

Liebe Patrioten, zunächst einmal möchte ich mich von ganzem Herzen bei unserem Mitstreiter für den Vorfall am Sonntag...

Posted by Sbh-Gida on Sonntag, 25. Oktober 2015
 

Glatzköpfige Männer mit Tätowierungen, Springerstiefeln und Bomberjacken

Die Organisatorin entschuldigt sich in derselben Verlautbarung auch für einen Vorfall beim letzten Treffen. Dabei wurde einem Teilnehmer eine Israelfahne unter Androhung von Gewalt abgenommen. Der Mann wurde verjagt. Der Vorfall geht einher mit einem auffälligen Wandel der Protest-Teilnehmer.

Sah man bei den ersten Kundgebungen noch einige Villinger Bürger, so war dies zuletzt kaum noch der Fall. Stattdessen dominierten glatzköpfige Männer mit Tätowierungen, gekleidet in Springerstiefel und Bomberjacken, das Bild.

Aus diesem von Ermittlern als rechtsextrem bezeichneten Zirkel heraus soll es auch bei der letzten Kundgebung zu der bedrohlichsten Entwicklung der Kundgebung auf dem Münsterplatz gekommen sein. Rund 50 Personen rückten plötzlich zum Absperrgitter vor, um lautstark das Lager der Gegenprotestanten zu provozieren.

Sabrina Grellmann spricht in ihrer Begründung zum angekündigten Aus von „einigen Dingen, die in den letzten Wochen passiert sind, die es unmöglich machen, unter dem Namen Pegida für die Sache weiterhin auf die Straße zu gehen.“

Konkreter benennt sie ihre Motivation bislang nicht. Sie war am Montag auch nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Ermittlerkreise gehen davon aus, dass ihr die Verantwortung vor allem für das neue und martialisch auftretende Klientel bei den Kundgebungen nicht mehr geheuer gewesen sein könnte.

Unter Beobachtung von Polizei und Staatsschutz

Die Pegida-Gruppe wird nach Informationen des SÜDKURIER längst intensiv vom Staatsschutz der Polizei beobachtet. Obwohl dem Kreis bis zuletzt kaum Zuspruch, noch Zulauf aus der Bevölkerung zuteil wurde, bietet die Polizei immer wieder Hundertschaften bei den Kundgebungen auf. Dies hat auch den Grund, die Pegida-Gruppe von den teilweise ebenfalls massiv auftretenden Gegenprotestanten zu trennen. Erst vor wenigen Wochen stand ein Anhänger der Gegenprotestanten wegen einer Rangelei mit der Polizei vor Gericht. Der Mann musste eine Geldstrafe bezahlen.

Die bisherige Front-Frau des Pegidaprotestes deutet in ihrer Mitteilung von Montag an, dass der Kern der regionalen Pegida-Gruppe unter einem anderen Namen weiter organisiert bleiben könnte. Es geht dabei um eine Gruppierung, die sich im Internet ablehnend zu Ausländern positioniert. Genau diese Haltung war auch immer Pegida in der Region unterstellt worden, und genau dies wiesen die Pegidaredner teils empört zurück. Man wende sich als Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes, hieß es dann ausweichend. Bei der letzten Kundgebung wurde unter anderem Ex-Bundespräsident Wulff angegriffen, der den Islam als Teil von Deutschland bezeichnet hatte.

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