Villingen-Schwenningen – Keine Angst vor der nächsten Wirtschaftskrise hat die Firma Megaplast aus Pfaffenweiler. Das Unternehmen will seine erstaunliche Erfolgsgeschichte mit konsequenter Expansion fortsetzen: Im Industriegebiet auf Herdenen ist eine neue Produktionshalle mit Hochregallager geplant.
Dafür wird Megaplast nach eigenen Angaben über zehn Millionen Euro investieren. Bis 2015 sollen rund 100 neue Arbeitsplätze entstehen.
Überproportionales Wachstum und viele neue Arbeitsplätze kennzeichnen die wirtschaftliche Entwicklung von Megaplast in den vergangenen Jahren. Erst vor vier Jahren hat der mittelständische Betrieb, ein hoch spezialisierter Produzent von Dosierspendern für die Kosmetik- und Pharmabranche, seine Fertigungsräume verdoppelt und eine zusätzliche Produktionshalle mit 6000 Quadratmetern im Villinger „Technologiepark“ eingerichtet. Inzwischen platzt das Unternehmen schon wieder aus allen Nähten. Geplant ist eine neue Produktionsstätte mit rund 12 000 Quadratmetern.
Allerdings hat die Anfrage der Firmenleitung nach einem Grundstück, das mit Erweiterungsmöglichkeiten 40 000 Quadratmeter haben soll, im Rathaus für richtig Betrieb gesorgt. „Die halbe Stadtverwaltung wurde durch diese Anfrage beschäftigt“, berichtete der Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderungs-GmbH (Wifög) Georg Seeck, der das Unternehmen bei der Standortsuche über Monate hinweg eng betreut hat. Auch Oberbürgermeister Rupert Kubon schaltete sich massiv ein. Das Problem: Die Vorräte der Stadt für größere Industrieflächen sind inzwischen erschöpft. Nach intensiver Sondierung wurde schließlich auf Herdenen ein geeignetes Grundstück gefunden. Die Stadt konnte hier Grundstücke bereitstellen, die ursprünglich als Erweiterungsflächen des Druckzentrums Südwest und der Spedition Bächle auf Herdenen vorgesehen waren.
Hoch zufrieden äußerte sich Wirtschaftsförderer Seeck, dass das erfolgreiche Unternehmen am Standort VS gehalten werden könne und nicht nach auswärts abwandern müsse. Vorübergehend war von den Eigentümern sogar eine Verlagerung nach Wuppertal diskutiert worden, wo die Firmengesellschafter über ein leerstehendes Fabrikgebäude verfügen. „Das Unternehmen ist mit seinen zukunftsfähigen Produkten und tollen Arbeitsplätzen sehr wichtig für Villingen-Schwenningen“, urteilte Seeck.
Auch die Firmenleitung mit Geschäftsführerin Lucyna Silberstein und Finanzvorstand Andrew Thompson äußerten gegenüber dem SÜDKURIER ihre Befriedigung über die gefundene Lösung. „Wir wollten in Villingen-Schwenningen bleiben, um möglichst alle unsere Mitarbeiter halten zu können“, betonte die Firmenchefin mit Hinweis auf den leergefegten Arbeitsmarkt. Die Geschäftsführer betonten, dass entgegen anderslautender Gerüchte, der Standort in Pfaffenweiler, wo derzeit 150 Mitarbeiter beschäftigt sind, auf jeden Fall erhalten bleibt. Dagegen wird Megaplast seine angemietete Produktionshalle im „Technologiepark“ am Villinger Krebsgraben aufgeben, wenn der Neubau auf Herdenen steht. Wenn alles glatt läuft, könnte die neue Produktionsstätte bereits Mitte 2013 fertig sein.
Trotz der vielbeschworenen Gefahr einer weltweiten Rezession blickt man bei Megaplast voller Zuversicht in die Zukunft. Das Unternehmen hat sich die Position des Weltmarktführers bei der Produktion der technologisch aufwändigen Vakuum-Dossierspender („airless-dispenser“) erarbeitet. „Die Wirtschaftskrise von 2008 und 2009 haben wir kaum gespürt“, berichtet Finanzdirektor Andrew Thompson. Kosmetikartikel, so ergänzt Geschäftsführerin Lucyna Silberstein, seien von Konjunktureinbrüchen kaum betroffen. „Kosmetika kosten nicht viel Geld und machen Spaß“.
Große Hoffnungen setze das Unternehmen auch auf sein zweites Geschäftsfeld: die Dosierspender für die pharmazeutische Industrie. Dieser Geschäftsbereich soll in den nächsten Jahren stark expandieren: Von derzeit fünf auf 25 Prozent des Umsatzes. Die entsprechenden Projekte sind bereits auf dem Weg. In beiden Geschäftsbereichen erwartet die Geschäftsführerin bis 2015 ein Umsatzwachstum von 50 Prozent – Zahlen, von denen viele Betriebe nur träumen können.