Villingen-Schwenningen Kein Votum zu Stolpersteinen

Geschichtsverein hält sich bewusst aus dem Diskurs um die Stolpersteine heraus. Mitgliederstand hält sich bei gut 600 Interessierten.

Der Geschichts- und Heimatverein Villingen hat sich zwar auch kommunalpolitisches Engagement auf die Fahne geschrieben, in die Stolpersteine-Diskussion will er sich aber nicht einmischen. Zumindest nicht offiziell, wie Vorsitzender Günter Rath bei der Jahresversammlung im Hotel Diegner erklärte. Der Vorstand habe eine Befragung der rund 600 Mitglieder erwogen, aber verworfen, weil ein einheitliches Meinungsbild nicht erwartbar sei.

In Vorstand und Beirat des Geschichts- und Heimatvereins (GHV) herrscht laut Rath Uneinigkeit über eine etwaige Verlegung von Stolpersteinen in Villingen-Schwenningen. Sie sollen an die Schicksale jüdischer Familien in der Nazi-Zeit erinnern, wurden bekanntlich vom Gemeinderat abgelehnt und werden seither in ungeahnter Dynamik öffentlich thematisiert. GHV-Mitglieder, die sich individuell engagieren wollen, verwies Rath an den unlängst gegründeten Verein „Pro Stolpersteine“. Als Kollektiv hingegen werde der Geschichts- und Heimatverein nicht Stellung beziehen: „Bei uns gibt es keinen Fraktionszwang.“ Darum sei die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion abgelehnt worden, zu der die Pro-Stolpersteine-Initiative eingeladen hatte: „Wir hätten als Verein keine eindeutige Position beziehen können.“

Die weiteren Entscheidungen und Aktivitäten im vergangenen Jahr waren hingegen von Konsens geprägt. Mit jeweils 3000 Euro unterstützte der Verein die Sonderausstellung der Städtischen Museen zu barocken Theaterkulissen „Zersägt“ und die Restaurierung von Bildern des Villinger Malers Albert Säger. Mit dem Erlös des Weihnachtsmarkts, bei dem die Villinger Geschichts- und Heimatenthusiasten vor allem eigene Publikationen verkaufen, wurde das Palliativzentrum unterstützt. Vorträge, Ausflüge, Reisen erfreuten sich guter Resonanz.

Als Protagonisten aus den eigenen Reihen nannte Günter Rath Alt-Dekan Kurt Müller, der auch 2014 spannende Kunst-Exkursionen gestalten wird, und Nachfolger Josef Fischer, der Wandergruppen wieder zu sakralen Orten geleiten wird. Die Fußwallfahrt auf den Dreifaltigkeitsberg, die vor 20 Jahren wiederbelebt worden war, sei zur neuen Tradition geworden. Weitere Höhepunkte im vergangenen Jahr seien Kulturexkursionen ins ferne Piemont und ins nahe Nordstetten gewesen, wo Stadtrat und Landwirt Ernst Reiser alte Höfe vorstellte. Ihnen und weiteren Reiseleitern, Referenten, Autoren, Sponsoren und nicht zuletzt den Mitgliedern dankte der Vorsitzende: „Das beste Programm nutzt nichts, wenn kein Interesse da ist.“

Bei dem Buch „Kirchen und Kapellen in Villingen-Schwenningen“, das in Regie des Geschichts- und Heimatvereins im Dezember 2012 erschien, könnte die Nachfrage besser sein, monierte Schatzmeister Hasko Froese den bisher schleppenden Verkauf: „Bitte kaufen, verschenken, empfehlen Sie es!“, forderte er die rund 60 erschienenen Mitglieder auf. Insgesamt sind aktuell 601 Mitglieder im Verein registriert. Das sind sieben mehr ein Jahr zuvor, obwohl mehr als ein Dutzend inzwischen verstarben. Analog zur stabilen Mitgliederentwicklung sind die Vereinsfinanzen solide. Unangenehmste Ausgabe sei die Beseitigung von Vandalismus-Schäden am neuen Natur- und Geschichtslehrpfad zwischen Villingen und Schwenningen gewesen. Gleichwohl konnte mit einem kleinen Plus abgeschlossen werden: „Und wir haben immer noch ein Polster für Sonderprojekte.“

 

Die Wahlen

Helmut Kury bleibt für zwei Jahre zweiter Vorsitzender, Helga Echle Schriftführerin. Clemens Auberle wollte nicht mehr Mitglied im Beirat sein, doch ein Nachfolger musste nicht gewählt werden. Das verbleibende achtköpfige Gremium ist laut Satzung groß genug und wurde wiedergewählt.

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Stolpersteine in Villingen-Schwenningen: Im November 2013 hat der Gemeinderat in Villingen-Schwenningen die Stolpersteine erneut abgelehnt. Bereits im Jahr 2004 stimmten die Räte gegen diese Form des Gedenkens an die Judenverfolgung im Dritten Reich. Dabei gab der Verlauf der Debatte zunächst Anlass zur Hoffnung, dass die Abstimmung im Gemeinderat anders ausgeht. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Nachrichten und Bilder rund um die Stolperstein-Debatte in Villingen-Schwenningen.
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