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Villingen-Schwenningen Meilenstein für die Aleviten

Die Alevitische Gemeinde Villingen-Schwenningen hat ihr 20-jähriges Bestehen mit rund 800 Gästen im Theater am Ring gefeiert. Hauptredner war Cem Özdemir, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen.

Ihr 20-jähriges Bestehen ist für die Alevitische Gemeinschaft Villingen-Schwenningen ein Meilenstein. Es wächst hier die mittlerweile dritte Generation Aleviten heran. Ihren besonderen Tag feierten die Aleviten am Samstag bis spät in die Nacht mit rund 800 Gästen im Theater am Ring. Als Hauptredner war Cem Özdemir, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen nach Villingen gekommen. Es war ein Tag zahlreicher Glückwünsche und Grußworte, geprägt von Freude, fröhlichem Beisammensein, musikalischen Einlagen und Gesprächen. Immer präsent war aber das aktuelle Geschehen in der Türkei und das Wissen um dort verfolgte Brüder und Schwestern. Die Aleviten drückten in vielen Redebeiträgen ihre Dankbarkeit aus, in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft offen zu ihrer Religion stehen zu dürfen. Deswegen wolle man mitbestimmen, fühle sich verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen.

„Alevitisch ist, wenn der Mensch im Mittelpunkt steht“, erklärte Deniz Tas, die Jugendvorsitzende der Gemeinschaft. Sie gab einen Überblick über das, was die alevitische Jugend macht und wies darauf hin, dass mittlerweile die dritte Generation in zwei Kulturen aufwächst. Es gelte die Vielfalt der Religionen und Kulturen ohne Spaltung zu akzeptieren und zu stärken.

„Es ist eine riesige Freude heute dieses Jubiläum zu feiern. Wir feiern heute etwas, das von vorherigen Generationen aufgebaut wurde“, sagte Elif Cangür, Grünen-Stadträtin, eine der vier Stellvertreter von Oberbürgermeister Kubon und lange Jahre Vorsitzende der Alevitischen Gemeinschaft.

In ihrer Videobotschaft lobte Ruhan Karakul, Vorsitzende der Alevitischen Gemeinschaft Baden-Württemberg, die Arbeit der Gemeinde, Villingen-Schwenningen sei außerdem Vorbild für andere Gemeinden.

„Villingen-Schwenningen hat für die europäischen Aleviten eine historische Bedeutung“, erklärte Elif Cangür in ihrer Ansprache. Es ist die erste Stadt, in der alevitischer Religionsunterricht eingeführt wurde. Villingen-Schwenningen sei somit in ganz besonderer Weise Teil der Alevitischen Geschichte geworden. Aydin Kaybaki, Vorsitzender der Gemeinde mit ihren 260 Mitgliedern, plus Kinder und Jugendliche, rief von Beifall begleitet kritisch dazu auf, aufgrund der dort herrschenden Verhältnisse die türkische Regierung nicht zu unterstützen.

Solidarität und Gemeinwesen würden in der heutigen Situation rasant an Bedeutung verlieren, so Oberbürgermeister Rupert Kubon. Deshalb danke er der Alevitischen Gemeinschaft besonders für das Brücken bauen, die angebotene Hilfe und die Spende. „Friedlicher Protest war und ist Ausdruck der Gemeinde“, lobte er und bescheinigte, dass die Gemeinde Anerkennung gewonnen sowie sich immer zu Staat und Gemeinwesen bekannt habe.

Der mit Spannung erwartete Hauptredner des Abends war natürlich Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Auch er trat mit vehementen Worten, von stürmischem Applaus quittiert, gegen Unterdrückung und Verfolgung in der Türkei an. „Wenn Christen oder die Alevitische Gemeinde bedroht werden, dann werden wir bedroht. Dann stellen wir uns vor unsere christlichen Brüder und Schwestern.“ Er traue einem Staatspräsidenten nicht, der Zeitungen verbietet und Journalisten einsperrt. Auch Cem Özdemir bat alle, die ein Wahlrecht haben, zur Wahl zu gehen. In so vielen Ländern würden Menschen für dieses Recht kämpfen und oft auch sterben.

 

Die Aleviten

Die Aleviten sind eine muslimische Glaubensgemeinschaft, die sich in ihren Glaubensvorstellungen und religiösen Praktiken von orthodoxen Muslimen (Sunniten, aber auch von den meisten Schiiten) unterscheidet. Aleviten fasten nicht im Ramadan und der Koran spielt bei ihnen keine tragende Rolle. Sie verehren ganz besonders Ali, Muhammads Cousin und Schwiegersohn. Ihr Name bedeutet wörtlich „Ali-Anhänger“. Zentrales Element ihrer Glaubensauffassung ist der in den Mittelpunkt gerückte Mensch, wichtig ist ihnen das Verhältnis zum Mitmenschen. (sgn)

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