Die Stadtwerke haben zwei Häusern in Villingen teilweise den Strom abgedreht. Mitten in der derzeitigen Kälteperiode funktioniert deshalb die Heizung nicht mehr. Anlass für die Sperrung: Der Eigentümer begleicht offene Rechnungen nicht, obwohl die Hausbewohner ihre Nebenkosten über die Warmmiete zahlen.
Die Frau ist verzweifelt und wütend. „Ich sitze hier mit fünf Kindern in der Kälte“, sagt die Anruferin. Die Stadtwerke haben am Dienstagmittag den Allgemeinstrom des Hauses abgedreht. Die Heizung ist kalt, es kommt kein Warmwasser mehr aus dem Hahn, es gibt kein Licht im Treppenhaus.
Schuld ist nach Ansicht der Frau der Hausbesitzer. Obwohl die Bewohner an ihn Warmmieten zahlen, habe der die Nebenkosten nicht an die Stadtwerke Villingen-Schwenningen (SVS) weitergeleitet. „Die SVS hat uns alle angeschrieben“, sagt sie. „Es geht wohl um 8600 Euro.“ Betroffen seien zwei Häuser in der Sperberstraße mit zehn Parteien, darunter Familien mit Kindern.
Natürlich habe sie bereits versucht, den Vermieter zu erreichen, erzählt die Anruferin. „Erst hieß es, er sei gerade nicht daheim. Als ich dann gesagt habe, um was es geht, hat seine Frau auf einmal gesagt, ihr Mann sei in der Türkei.“ Die Bewohnerin vermutet, dass sich der Vermieter verleugnen lässt.
Die Hausbewohner wissen nicht, was sie jetzt tun sollen. Direkt mit den Stadtwerken reden, einen Anwalt beauftragen oder den Mieterbund um Hilfe bitten. Das rät Bernd-Rüdiger Schenkel, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes VS. „Wenn die Wohnung kalt bleibt, ist das natürlich eine massive Mietminderung“, sagt er, Gerichte hätten da schon bis zu 50 Prozent eingeräumt. „Über den Mieterbund oder einen Anwalt kann man dem Vermieter die Pistole auf die Brust setzen.“
Als letztes bliebe noch der Bittgang zu den Stadtwerken: „Ihr könnt uns doch bei diesem Wetter nicht im Kalten sitzen lassen“, sollten die Bewohner fordern. Überhaupt verweist Schenkel auf den sozialen Aspekt. „Ich halte das nicht für einen guten Zug der SVS“, sagt der Mieterbund-Vorsitzende.
Der eingesetzte Hausverwalter Georg Budig versucht seit Tagen „permanent“ den Eigentümer auf dem Handy zu erreichen. „Ich habe ihm schon mehrfach gesagt: ‚Da muss Geld rüberwachsen.' Leider vergeblich.“ Bereits im Dezember habe eine Sperrung des Allgemeinstroms nur durch eine Teilzahlung verhindert werden können.
Budig sagt, er habe immer alles an die Stadtwerke überwiesen, was der Eigentümer auf dem Treuhandkonto gelassen hat. „Wenn ich eine Gelddruckmaschine hätte, würde ich das sofort begleichen.“ Der aktuelle Betrag auf dem Konto reiche aber nicht aus, um sich mit dem Stromversorger zu einigen und die Abschaltung zu verhindern. „Und überziehen darf ich das Konto nicht“, sagt der Hausverwalter.
Eine Verschiebung aufgrund der Witterung sei für die SVS nicht infrage gekommen, da sich dadurch auch die gesetzlichen Fristen verschieben würden. Die aktuelle Sperrung sei bereits am 16. Januar – auch gegenüber den Mietern – angekündigt worden. „Da gab es aber keine Reaktion“, sagt SVS-Pressesprecherin Julia Muth. Dass die Bewohner jetzt in einer äußerst unangenehmen Situation sind, „sehen wir genau so“, sagt die Sprecherin.
Die Mieterin behilft sich mit einem Heizlüfter aus dem Badezimmer. „Ich habe den jetzt in die Küche gestellt, damit wenigstens ein Raum warm ist. Aber lange kann ich den nicht laufen lassen, sonst explodiert das Gerät.“
Jetzt befürchtet die Mieterin, dass im Haus auch noch das Trinkwasser abgestellt wird. Für Bernd-Rüdiger Schenkel undenkbar: „Das ist ein Grundnahrungsmittel.“ Für die Bewohner der beiden Häuser wäre es jedenfalls ein Alptraum. „Wir können jetzt schon nicht duschen. Wenn das passiert, dann können wir noch nicht mal mehr kochen und auch nicht aufs Klo gehen“, sagt die fünffache Mutter.