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Villingen-Schwenningen Kultur kommt unter Spardruck

10.02.2010
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Villingen-Schwenningen steht vor einem vielfältigen und spannenden Kulturjahr 2010. Doch danach werden Kunst-, Konzert- und Theaterfreunde auf Diät gesetzt. Die Sparzwänge konkretisieren sich jetzt mehr und mehr. Klar ist: Das Angebot wird künftig reduziert.

Villingen-Schwenningen – „Fast dramatisch“ nennte Andreas Dobmeier, der Leiter des Amtes für Kultur, die für 2010 geforderten Einsparungen in seinem Haushaltsbereich. Das bedeutet: 30 Prozent pauschal weniger, etwa bei den 100 000 Euro, die für Programmplanung vorgesehen sind, oder bei der Städtischen Galerie. „Wir müssen das Angebot sicher reduzieren, aber an den Qualitätsansprüchen will ich auf keinen Fall Abstriche machen“, so Dobmeier gestern bei einem kurzen Ausblick aufs Kulturangebot in diesem Jahr. Aber: „Die kulturelle Grundversorgung muss gewährleistet bleiben.“

Im Rahmen der Einspar-Überlegungen ist offenbar noch nicht alles festgezurrt. Aber die Lesungsreihe „Auf Buchfühlung“ werde künftig eingestellt, kündigte Dobmeier bereits an. Im Bereich Theater und Konzerte werde das Angebot vor allem im zweiten Halbjahr eingeschränkt werden müssen – fürs erste Halbjahr, das ja noch zur Spielzeit 2009/2010 zählt, sind etwa Orchester und Theatertruppen längst vertraglich fest gebucht. Dann werde das Kulturamt wohl in der folgenden Saison 2010/2011 „einige Abo-Reihen noch stärker zusammenführen“, so Dobmeier: Es gibt insgesamt weniger Aufführungen, die dafür öfter parallel im Angebot bislang unterschiedlicher Abonnements verkauft werden.

Abo-Reihen komplett streichen will Dobmeier nicht – sie wären dann auch besserer Kassenlage kaum mehr wiederzubeleben, fürchtet er. Somit werde die neue Saison auch nicht gleich nach den Sommerferien starten, sondern erst im Herbst.

Ein weiterer Ansatzpunkt wäre etwa, verstärkt Orchester aus Baden-Württemberg einzuladen, die nach dem Konzert noch nach Hause fahren können, so dass man ihnen keine Übernachtung bezahlen muss.

Damit nicht genug: Das Jazzfestival „VS swingt“ sorgt im Verbund mit den Gospelkonzerten im Franziskaner für einen Abmangel von 40 000 Euro – da müsse ein Weg gefunden werden, das Ganze kostengünstiger zu gestalten, so Dobmeier. Und das für April 2010 erstmals geplante, einwöchige Tanzfestival „VS eMotion“ wird voraussichtlich eine einmalige Sache bleiben, auch wenn Dobmeier hofft, daraus zumindest eine Biennale machen zu können. Dieses Jahr werden hier internationale Tanzensembles erwartet. Etwa 120 Schüler aus Villingen-Schwenningen arbeiten zudem mit der Musikhochschule Trossingen an einer Inszenierung des „Feuervogels“.

Schwierig wird's auch für die Galerie, machte Dobmeiers Stellvertreter und Galerieleiter Wendelin Renn deutlich: Die Kunstausstellungen erforderten jeweils zwei bis drei Jahre Vorbereitungszeit. Die aktuellen Sparvorgaben von 30 Prozent beträfen also momentan laufende Projekte und hätten auf diese „einen Effekt, der nicht von dieser Welt ist“, sagte Renn. Er hat neben der aktuellen Schau mit Werken des Expressionisten Erich Heckel noch zwei Ausstellungen in Planung: Von Juni bis August will die Galerie Arbeiten von Picasso und weiteren Künstlern rund ums Thema „Arkadien“ zeigen, und im Herbst folgen zwei zeitgenössische Maler. Zum Vergleich: In früheren Jahren gab es jährlich vier bis sechs Ausstellungen im Durchschnitt.

Auch Anita Auer und Michael Hütt von den Städtischen Museen kündigten Abstriche an. Die Teilnahme an größeren überregionalen Projekten oder der Einkauf von Ausstellungen sei angesichts knapper Budgets bislang schon schwierig gewesen. Künftig werde es noch mehr darum gehen, die eigenen Sammlungen für Ausstellungen zu nutzen.

Vorerst verschoben werde beispielsweise ein Ausstellungsvorhaben, das eigentlich Frauen aus Stadt und Region hätte einbeziehen sollen – denn da fehlten nun 3000 Euro für einen Ausstellungskatalog. Für die 8500 Euro, die für den Ankauf eines aufwändig gearbeiteten Sekretärs eines Villinger Kunstschreiners von 1808 nötig wären, müssen aber sowieso Sponsoren gefunden werden: Der Ankauf-Etat sei ohnehin schon auf Null, sagte Auer.

Wobei der Kalender der Museen 2010 freilich noch einiges zu bieten hat – von der Ausstellung zum Jubiläum 200 Jahre Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen über die Präsentation der Museen auf der Landesgartenschau bis hin zu Wanderausstellungen, Museumsfest und mehr.

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