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05.08.2010  |  von  |  0 Kommentare

Villingen-Schwenningen Kinderklinik kämpft um Frühchen

Villingen-Schwenningen -  Villingen-Schwenningen – Matthias Henschen, Chef der Kinderklinik am Schwarzwald-Baar-Klinikum ist richtig sauer: Er ärgert sich über einen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses in Berlin, der die Regeln für die Betreuung von Frühchen verschärfen möchte. Der Bundesausschuss entscheidet, welche Leistungen von Krankenkassen übernommen werden.

Frühgeborene unter einem Geburtsgewicht von 1250 Gramm sollen künftig nur noch in Kliniken behandelt werden, die mindestens 30 solcher Fälle bearbeiten. In der Kinderklinik in Villingen-Schwenningen sind es 24 pro Jahr.

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Redakteurin Villingen-Schwenningen

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Künftig sollen frühgeborene Kinder unter einem Geburtsgewicht von 1250 Gramm nur noch in Kliniken versorgt werden, die mindestens 30 Fälle pro Jahr vorweisen können. Villingen-Schwenningen hat 2009 24 solcher Frühgeburten betreut. Henschen hofft jetzt auf eine Lücke im Gesetz: „Das Sozialministerium Baden-Württemberg könnte sich über diese Zahl hinwegsetzen, um die regionale Versorgung zu sichern.“ Matthias Henschen weist darauf hin, welch enorme Zusatzbelastung auf die Eltern von Frühgeborenen zukäme: „Sie müssten dann weite Wege in Kauf nehmen, um ihr Kind zu sehen und das über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten.“ Das sei für Familien ein enormer Stress.

Auch für die Kinderklinik hätte die Umsetzung des neuen Beschlusses weitreichende Folgen: „Ich denke da vor allem an die qualifizierte und hochmotivierte Arbeit der Schwestern und Pfleger.“ Im Moment werden in Villingen zwei Babys betreut, die mit einem Gewicht von rund 600 Gramm auf die Welt gekommen sind. Rund ein Drittel des Personals der Kinderklinik sei im Bereich der Neonatologie eingesetzt. „Wenn wir künftig die Kinder unter 1250 Gramm nicht mehr betreuen können, müssten wir unsere gesamte Arbeit umstrukturieren.“ Für die Klinik wäre das auch wirtschaftlich eine Gratwanderung: Die Versorgung eines Frühchen kostet bis zu seiner Entlassung zwischen 50 000 und 100 000 Euro, Geld das der Klinik schmerzlich fehlen würde. Zumal die teueren Intensivbetten ja für die etwas größeren Babys über 1250 Gramm weiter bereitgestellt werden müssen.

Matthias Henschen ist in engem Kontakt mit den Krankenhäusern in Rottweil, Schramberg, Titisee-Neustadt und Tuttlingen – hier existiert ein Baby-Notarzt-Abholdienst. Nur wenn diese Kliniken weiterhin eng mit dem Schwarzwald-Baar-Klinikum kooperieren, lässt sich die geforderte Mindestzahl von Geburten unter 1250 Gramm erreichen. Henschen ist zuversichtlich, dass in Villingen-Schwenningen weiterhin eine neonatologische Versorgung der höchsten Versorgungsstufe existieren wird. „Wir leisten hier eine Arbeit die auf dem Niveau einer Uniklinik liegt.“

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