Das dürfte in Deutschland und Europa einmalig sein. Ein Tonstudio, das unter Denkmalschutz steht. Die Stadt Villingen-Schwenningen will das bei Jazzkennern weltberühmte Tonstudio MPS (Musikproduktion Schwarzwald) in der Villinger Richthofenstraße zum Kulturdenkmal in der höchsten Kategorie erklären. Gestern adelte der deutsche Jazztrompeter Till Brönner das legendäre Studio mit einem Besuch.
Villingen-Schwenningen – „Die Denkmaleigenschaften des Tonstudios und die Notwendigkeit seiner Erhaltung sind aufgrund seiner Originalität, des besonderen Seltenheitswertes einiger Stücke und des generellen dokumentarischen Wertes in das Bewusstsein eines breiten Kreises von Sachverständigen sowie eines Teils der Bevölkerung eingegangen“. Das Studio habe in „besonderem Maße wissenschaftliche, aber auch heimatgeschichtliche Bedeutung“. Mit dieser Begründung wird die Stadtverwaltung das Studio in der Richthofenstraße 1 unter Denkmalschutz stellen.
Mit dieser überraschenden Entscheidung trägt die Stadt der Tatsache Rechnung, dass in diesem Studio vor allem in den 60er und 70er Jahren die genialsten Musiker der US-amerikanischen und später der europäischen Jazzszene zahlreiche Schallplatten einspielten, die bei den Jazzfreunden bis heute einen legendären Ruf haben. Musikgeschichte geschrieben haben aber auch manche Klassikeinspielungen wie etwa das „Wohltemperierten Klaviers“ des weltberühmten Pianisten Friedrich Gulda.
Freude über die Erhebung zum Kulturdenkmal herrscht bei Mathias Brunner-Schwer, dem Sohn des einstigen Musikproduzenten und Studiobetreibers Hans Georg Brunner-Schwer und beim Jazzkritiker und Produzenten Friedhelm Schulz. Wie berichtet, haben sich die beiden die Verwaltung und Vermarktung des musikalischen Nachlasses von Hans Georg Brunner-Schwer auf die Fahnen geschrieben. Erste Aktion: Am 24./25. September ist der Verkauf von einigen tausend Schallplatten aus der MPS-Produktion geplant, die in den Studioräumen noch originalverpackt gelagert sind. Bei dieser Gelegenheit wird der bekannte deutsche Jazzpianist Wolfgang Dauner vor Publikum zwei Livemusik-Einspielungen im Studio vornehmen.
Wird dieses Wochenende ein finanzieller Erfolg, wollen Brunner-Schwer und Schulz weitere Aktionen starten, um den „kulturellen Schatz, der im Dornröschenschlag lag, wachzuküssen“ (Friedhelm Schulz). Ihre Vorstellung: „Wir wollen ein lebendiges Kulturdenkmal!“ Das heißt: In den ehemaligen MPS-Räumen sollen wieder verstärkt Tonaufnahmen gemacht werden. Das erhofft sich zumindest Mathias Brunner-Schwer. Ein Großteil der Technik ist nach wie vor funktionsfähig. Er denkt vor allem an Klassik oder Jazzaufnahmen, ist aber auch offen für andere Musikstile. Nur an der Qualität der Aufnahmen, die einst den Ruf des Studios begründeten, dürften keine Abstriche gemacht werden.
Brunner-Schwer und Schulz können sich vorstellen, das Haus auch für Führungen, Konzerte, Ausstellungen und weitere kulturelle Veranstaltungen zu öffnen. Im Herbst soll im Studio auch die neue CD präsentiert werden, die die Pianistin Henriette Gärtner im Frühjahr vor Ort eingespielt hat. Auf diesem Weg wollen Brunner-Schwer und Schulz voranschreiten. Das Studio soll, so hoffen sie, mittelfristig „zum festen Bestandteil des örtlichen Musik- und Kulturlebens werden“.
Der Name MPS als Pfund, mit dem sich wuchern lässt. Zustimmung dazu habe auch der Hauseigentümer, die Gastro-Firma Käfer signalisiert, die im Erdgeschoss des Gebäudes ihr Büro betreibt. Der Betrieb von Berthold Käfer hat das Grundstück und Gebäude vor einiger Zeit von der Familie Brunner-Schwer gekauft. Möglicherweise eröffnet das Studio im ersten Stock dem Gesamtgebäude neue, ungeahnte Nutzungsmöglichkeiten.