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05.02.2013  |  von  |  4 Kommentare

Villingen-Schwenningen Liquiditätsengpass: Der Firma Hess geht das Geld aus

Villingen-Schwenningen -  Die finanzierenden Kreditinstitute haben die zugunsten der Hess-Gruppe bestehenden Guthaben vorsorglich eingefroren und die bestehenden Kreditlinien gesperrt.

Der Stammsitz der Hess AG in VS-Villingen aus der Luft fotografiert.  Bild: Hess AG



Aufgrund des Einfrierens der Linien haben verschiedene Tochtergesellschaften der Hess AG akuten Liquiditätsbedarf. Dies teilte die Hess AG in der Nacht zum Dienstag in einer Pflichtmitteilung an der Börse mit.

Nach SÜDKURIER-Informationen wurden vor allem am sächsischen Standort Löbau Löhne nicht überwiesen. Vor diesem Hintergrund sind die Zahlungsfähigkeit und die Fortführungsprognose der Gesellschaft sowie entsprechende Rechtsfolgen sorgfältig zu prüfen.

 Zur Beseitigung des Liquiditätsengpasses und zum Zwecke der Sanierung führt der Vorstand nach eigenen Angaben "konstruktive Verhandlungen mit den finanzierenden Kreditinstituten über den Abschluss einer Stillhaltevereinbarung.

Eine solche Vereinbarung und die Fortführung der Gesellschaft erfordern erhebliche finanzielle Beiträge von Seiten des größten Aktionärs, der Hess Grundstücksverwaltungs GmbH & Co. KG. Die hierzu vom Vorstand geführten Verhandlungen haben bislang zu keinen ausreichenden Beiträgen geführt", heisst es weiter von Seiten des Schwarzwälder Leuchtenherstellers.

Erklärung von Vorstand Till Becker

Wörtlich erklärt Vorstand Till Becker in der von ihm gezeichneten Erklärung: "Vor diesem Hintergrund sind die Zahlungsfähigkeit und die Fortführungsprognose der Gesellschaft sowie entsprechende Rechtsfolgen sorgfältig zu prüfen. In diesem Rahmen wird der Vorstand jede sich ernsthaft bietende Sanierungschance weiter verfolgen", so Becker abschließend.

Die Hess AG entließ vor zwei Wochen ihre beiden Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler wegen des Vorwurfs der Bilanzmanipulation.

Till Becker wurde vom Aufsichtsrat am gleichen Tag als Alleinvorstand eingesetzt. Die Staatsanwaltschaft lässt in dem Unternehmen ermitteln. Ein ganzes Heer von Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern ist zudem im Auftrage des Unternehmens in der Firma zugange.

Am Montag teilte die Staatsanwaltschaft mit, sie habe die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter der Firma wegen des Verdachts auf Beihilfe ausgeweitet.


Chronologie der Hess-Turbulenzen


Chronologie der Hess-Turbulenzen
  • Montag; 21. Januar: Einstimmig beschließt der Aufsichtsrat die Abberufung der Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler wegen des Verdachts auf Bilanz-Manipulationen.
  • Dienstag, 22. Januar: Christoph Hess teilt mit: Die gegen mich erhobenen Vorwürfe kenne ich nur aus der Presse und kann sie nicht nachvollziehen.
  • Mittwoch, 23. Januar: Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf. Die Familie Hess kündigt an, über ihre Aktienmehrheit (39,9 Prozent) Aufsichtsrat und Vorstand des Unternehmens neu besetzen zu wollen.
  • Donnerstag, 24. Januar: Seniorchef Jürgen G. Hess bietet an, die Leitung des Unternehmens zu übernehmen.
  • Freitag, 25. Januar: Neuer Vorstand Till Becker stellt sich den Mitarbeitern vor. Eine Firmensprecherin lehnt die Rückkehr von Jürgen G. Hess ab.
  • Montag, 28. Januar: Am Montag bekam der Ehrenvorsitzende der Meckergilde Horst Schätzle einen Anruf aus der Firma Hess, dass der Verein ohne Wenn und Aber sofort das Hess-Gelände räumen müsse, wo der Fasnet-Verein seit drei Jahren seine vier Umzugsfahrzeuge, seine Häser und andere Utensilien in und vor einer Halle lagern durfte.
  • Mittwoch, 30. Januar: Beamte der Landespolizeidirektion Freiburg haben im Auftrag der Staatsanwaltschaft Mannheim die Firmenräume durchsucht, Akteneinsicht genommen und Dokumente mitgenommen. Auch im Privathaus von Christoph Hess in Villingen haben die Beamten aus Freiburg Papiere beschlagnahmt.
  • Montag, 4. Februar: Die Staatsanwaltschaft teilt mit, sie habe die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter der Firma wegen des Verdachts auf Beihilfe ausgeweitet.
  • Dienstag, 5. Februar: die Hess AG teilt in einer Pflichtmitteilung an der Börse mit: aufgrund des Einfrierens der Kreditlinien haben verschiedene Tochtergesellschaften der Hess AG akuten Liquiditätsbedarf.

Weitere Bildergalerien

Die Firma Hess, ein Gießereibetrieb, wurde 1947 von Willi Hess gegründet und stellte zuerst Waffeleisen her. 1968 übernahm der Sohn Jürgen G. Hess die Firma mit acht Mitarbeitern. Er entwickelte das Unternehmen zum Hersteller modern gestalteter Außen- und Straßenleuchten aus Metallguss und Straßenmöblierungen. 2007 wurde die GmbH zur Familien-Aktiengesellschaft umfirmiert. Jürgen G. Hess wurde Aufsichtsratsvorsitzender, sein Sohn Christoph Geschäftsführer des Betriebs. Der Börsengang folgte im Oktober 2012. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Infos und Bilder rund um das Villinger Unternehmen.

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4 Kommentare
50% oder nicht
Meiner Meinung nach geht es bei Hess darum wer 50% der Aktien und eine Aktie hält und wer die Fahne hochhält. Deshalb wird die Aktie runtergeknüppelt um möglichst billig an die benötigte Zahl der Aktien zu kommen. Hier wäre der Lampenhersteller Waldmann gut beraten mal kurz 10 % des Aktienkapitals zu kaufen, denn für 4,- EUR /Aktie steckt eine Menge Rendite drin, wenn man als Lampenhersteller zusammen hält. Ausserdem soll Waldmann Systemlieferant von Hess sein. Somit bietet sich diese Allianz an. Wenn die Mehrheiten verteilt sind, dann läuft der Laden wieder. Die Banken können die Konten nicht zu lange sperren, denn diese haften auch dafür. Man siehe hierzu das Deutsche Bank Urteil im Fall Leo Kirch !!!
Weiß Herr Trippl vom Südkurier bereits mehr?
Interessanterweise werden im Artikel von Herrn Trippl bereits die Kriterien deutlich angesprochen, welche einer Insolvenz unmittelbar vorausgehen:

A) Drohende Zahlungsunfähigkeit
B) Zahlungsunfähigkeit
C) Überschuldung

A) und B) werden mehr oder weniger deutlich angesprochen, C) liegt ebenfalls bereits vor, doch sieht das seit einigen Jahren geltende Insolvenzrecht vor, dass § 15 a InsO dann nicht unmittelbar greift, wenn "eine positive Fortführungsprognose für das Unternehmen vorliegt".

Dass der neue Geschäftsführer Till Becker den Hauptaktionär Hess um erhebliche weitere finanzielle Mittel bittet, um diese "positive Fortführungsprognose" überhaupt erst zu ermöglichen, obwohl dessen Verluste schon bisher bei mind. 22 Millionen Euro liegen, wirft ein diffuses Licht auf den anderen Hauptaktionär HPE/Tim van Delden, also die "Heuschrecke", welche sich Hess ins Boot geholt hat.
@ Peter Cuenot
Es ist kaum zu glauben, vor einigen Wochen war alles noch in Ordnung und heute am 5.2. wird schon eine Insolvenz nicht ausgeschlossen. Die Frage ist, aus welcher Feder das kommt und die Frage ist, was damit beabsichtigt wird. Angeblich sind die Gelder eingefroren und die Kreditlinien gestrichen. Meine Frage: Welche Firma würde da nicht über kurz oder lang Insolvenz anmelden ??? Ich denke jede Firma in Villingen würde Insolvenz anmelden, wenn die Kreditlinien auf das Geschäftskonto gestrichen würden. Die Verantwortung liegt hier bei den Banken. Ich habe bereits heute die Verantwortlichkeit der LBBW angeschrieben, denn dieses hat einen ähnlichen Schriftzug als das Deutsche Bank Urteil im Verfahren Leo Kirch.

Aber was will man bezwecken. Mit Hilfe der Banken kann ein Scenario ausgemalt werden, welches die Börsenkurse drückt und das Legal. Jemand will Aktien kaufen und das Billig !!!!

Die Börsenaufsicht sollte mal mit der ermittelnden Staatsanwaltschaft zusammen arbeiten.
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