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Villingen-Schwenningen Jugger: Bunte Trendsport-WM im Friedengrund

Jugger beeindrucken mit athletischem Spiel. Stringente Regeleinhaltung ist selbstverständlich. Das große Festzelt ist durchgehend komplett voll.

So was hat man auf dem Villinger Sportplatz im Friedengrund auch noch nicht gehört: Übermannshohe und antik wirkende Lautsprecher beschallen mit sonarartigen Impulsen das weite Grün.

Die sekundenschnellen Taktgeber sind die Zähluhr in der Trendsportart Jugger. Der Villinger Jugger-Club S.P.A.T (Special Pompfen and Tactics) richtete am Wochenende die ersten Weltmeisterschaften und die 17. Deutschen Meisterschaften dieses Sportes in Villingen aus.

Über Zweihundert dieser Impulse ziehen sich die beiden Halbzeiten bei einem Jugger-Spiel hin. „Drei, zwei, eins, Jugger“, signalisiert der Schiedsrichter vom Spielfeldrand lautstark den Spielern entgegen. Sofort stürmen je fünf Mann von den Grundlinien in die Mitte des 40 Meter langen Spielfeldes aufeinander zu.

Jeder ist nach seinen taktischen Bedürfnissen mit spezifischen Spielgeräten (Pompfen) ausgestattet. Die 3,2 Meter lange Kette mit Schwungkörper wird raumgreifend geschwungen, mit den Spielgeräten versucht man den Gegenspieler durch Berührung zu neutralisieren. Der Läufer befördert den Ball (Jugg) ins Tor.

„Juggen ist eine Mischung aus Kampfsport, Rugby und vielen anderen sportlichen Einflüssen“, heißt es von so manchen Befragten auf den Feldern. Eine Art Eklektizismus, bei dem verschiedene Aspekte zu einem neuen Ganzen synthetisiert werden. Was zunächst wie eine Prügelei auf dem Spielfeld aussieht, hat jedoch durchwegs athletische Merkmale. „Niemand soll sich verletzen, alle Spielgeräte sind sorgfältig gepolstert“, sagt Fabian Höller vom Villinger Club.

Nach vier Stunden Spielbetrieb gibt es außer leichten Blessuren auch keine nennenswerten Wehwehchen. Außergewöhnlich auch ist die durchwegs freiwillig eingehaltene Regelkonformität der Teilnehmer. Zwar stehen dem Schiedsrichter ein Assistent und zwei Linienrichter zur Seite, schnell wird jedoch auch jedem Laien klar, in diesem aufgewühlten „Waffengang“ ist kein detailgetreuer Überblick zu gewinnen. Ist ein Spieler durch eine Pompfe getroffen, darf er für einige Sekunden nicht mehr ins Spielgeschehen eingreifen. Diese Regel wird unaufgefordert stringent befolgt.

In diesem verbindenden Zusammenhalt treffen sich knapp 520 Spieler aus 64 Mannschaften, um ihre sportliche Leidenschaft gemeinsam zu zelebrieren. Das Alter der Spieler ist jung. Davon zeugt oft auch deren Haartracht. Dreadlocks, Irokesen oder gleich Glatzen ohne Haarausfall dominieren das Bild zwar nicht, sind aber auch keineswegs selten. Jugger, das zeichnet sich ab, ist eine studentische Szene junger Leute mit Vorliebe für Außergewöhnliches. So ist die Stimmung auf dem Sportplatz durchwegs positiv.

Das Organisationsteam um Fabian Höller und Sebastian Disch vom Villinger Club erntet viel positive Resonanz. „Der Getränkeabsatz spricht für sich“, sagt Höller. Das mit 400 Stühlen ausgestattete Festzelt auf dem Gelände der benachbarten Pfadfinder war nach dem ersten Turniertag bis in die frühen Morgenstunden komplett voll.

Ergebnis

Der erste Weltmeister und auch der 17. deutsche Meister im Jugger ist die Mannschaft Rigor Mortis aus Berlin. Auf dem zweiten Platz landet ihr Finalkontrahent „Tercios Espagnol“ aus dem spanischen Murcia. Im Spiel um Platz drei haben sich die Zonenkinder aus Jena gegen die Leere Menge aus Greifswald durchgesetzt. (häm)

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