„Wir sind uns noch nicht einig. Aber wir wollen auf keinen Fall die Schüler, die nächstes Jahr Abi machen, bestrafen und den Abistreich absagen. Denn sie können auch nichts dafür“, sagt Rainer Krautheimer, Rektor am Gymnasium am Romäusring. Am kommenden Dienstag ist Gesamtlehrerkonferenz. Dann stehe dieses Thema auf der Tagesordnung, denn auch andere Schulen hätten mit dem zunehmenden Alkoholkonsum der Schüler zu kämpfen.
Wie wir berichteten, sagte die Schulleitung den Abi-Streich am Gymnasium am „Romäus“ ab. Ungefähr 150 junge Leute feierten auf dem Schulgelände ihr Abitur. Mehrere Anwohner hatten sich über Lärmbelästigung in der Nacht auf Mittwoch beschwert. Zwei alkoholisierte junge Männer wurden in Gewahrsam genommen. Die Schüler wollten sich gestern in Begleitung ihrer Eltern bei den Beamten entschuldigen. Auf dem Revier hätten sie die Polizisten aber nicht angetroffen, werden aber noch einmal kommen, berichtet Polizeichef Roland Wössner sichtlich erfreut.
Einsichtig waren auch die übrigen Schüler. „Sie haben eingeräumt, dass es lauter als in vergangenen Jahren zuging“, so Krautheimer. Für dieses Verhalten habe er sie kritisiert. Krautheimer sieht das Problem auch darin begründet, dass die Abiturienten in diesem Jahr jünger seien und noch schlechter mit Alkohol umgehen könnten. Der entscheidende Störfaktor in dieser Nacht sei aber eine externe Gruppe gewesen, die mit zwei Autos und lauter Musik auf das Schulgelände gefahren sei. Dann sei es nach Angaben der Schüler zu Schubsereien und lautem Wortwechsel gekommen. Die Beobachtungen der Abiturienten habe Friedemann Schmidt, Krautheimers Stellvertreter, bestätigt.
Im Polizeibericht wird allerdings keine externe Gruppe erwähnt. Polizeichef Roland Wössner erklärt, warum: „Zwei Beamte, die auf Streife zufällig in der Nähe waren, trafen als erste ein. Die Gruppe, die laut Schüler den Streit verursacht haben soll, bemerkte die Kollegen und entfernte sich. Das war gut so, weil mehrere junge Leute gestritten hatten und aufeinander losgingen.“
Die Polizisten trafen auf eine Menge von ungefähr 150 Menschen. Sie waren nach Darstellung von Wössner also erst einmal froh, dass einige Streithähne gegangen waren. Für die Beamten sei zu dem Zeitpunkt nicht ersichtlich gewesen, von wem der Ärger ausging. Wössner ist über die von einer Mutter geäußerte Kritik verärgert. „Wir haben wirklich anderes zu tun, als alkoholisierte Jugendliche auseinanderzubringen.“ Die Situation werde nun verniedlicht. Und man hätte sich über diese Veranstaltung im Vorfeld mehr Gedanken machen müssen.
Wössner stört sich daran, dass einige Schüler exzessiv Alkohol getrunken hätten. „Als die Beamten eintrafen, lagen zahlreiche Wodka-Flaschen auf dem Boden. Das generell zunehmend uneinsichtige Verhalten der Alkoholisierten gefällt uns nicht.“ Nachdem der Abi-Streich abgesagt wurde, zogen ungefähr 50 Schüler zum Brigachufer. Auch dort sei es zu Lärmbelästigung gekommen. Zehn Schüler hätten sich „verbal gegen die Beamten gestellt“. Auf die beiden jungen Männer kommt eine Anzeige wegen Widerstand gegen die Polizeigewalt zu und je ein Gebührenbescheid von mindestens 100 Euro.
Im SÜDKURIER Abi-Themenpaket finden Sie alle Informationen und Bilder zu den Prüfungen, den Abistreichen, den Bällen sowie den Zielen der Abiturienten in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg.
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