Villingen-Schwenningen Nach dem Erfolg der Premiere: Neuauflage der langen Tafel frühestens 2022

Der Aufwand für eine jährliche Wiederholung ist zu hoch. Begeisternde Stimmen des außergewöhnlichen Picknicks zwischen Villingen und Schwenningen überwiegen

Sie kamen mit opulenten Picknickkörben, mit Tischdecken in den Stadt-Farben Blau-Weiß, entkorkten prickelnden Tropfen, hatten leckeres Essen gebrutzelt und verströmten gute Laune: Rund 5000 Villingen-Schwenninger pilgerten am Samstag zur langen Tafel, amüsierten sich glänzend und viele kannten auf dem Heimweg nur ein Thema: Lässt sich das außergewöhnliche Ereignis wiederholen? Es wird eher ein einmaliges Erlebnis bleiben, erläuterte auf Anfrage Kulturamtsleiter Andreas Dobmeier. Eine Neuauflage zu einem besonderen Anlass, zum Beispiel dem 50-jährigen Geburtstag der Doppelstadt im Jahr 2022, will er aber nicht ausschießen.

  • Großaufwand an Logistik: Die Bürger glänzten als Gäste und Gastgeber zugleich, füllten das Band zwischen Villingen und Schwenningen mit Leben und sinnlicher Erfahrung, lobte Dobmeier. Dennoch sei für eine regelmäßige Neuauflage der logistische Aufwand einfach zu hoch: Strom musste in den Zentralbereich gelegt, Toiletten-Anlagen aufgestellt, der Auf- und Abbau geregelt, die Straße bis 6 Uhr morgens gereinigt werden. Ein Sicherheitsdienst patrouillierte mit 35 Kräften, nach den Kreiseln versperrten Container und Feuerwehrfahrzeuge den direkten Weg, um einen Terror-Anschlag zu verhindern. All das kostet: 70 000 Euro stehen im Budget, wie wir bereits berichteten. Ohne eigene Einnahmen. Zum Vergleich: Die Kulturnacht trage sich beinahe selbst, merkte Dobmeier an. Doch der Stadt war es dies zur 1200 Jahrfeier der Ersterwähnung Villingens, Schwenningens und Tannheims wert.
  • Besucher und Akteure begeistert: Die 400 Bänke der Fürstenberg-Brauerei, neben der Sparkasse Schwarzwald-Baar Hauptsponsor, füllten sich schnell. Ursprünglich wollte die Stadt 600 Bänke platzieren, um von der Villinger Straße kommend eine noch deutlichere Beziehung zwischen den großen Stadtbezirken herzustellen. Doch am Hölzlekönig-Kreisel war Schluss (oder Anfang). Die Straße musste als Zufahrt zum Klinikum freigehalten werden. Manch ein Künstler mag deswegen froh gewesen sein, musste er doch nur knapp einen Kilometer überwinden. Ohne Verstärker, die ließ Dobmeier ausdrücklich untersagen, um die Gespräche nicht zu übertönen, waren die Stimmbänder der Akteure gefragt. Wächters Runde, die an jedem Tisch strählen, also die Gäste humorvoll hochnehmen musste, schaffte es auf etwas über die Hälfte. Schauspieler Olaf Jungmann, der sich über "die gelungene Aktion" freute, 1,5 Mal. Nur über das Ambiente, schlug er vor, müsse die Stadt im Falle einer Wiederholung nachdenken – anstatt der Kreisstraße lasse sich noch etwas anderes finden.
  • Das wird bemäkelt: Am Samstag spielte das Wetter mit, bis die Sonne unterging. Dann wurde es schnell kühl. Die Leidtragenden waren die Stadtmusik Schwenningen und die Guggenmusik Fazenedle, die von Villingen und Schwenningen kommend, in lauer Sommernacht aufspielen sollten. Doch weil die Temperaturen absackten, waren vor allem die Schwenninger Stadtmusiker enttäuscht, berichtete Dobmeier. Die spielten nur anfangs noch vor vollen Bänken, dann leerten die sich schlagartig. Dieter Sirringhaus, früherer Leiter des Familienparks, machte wegen der Finanzen seinem Ärger Luft: "Wir hatten 2002 beim großen Jubiläum von 30 Jahre Villingen-Schwenningen und 50 Jahre Baden-Württemberg damals im Klosterhof fast gar keine Kosten, ein Mega-Programm und 20 000 Besucher." Und heute brauche es zwei Stellen im Kulturamt seit einem Jahr für das Fest, schrieb er in einer Mail.
  • Das Fazit: Gelungen, fanden alle, die sich den Besuch nicht entgehen ließen. Auch Oberbürgermeister Rupert Kubon war von der langen Tafel "sehr begeistert", eine jährliche Wiederholung hält dann aber auch er für unrealistisch.

Villinger sind geteilter Meinung

Das sagen die Villinger zu einer Neuauflage:

  • Dunia Smith: „Ich finde die Idee gut. So kann man mit Leuten in Kontakt kommen. Ich würde mir auf jeden Fall überlegen hinzugehen, wenn es die lange Tafel noch mal gibt.“
  • Lillian Joos (34): „Ich finde die Idee prinzipiell gut. Ich habe von Freunden gehört, dass der Shuttle nicht wirklich funktioniert hat, sie mussten ewig warten. Aber an sich hätte ich nichts dagegen, wenn die Veranstaltung wiederholt werden würde.“
  • Vincenzo Ottaviani (75): „Muss das sein? Ich finde es nicht so toll, so ein Fest auf einer Straße zu veranstalten. Ich finde ein normales Stadtfest schöner.“
  • Petra Rofner (59): „Ich finde die Idee super. Ich kenne ähnliche Feste aus München und finde solche Veranstaltungen sind total wichtig für eine Stadt. Ich finde, dass man das auf jeden Fall wieder machen sollte!“
Umfrage: Dana Rapp

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