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Villingen-Schwenningen Mal wieder alles drin beim „Riet-Obed“

13.02.2012
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– Wer den Rietball kennt, der weiß: Hier findet eine Art gemütliches Kontrastprogramm zur großen Villinger Saalfasnet in der Tonhalle statt. Alles eine Nummer kleiner, „hoameliger“ und weniger perfekt wie bei den großen Narrenzünften.

Doch das Publikum im Münsterzentrum hat nicht weniger Spaß, wie die glänzende Stimmung beim „Riet-Obed“ am Freitag einmal mehr unterstrich.

Unter der Regie von Uwe Hermanutz hatten die Rietvögel wieder ein richtig flottes Programm auf die Beine gestellt, wozu natürlich auch die vereinseigene „Hauskapelle“, die Rietwieber mit ihrem Chef Stefan Golinkske an der Quetschkommode in bewährter Weise beitrug. Mit „Seemannsliedern“ brachten die Damen richtig Schwung und Stimmung in den Saal.

Auch sonst boten die Rietvögel wieder viel Bewährtes auf. Zur festen Größe haben sich inzwischen die Haasen-Kinder Benedikt, Anika und Moritz entwickelt, die vor der schön gemalten Kulisse der Villinger Rietgasse so manchen lustigen und unbekümmerten Tratsch aus der Nachbarschaft zelebrierten, aber auch der alten Tonhalle nachtrauerten, wo es im Gegensatz zur neuen Halle noch richtig viel Platz und vier Bars für die Narren gab. Das Thema Sitzplatz-Beschränkung war auch für den „Tonhallen-Pförtner“ (Mäx Schneider) eine närrische Steilvorlage, um sich über die „Rathaus-Sesselfurzer“ zu mokieren. Sein Platzspar-Vorschlag: Jeder Narr nimmt künftig seine Begleiterin auf den Schoss…

Was bei manch anderen Bällen vermisst wird, nämlich die närrische Abrechnung mit der Obrigkeit, setzt Albert Helmstädter seit Jahren trefflich beim Riet-Obed um. Spitz gereimt bekommt der „OoBe“, der „Gmondrot“ und andere Großkopftete alljährlich von Rietvogel Helmstädter auf urvillingerische Art die Leviten gelesen. Das Gezänk mit der Stadt, ob die Volksbank auf ihrem Vorplatz einen Brunnen oder besser, wie der OB wollte, ein Kunstwerk bauen darf, fand der kritische Rietvogel sehr befremdlich. Sein Rat an das Stadtoberhaupt: „Dät de OB mol bi iis de Brunne butze, dät er au mol unserem Stadtteil nutze...“ Und eben nicht nur Schwenningen, wo nach der Landesgartenschau nun für viele Millionen Euro auch noch das Zentrale Rathaus gebaut werden soll. „Nach Schwenningen soll es, des isch doch klar, dort hot er (der OB) die gröschte Anhängerschar“, reimte Helmstädter unter prasselndem Beifall.

Ein herrlicher Schwank erheiterte die 350 Gäste mit dem Auftritt von „Eugen und dem Bürgermeister“. Thomas Gass und Bernhard Mühlhäuser zeigten erstaunliche komödiantische Qualitäten und parodierten die Fernseh-Stars der „Mäulesmühle“ (mit „Hannes und der Bürgermeister“) fast perfekt.

Doch den Höhepunkt des Abends setzten zwei andere. Die beiden Moritatensänger Andreas Müller und Klaus Paulus packten zur musikalischen Begleitung von Barbara Stern zwei Narro-Schemen aus ihrem Koffer, denen die Tränen über die Backen liefen: Unverkennbar zwei Merze-Scheme, die im Dürrheimer Narrenschopf vom Heimweh nach Villingen geplagt werden. „Dort wo die Mauern stehen, dort wo die Narros gehen, dort war ich einmal zu Hause“, schmetterten die Sänger herzzerreißend auf die Melodie „Schön war die Zeit“. Da bekam auch das Publikum Wasser in die Augen, allerdings vor Freude. Nicht minder genial nahmen die beiden Barden die Tonhallen-Plätze („Katja, Plätze, tönt's aus der Hall“) und die Nostalgie um die alten Autokennzeichen aufs Korn. Der Auftritt zeigte, wie man mit einer kreativen Gesangsnummer einen Saal zum Toben bringt. Fazit: Beste Nummer des Abends, das Publikum war aus dem Häuschen.

Zugaben, die mussten natürlich auch die Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne geben: Sei es das süße Kinderballett, das gemischte Jugendballett und die „Rietgazellen“, das charmante Damenballett. Sie alle hatten sich wieder viel Mühe mit Choreographie und Auftritt gemacht. Pech nur für sie, dass nach ihnen noch die „Krähenfüße“ kamen. Denn welche Chance in der Gunst des Publikums könnten anmutige Tänzerinnen gegen den Anblick tanzender Männer haben, die am Schluss, nahezu zwangsläufig, in der Unterhose auf der Bühne stehen? Natürlich keine! Der Saal raste. Der Riet-Obed, er hatte wieder (fast) alles geboten.

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