Villingen-Schwenningen Kommentar: Der Jazz und das Geld
Wie auch? Ohne den Mentor und Inspirator, ohne die Triebfeder und den Antreiber Fritz Ewald kann das nicht gehen.
Ewald ist mit einem Donnerknall von Bord gegangen. Genau betrachtet war das so: Der Kapitän springt als erster. So etwas nennt man einen Eklat. Ewald kann froh sein, dass die Sache glimpflich verlief. Dass er am Samstag dem Publikum eine Standpauke verpasste, weil es nicht in genügender Anzahl zu erscheinen beliebte, ist einzigartig.
Das Publikum grollte zwar hier und da, die meisten steckten den rustikalen Auftritt aber weg. Wer Fritz Ewald näher kannte, zeigte Verständnis. Er hat die Sparvorgaben nicht mehr ausgehalten – und ist am Ende fast geplatzt.
Für Villingen-Schwenningens Kulturprogramm ist das Ganze ein schwerer Schlag. Schon seit Jahren halten die Menschen den Verantwortlichen die opulenten Konzertprogramme von Rottweil und Tuttlingen unter die Nase: Wie wollen auch so was. Mehrere Kulturamtsleiter scheiterten an der Herausforderung, in der Doppelstadt das Gefühl zu zünden, VS ist Marktführer bei Konzerten und Veranstaltungen. Ein Anspruch, der in der 82 000 Einwohnerstadt selbstverständlich sein muss. Wir sind das Oberzentrum.
VS swingt litt zuletzt unter zwei Dingen. Erstens: Die Jazzer-Szene fühlte sich in der Tonhalle nicht daheim und viele blieben fern. Zu schön waren die Erinnerungen an legendäre Konzerte im Theater am Ring. Teilweise wurde dort die ganze Nacht durchgejazzt, von solchen Ereignissen war zuletzt keine Rede mehr. Stattdessen gab es einen steifen Vip-Empfang mit Mitternachts-Ansprache, kaum jemand war damit zufrieden. Ewald wollte zurück ins Theater und er hatte nicht das Gefühl, sein Wunsch werde erhört.
Zweitens: Zuletzt und in der Perspektive hat Villingen-Schwenningen das Geld gefehlt. In diesem Jahr gab es beispielsweise Vorverhandlungen für VS swingt über einen Auftritt von Chick Corea und seiner Freedom Band. Die Sache platzte, weil die Band einen besser bezahlten Konzertabend vorzog. In Tuttlingen wäre ein solches Star-Ensemble vielleicht kurzfristig mit Sponsorenhilfe doch noch eingekauft worden.
In Villingen-Schwenningen haderten zuletzt auch die Unterstützer der Veranstaltung. Unternehmerische Engagements wurden reduziert, prominente Abgänge einiger Firmen standen bevor. Man fühlte sich lieblos präsentiert, der Unmut rumorte im Hintergrund.
Für den Jazz ist in Villingen jedoch alles andere als Feierabend. Im kommenden Jahr feiert der Jazzclub seinen 50. Geburtstag. Dann swingt wenigstens das Webergässle.
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meist voll daneben, wie ich meine.