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14.02.2013  |  0 Kommentare

VS-Villingen Mucha: "Wir geben uns Mühe, dass die Hess AG wieder ins Laufen kommt"

VS-Villingen -  Der vorläufige Insolvenzverwalter bei der Hess AG, Martin Mucha, will den Betrieb so schnell wie möglich wieder zum Laufen bringen. Dies kündigte der 43-Jährige in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER am Donnerstagmittag an.

Martin Mucha  Bild: Bjoern Haenssler



Martin Mucha
Mucha ist derzeit in Verhandlungen mit Banken bestrebt, das vorläufige Insolvenzgeld für die Belegschaft sicher zu stellen. Nach Informationen des SÜDKURIER hat Mucha dabei gute Karten, seine Kanzlei - Grub und Partner in Stuttgart - genießt allerbestes Renommee, auch und gerade bei den Kreditinstituten.

Mucha sagte am Donnerstag weiter, sein zweites Ziel sei es "nun vorrangig, sicherzustellen, dass der Betrieb wieder ins Laufen kommt". Die Ankündigung der Zahlungsunfähigkeit habe die Hess-Geschäfte zwar nicht komplett zum Erliegen gebracht, Sorgen und Befürchtungen bei Lieferanten und Kunden seien in einer solchen Situation aber enorm, äußerte der Jurist im Gespräch mit dem SÜDKURIER Verständnis für solche Reaktionen.

"Wir geben uns Mühe", sagte Mucha zu seinen Tätigkeiten. Nähere Fragen zu Details wollte er am Donnerstag nicht beantworten, er müsse sich erst orientieren und "seriös einarbeiten", sagte er weiter.

Martin Mucha arbeitet jetzt im dreizehnten Jahr für die Kanzlei von Volker Grub. Grub war es, der maßgeblich an der Fassung des neuen Insolvenzrechtes in Deutschland mitwirkte, als die Gesetzgebung die frühere Konkursordnung ablöste. Mucha wirkte zuletzt in der Region bei der Schieflage der Matthias Bäuerle GmbH in St. Georgen. Dort wurden 100 Arbeitsplätze gerettet.

In Stuttgart sanierte er die Grafix GmbH. Mit Volker Grub arbeitete er in den spektakulären Insolvenzfällen bei der Schiesser AG in Radolfzell und bei der Rohwedder AG. Mucha ist auch als Insolvenzverwalter tätig bei einem aktuellen Sanierungsfall im Großraum Villingen-Schwenningen.

In der Kur- und Bäderstadt ist er zuständig Neuaufstellung der zahlungsunfähigen Irma-Klinik" id="5891810" tag="" type="Artikel" %>.

Chronologie der Hess-Turbulenzen


Chronologie der Hess-Turbulenzen
  • Montag; 21. Januar: Einstimmig beschließt der Aufsichtsrat die Abberufung der Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler wegen des Verdachts auf Bilanz-Manipulationen.
  • Dienstag, 22. Januar: Christoph Hess teilt mit: Die gegen mich erhobenen Vorwürfe kenne ich nur aus der Presse und kann sie nicht nachvollziehen.
  • Mittwoch, 23. Januar: Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf. Die Familie Hess kündigt an, über ihre Aktienmehrheit (39,9 Prozent) Aufsichtsrat und Vorstand des Unternehmens neu besetzen zu wollen.
  • Donnerstag, 24. Januar: Seniorchef Jürgen G. Hess bietet an, die Leitung des Unternehmens zu übernehmen.
  • Freitag, 25. Januar: Neuer Vorstand Till Becker stellt sich den Mitarbeitern vor. Eine Firmensprecherin lehnt die Rückkehr von Jürgen G. Hess ab.
  • Montag, 28. Januar: Am Montag bekam der Ehrenvorsitzende der Meckergilde Horst Schätzle einen Anruf aus der Firma Hess, dass der Verein ohne Wenn und Aber sofort das Hess-Gelände räumen müsse, wo der Fasnet-Verein seit drei Jahren seine vier Umzugsfahrzeuge, seine Häser und andere Utensilien in und vor einer Halle lagern durfte.
  • Mittwoch, 30. Januar: Beamte der Landespolizeidirektion Freiburg haben im Auftrag der Staatsanwaltschaft Mannheim die Firmenräume durchsucht, Akteneinsicht genommen und Dokumente mitgenommen. Auch im Privathaus von Christoph Hess in Villingen haben die Beamten aus Freiburg Papiere beschlagnahmt.
  • Montag, 4. Februar: Die Staatsanwaltschaft teilt mit, sie habe die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter der Firma wegen des Verdachts auf Beihilfe ausgeweitet.
  • Dienstag, 5. Februar: die Hess AG teilt in einer Pflichtmitteilung an der Börse mit: aufgrund des Einfrierens der Kreditlinien haben verschiedene Tochtergesellschaften der Hess AG akuten Liquiditätsbedarf.
  • Dienstag, 5. Februar: In einer von Christoph Hess und Peter Ziegler gezeichneten Erklärung vom Dienstagnachmittag legen die beiden Ex-Vorstände die Entwicklung der Firma Hess aus ihrer Sicht dar. Sie attackieren die neue Führung des Unternehmens.
  • Mittwoch, 13. Februar: Der Vorstand der Hess AG hat am Mittwochmorgen entschieden, beim zuständigen Amtsgericht einen Insolvenzantrag zu stellen. Zum Artikel
  • Mittwoch, 13. Februar: Die Hess AG nimmt in einer aktuellen Mitteilung Stellung zur Situation der Firma. Zum Artikel
  • Mittwoch, 13. Februar: Christoph Hess, Ex-Vorstandsvorsitzender der Hess AG, erklärt sich am Mittwochnachmittag zum Insolvenzantrag des Unternehmens.Zum Artikel
 

Die Firma Hess, ein Gießereibetrieb, wurde 1947 von Willi Hess gegründet und stellte zuerst Waffeleisen her. 1968 übernahm der Sohn Jürgen G. Hess die Firma mit acht Mitarbeitern. Er entwickelte das Unternehmen zum Hersteller modern gestalteter Außen- und Straßenleuchten aus Metallguss und Straßenmöblierungen. 2007 wurde die GmbH zur Familien-Aktiengesellschaft umfirmiert. Jürgen G. Hess wurde Aufsichtsratsvorsitzender, sein Sohn Christoph Geschäftsführer des Betriebs. Der Börsengang folgte im Oktober 2012. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Infos und Bilder rund um das Villinger Unternehmen.

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