Er wolle seine Kontakte nutzen und sich dafür einsetzen, dass es mit der Linachtalsperre finanziell weitergeht, sagte der EU-Abgeordnete Andreas Schwab (CDU) am Freitag bei der Besichtigung der Staumauer. Und wenn es mal so weit ist, will er auch gerne mit der Motorsäge kommen und die Bäume im später zu überflutenden Areal fällen, schmunzelte er, nachdem ihn Bürgermeister Robert Strumberger das Bauwerk und die Schwierigkeiten bei der Finanzierung aufgezeigt hatte.
Vöhrenbach - Strumberger, der seinen Gast in Doppelfunktion als Bürgermeister Vöhrenbachs und als Vorsitzender des Fördervereins "Rettet die Linachtalsperre" in die Details des Bauwerks einführte, legt die finanzielle Seite der Sanierung und Wiederbelebung der Sperre schonungslos auf den Tisch: 780000 Euro fehlen noch zur Verwirklichung des Traums (der SÜDKURIER berichtete) 300000 Euro könnten von Land kommen, 150000 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und 300000 Euro von der Stadt Vöhrenbach, rechnet Strumberger dem 1973 in Rottweil geborenen Schwab vor.
Einen Dämpfer hatte die Aktion bekommen, nachdem im März die wasserrechtliche Genehmigung zur Sanierung der Ende 1925 fertig gestellten Linachtalsperre erteilt worden war: Eine Ausschreibung brachte statt der erwarteten Kosten von 3,9 Millionen Euro ein Ergebnis von 4,5 Millionen Euro. So war die Finanzierungssicherheit nicht gegeben und die Ausschreibung hatte aufgehoben werden müssen.
Doch nach wie vor geht Strumberger davon aus, dass es noch was wird mit der Stromerzeugung über die Linachtalsperre. Die Stromerzeugung selbst läuft ja jetzt schon und bis Ende 2002 wurden über 4,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Aber der Betrieb läuft nicht mit gestautem Wasser, sondern nur mit dem Teil des Wassers, das die Linach von Haus aus führt, erklärte Strumberger seinem Gast auf dem Steg der Linachtalsperre in 25 Meter Höhe über dem Grund des künftigen Stausees. Dringend notwendig ist jetzt die Sanierung des Betons. Dabei handelt es sich zumeist um die Beseitigung von Schäden am Mauerwerk, die in den Bereich der Schönheitsoperation gehören; die Schäden haben keine Auswirkung auf Funktion oder Statik des Bauwerks, wie Strumberger versichert.
Die halbkreisförmig angelegten Gewölbe der Mauer, die später mit dem angestauten Wasser in Berührung kommen, sollen mit einer Folie ausgekleidet werden, um eine dauerhafte Dichtigkeit zu gewährleisten. Die Folie, so die derzeitigen Vorhersagen, soll mindestens 30 Jahre halten. Und sollte doch mal ein Schaden auftreten, so kann der durch das Auswechseln eines Teils der Folie behoben werden, sagt Strumberger seinem Gast, der ganz genau hinhört.
Andreas Schwab erinnert sich an die Zeit seines Studiums der Rechtswissenschaften in Freiburg. Damals sei er oft auf der Landesstraße an dem Hinweisschild zum Linachstausee vorbeigekommen und habe sich immer gefragt, ob es die Staumauer beziehungsweise den Stausee immer noch gebe. Doch das war zu Beginn der 90er-Jahre und der Stausee war bereits 1988 abgelassen worden. Schon 1969 wurde die Stromversorgung eingestellt. Dann begann auch der Verfall des Baukulturdenkmals. 1994 versagten die Behörden aus Sicherheitserwägungen heraus das Betreten der Mauerkrone.
1999 wurde der Förderverein "Rettet die Linachtalsperre" gegründet, der jetzt versucht, das Baukulturdenkmal wieder zum Leben zu erwecken. "Zu 90 Prozent haben wir den Weg schon hinter uns", sagte Strumberger am Freitag. "Es wäre bitter für die Bevölkerung, wenn die letzten zehn Prozent nicht mehr geschafft werden können." Die Wiederaufnahme der ureigentlichen Funktion der Staumauer würde der Region auch einen touristischen Impuls geben. Ein Konzept sei da schon angedacht. Immerhin hatte der damalige Stausee eine Fläche von 110000 Quadratmetern bedeckt.
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