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Villingen-Schwenningen Jüdisches Leben bereichert Unterricht

13.07.2011
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Das Deutenberg-Gymnasium zieht positive Bilanz zum ende der Ausstellung „Juden am obersten Neckar“. Die wechselt zum neuen Schuljahr nach Villingen ans Hoptbühl-Gymnasium.

Villingen-Schwenningen (miz) Anderthalb Jahre war dank der Initiative der Schwenninger Museumsgesellschaft die Ausstellung über die „Juden am obersten Neckar“ im Gymnasium am Deutenberg zu sehen. Im neuen Schuljahr zieht die pädagogisch aufbereitete Geschichtsschau nach Villingen.

Am Deutenberg-Gymnasium war die Ausstellung ein Erfolg. „Der Schulbetrieb profitierte davon“, zieht Oberstudiendirektor Manfred Koschek zufrieden Bilanz. Zudem lockte sie Besucher mit Führungen und Vorträgen in eine sich so öffnende Bildungsanstalt.

Die von Winfried Hecht und Werner Kessl (Rottweil), Karlheinz Groß und Michael J. H. Zimmermann (Schwenningen) verantwortete Ausstellung hat höchstes Lob erhalten. Renommierte Geschichtswissenschaftler äußerten sich begeistert. Volker Rödel, Direktor des Generallandesarchivs, fand die Spannweite des von Zimmermann gestalteten Begleitprogramms bemerkenswert: „Selbst das Landesarchiv mit all seinen Mitarbeitern täte sich schwer, derlei auf die Beine zu stellen.“ Was sein Nachfolger Wolfgang Zimmermann beim Besuch bestätigte.

Der geborene Villinger Joseph Haberer aber, war „glücklich über das anteilnehmende Interesse der jungen Leute“. Seine Frau Rose übernahm gar bei Führungen die Regie, sprach Jiddisch mit den Schülern, erklärte dieses „Tajtsch“, das unserer Mundart so nahe steht, Muttersprache einst von sieben Millionen Juden Europas.

Schulleiter Manfred Koschek sieht die Ausstellung, die beinahe zur Dauereinrichtung geworden wäre, im Rückblick als Gewinn für Kursstufenschüler, Neunt- und Zehntklässler: „Immer wieder ist sie Anlaufpunkt gewesen – auch für die Oberstufenschüler, die sich selbst informierten.“ Geschätzt hätten sie nicht nur die Geschichtsfachlehrer, sei sie ja für den fächerübergreifenden Unterricht geeignet. „Besonders gut fand ich, dass sie nicht auf die Unheilsgeschichte der NS-Zeit fokussiert ist.“

Der Weg führte „vom Antisemitismus zur Schoa“. Ihre Heimat wurde Juden versagt und geraubt. Vielleicht gelinge es aber doch, aus der Geschichte zu lernen, nun, da die neue Israelitische Kultusgemeinde Rottweil/Villingen-Schwenningen ein Zeichen der Hoffnung setze.

Chance am Horizont

Manfred Koschek beurteilt die kritische Darstellung günstig. „Solange das friedliche Zusammenleben der Religionen als Hoffnung und Chance am Horizont deutscher Geschichte aufscheint.“ Wie 1348 in Oberndorf, wo es der Pest wegen nicht zum Pogrom kam. „Die Betonung jüdisch-christlicher (Glaubens-)Traditionen“ finde er wichtig, wobei Koschek weiß, dass das Schlagwort vom „jüdisch-christlichen Abendland“ nicht eine friedliche Symbiose über die Jahrhunderte behaupten oder gar gegen den Islam und seinen kulturellen Beitrag zur Bildung Europas gewandt werden dürfe.

Dass Biographien prominenter Juden Schwabens den Zugang erleichtern, habe sich im Unterricht bewiesen: Der Schriftsteller Berthold Auerbach (Nordstetten), der Filmdramaturg Ernst Iros (Rottweil), der Maler Salomon Hirschfelder (Dettensee) eignen sich zur Identifikation, ebenso der Redakteur Wolfgang Gutmann (Schwenningen) oder der Politikwissenschaftler Joseph Haberer (Villingen).

Haberers Wunsch geht in Erfüllung: Die Ausstellung wechselt in seine Heimatstadt – mit der Biographie Lotte Schwabs. Im neuen Schuljahr wird sie im Hoptbühl-Gymnasium gezeigt und für den Unterricht genutzt.

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