Sind die Jugendlichen zurückhaltender mit dem Alkohol und daher friedlicher? Feichtinger hält sich noch mit einer Festlegung zurück. „Die Fasnet fängt ja erst an. Wir wollen mal abwarten, was die nächsten Tage bringen.“ Doch wenn die Fasnet so weiter gehe wie am Donnerstag „wäre das okay“, urteilte der Polizeisprecher.
Immerhin: Schon an der Fasnet 2010 ging es in der Färberstraße relativ friedlich zu. Grundsätzlich, so Feichtinger, könne man beobachten, dass größere, auf Krawall ausgerichtete Gruppen mit der Videoüberwachungen und der verstärkten Polizeipräsenz im Kneipenviertel verschwunden seien. Eine Zurückhaltung der Jugend beim Alkoholkonsum kann die Polizei allerdings nicht bestätigen. Einzelne gewalttätige Konflikte gebe es immer mal wieder.
So auch in der Nacht auf Freitag gegen 0.30 Uhr in einem Treppenaufgang einer Gaststätte in der Färberstraße. Dort kam es laut Polizei zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen einem Mann und zwei Frauen. Die Auseinandersetzung artete aus, als der Mann plötzlich eine der Frauen in das Gesicht schlug und die andere die Treppe hinunter stieß. Der Schläger konnte unerkannt entkommen.
Rund drei Stunden später hatte ein 22-jähriger Mann nichts Besseres zu tun, als quasi im Vorübergehen vor einer Gaststätte einem Mann einen Schlag gegen die Nase zu versetzen. Der 22-jährige Angreifer musste wenig später in einer Zelle des Polizeireviers untergebracht werden, da er einem nach dieser Tat erfolgtem Platzverweis der Beamten nicht Folge geleistet hatte. Und um 5.15 der nächste Konflikt in der Schlösslegasse, als ein Mann einem 23-Jährigen eine Bierflasche hinterher warf. In der Folge kam es zu einer Rangelei zwischen den beiden, in deren Verlauf der 23-jährige eine Schnittverletzung an der Hand erlitt.
Am frühen Freitagmorgen musste ein junger Mann in den Zellen des Polizeireviers aufgenommen werden. Da er sich unflätig benommen hatte war ihm ein Platzverweis für die Villinger Innenstadt ausgesprochen worden, den er jedoch einfach ignoriert hatte.
Ebenfalls bis zum Freitagmorgen durfte sich ein 24-jähriger Mann nicht mehr im Bereich der Färberstraße aufhalten. Er hatte sich bereits am Donnerstagabend so aggressiv verhalten, dass ihm ein Platzverweis erteilt werden musste.
Nicht zuletzt waren auch die Polizeibeamten Opfer von einer diesmal verbalen Attacke eines „Fasnetbesuchers“ geworden. Gegen 22.30 Uhr war eine Streifenwagenbesatzung von einem 20-jährigen jungen Mann in der Niederen Straße mit beleidigenden Worten bedacht worden. Der junge Mann wird als Folge seines unflätigen Auftritts demnächst eine Strafanzeige wegen Beleidigung von Polizeibeamten erhalten.
Bereits über den gesamten „Schmotzigen“ war der Franziskanergarten von den Beamten des Villinger Polizeireviers durch ständige Präsenz überwacht worden. Bis zu 60 meist Jugendlichen und Heranwachsenden hatten den ganzen Tag über den Platz bevölkert. Nennenswerte Vorkommnisse meldeten die Beamten nicht, allerdings hatten sie bei ihren Gesprächen und Kontrollen doch einigen Alkohol von den Jugendlichen einbehalten. Meist waren es kleine hochprozentige Mixgetränke, die später entweder ausgeschüttet oder an die Eltern ausgehändigt wurden.
Unterstützt wird die Einschätzung der Polizei auch von den Mitarbeitern der Mobilen Jugendarbeit und der Fachstelle Sucht, die sich den ganzen Tag und in der Nach bis 2.30 Uhr an ihrer Anlaufstelle um Jugendliche kümmerten. Besonders interessierten sich die jungen Leute dafür, mit Hilfe des Alkomats den eigenen Alkoholpegel zu checken. Allerdings waren Messergebnisse über zwei Promille eher die Ausnahme, so Streetworkerin Jana Thomé, die meisten lagen im Bereich unter 1,5 Promille. Im Vergleich zu den Vorjahren habe es viel weniger Probleme gegeben. Nur in zwei Fällen musste man dafür sorgen, dass Mädchen von den Eltern abgeholt wurden und einmal ließ man den Krankenwagen kommen, um einen durch Sturz verletzten Jungen abzuholen und zu versorgen.
