Villingen-Schwenningen Jetzt Nachtflugerlaubnis für den Rettungshubschrauber

Gewaltige Stärkung für die Nothilfe aus der Luft. Noch gibt es aber einige Hürde bis zum 24-Stunden-Betrieb zu überwinden. Vorteile besonders im Winter.

Freudentag für den hiesigen Rettungsdienst des Roten Kreuzes. Am Donnerstag bekam er die Nachtfluggenehmigung für den Rettungshubschrauber Christoph 11, der am Zentralklinikum stationiert ist. Diese Erlaubnis ist die Voraussetzung dafür, dass die Einsätze des Rettungshubschraubers künftig im 24-Stunden-Betrieb erfolgen können. Der DRK-Luftrettungsstützpunkt in VS wäre damit landesweit Vorreiter. Bis es soweit ist, müssen allerdings noch einige formelle und organisatorische Hürden überwunden werden.

  • Gewinn für die Region: Horst Rieker, Luftfahrttechnischer Sachverständiger des Landes beim Regierungspräsidium Stuttgart, überreichte die Nachtflugerlaubnis an Daniel Pfaff, den stellvertretenden Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes im Schwarzwald-Baar-Kreises. Der DRK-Kreisverband, dem der Luftrettungsstützpunkt beim Klinikum gehört, hatte diese Genehmigung beantragt, um den Rettungsdienst in der Region nachhaltig zu verbessern. Horst Rieker, selbst ehemaliger Rettungsflieger, sprach "von einem großen Gewinn für die Region" und einem "absoluten Quantensprung" der Luftrettung, wenn der Rettungshubschrauber künftig auch nach Sonnenuntergang fliegen kann.

  • Lärm-Einsprüche: Noch aber ist es nicht so soweit. Zunächst müssen die Verantwortlichen abwarten, ob Anlieger ums Klinikum oder sonstige Betroffene gegen die Nachtfluggenehmigung juristisch vorgehen. Hier bleibt eine sechswöchige Einspruchs- und Klagefrist abzuwarten. Wie der Luftfahrtsachverständige berichtete, hat es im Laufe des Genehmigungsverfahrens zwei Einwendungen gegen die Nachtflüge gegeben. Es ging ums Thema Lärmbelästigung. Die Genehmigungsbehörde habe auf diese Bedenken "mit einem Kompromiss" reagiert, berichtete Rieker. Das heißt: Der nächtliche Flugbetrieb wird durch Auflagen deutlich eingeschränkt.

  • Auflagen: In der Nachtfluggenehmigung werden maximal 1,3 Flüge pro Nacht zugelassen, verdeutlichte Rieker. Am Monatsende darf die Gesamtzahl der möglichen Flüge in der Zeit zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens nicht überschritten werden.

  • Offene Fragen: Wie der künftige Flugbetrieb im Detail geregelt wird, wie dessen Finanzierung aussieht und welchen Einsatzbereich der Helicopter mit den Nachflügen abdecken wird, sind indes noch ungeklärte Fragen. Offen ist auch, ob die Deutsche Rettungsflugwacht (DRF) mit ihren Piloten weiterhin den Flugbetrieb in VS durchführen kann oder diese Dienstleistung jetzt neu ausgeschrieben werden muss. All dies sind Fragen, die das zuständige Innenministerium und die Kostenträger, sprich Krankenkassen, noch klären müssen. Bis wann Christoph 11 also erstmals zum Nachtflug abhebt, ist derzeit ungewiss. Eine Voraussetzung steht aber bereits: Die neue Maschine, die seit 1. Juli in VS fliegt, eine Airbus H 145, ist technisch bereits voll nachtflugtauglich.

    Horst Rieker vom Regierungspräsidium Stuttgart überreicht an Daniel Pfaff, den stellvertretenden Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes Schwarzwald-Baar, die Genehmigung für den Nachtflugbetrieb des Rettungshubschraubers in Villingen-Schwenningen. <em>Bilder: Eberhard Stadler</em>
    Horst Rieker vom Regierungspräsidium Stuttgart überreicht an Daniel Pfaff, den stellvertretenden Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes Schwarzwald-Baar, die Genehmigung für den Nachtflugbetrieb des Rettungshubschraubers in Villingen-Schwenningen. Bilder: Eberhard Stadler | Bild: Eberhard Stadler
  • Großes Plus im Winter: Der Hauptgewinn durch die Nachtflugerlaubnis wird sich vor allem im Winter zeigen, verdeutlichte Horst Rieker. Wenn im Dezember die Sonne um 16 Uhr untergeht, kann der Helikopter bisher rund 16 Stunden lang bis Sonnenaufgang nicht fliegen. Mit der Nachflugerlaubnis kann der Rettungshubschrauber künftig aber bis 22 Uhr uneingeschränkt fliegen. Ein gewaltiger Fortschritt. Ergänzend kommt hinzu, dass Horst Rieker bereits vor zehn Tagen dem Segelfluggelände in Rickenbach-Hütten im Hotzenwald ebenfalls den Status eines Sonderlandesplatzes bewilligt hat. Mit dieser Genehmigung kann auch dort ein 24-Stundenbetrieb für einen Rettungshubschrauber eingerichtet werden. Bewilligt wurden dort sogar bis zu drei Rettungsflüge pro Nacht. Gemeinsam mit Villingen-Schwenningen wären damit pro Nacht bis zu 4,3 nächtliche Rettungsflüge im südlichen Landesteil von Baden-Württemberg möglich. Für Horst Rieker eine enorme Stärkung der Notfallhilfe aus der Luft.

 

Ihre Meinung ist uns wichtig
Einzigartige Geschenke von Bodensee und Schwarzwald
Neu aus diesem Ressort
Villingen-Schwenningen
Villingen-Schwenningen
VS-Villingen
VS-Villingen
Villingen-Schwenningen
VS-Villingen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren