Villingen-Schwenningen Initiative für Stolpersteine

Befürworter formieren sich am Runden Tisch. Stadtgeschichte 1933 bis 1945 soll erforscht werden. Unterschiedliche Positionen zum Antrag von CDU/FW.

Befürworter der jüngst im Gemeinderat abgelehnten Stolpersteine zum Gedenken an die 19, während des Nationalsozialismus in Villingen getöteten Juden, wollen sich in festen Strukturen organisieren. Knapp 25 Privatpersonen, Aktivisten, etwa vom „offenen antifaschistischen Treffen“, aber auch Personen des öffentlichen Lebens, fanden hierzu zu einem Runden Tisch im Martin-Luther-Haus zusammen.

Eingeladen hatten fünf Pfarrer verschiedener Konfessionen aus VS, welche die Diskussion anlässlich des 75. Jahrestages der Reichspogromnacht angeregt hatten. Die Teilnehmer des Runden Tisches steckten die Ziele hinsichtlich geplanter Initiativen ab und versuchten, sich auf eine gemeinsame Richtung zu einigen. Zum Erhalt der Dynamik sei es wichtig, die Auseinandersetzung aus dem Gemeinderat noch stärker in den öffentlichen Raum zu tragen. In Villingen, so wurde vermutet, gebe es scheinbar eine „schweigende Mehrheit“ an Befürwortern der Gemeinderatsentscheidung, welche immer noch Schwierigkeiten habe, sich Verpflichtungen gegenüber der eigenen Vergangenheit zu stellen. Die Stadt dürfe aus dem europaweiten Netzwerk an Denkmälern nicht herausfallen. Hierzu soll die Stadtgeschichte von 1933 bis 1945 historisch genauer analysiert werden, um sie falls möglich, in Publikationen oder Symposien darzustellen.

Eine Zusammenarbeit mit der Maximilian-Kolbe-Stiftung aus Freiburg wird in Erwägung gezogen.

Gegenüber dem Antrag der Fraktionen von CDU und Freien Wählern, statt Stolpersteinen Tafeln und Denkmäler zur Erinnerung anzubringen, sind die Meinungen zwiespältig. Von „populistischen Wahlkampfmanövern“ für die Kommunalwahlen 2014 bis zu abwartenden Haltungen mit Vertrauensvorschuss schieden sich die Positionen. Oberbürgermeister Rupert Kubon kündigte ein geplantes Treffen zwischen den Pfarrern und betreffenden Fraktionsvertretern im Januar an. „Vieles in diesem Antrag ist noch zu ungenau formuliert und bedarf der Aussprache. Ein fester Termin steht noch nicht fest“, so Kubon. Eventuell werden auch Mitglieder des Runden Tisches zu dem Treffen geladen, der Organisator der wöchentlichen Mahnwachen vor dem Rathaus, Michael Irion, war hierfür im Gespräch.

„Mit Tafeln und Denkmälern geben wir uns nicht zufrieden, auch darf man im Gedenken die Opfergruppen der Roma und Zwangsarbeiter nicht vergessen“, sagte Raphael Werne, welcher eigens für die Debatte eine Internetseite eingerichtet hatte. Jan Christoph Uhl regte an, die islamische Gemeinschaft in der Zähringerstadt in die Diskussion um die Stolpersteine mit einzubeziehen. „Antisemitismus ist nicht nur ein Problem der Vergangenheit, in Zukunft und Gegenwart müssen wir ihm uns ebenfalls stellen“, meint Uhl. Der Runde Tisch findet am 13. Januar, um 20 Uhr, am selben Ort seine Fortsetzung. Alle Bürger sind dazu eingeladen.

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Stolpersteine in Villingen-Schwenningen: Im November 2013 hat der Gemeinderat in Villingen-Schwenningen die Stolpersteine erneut abgelehnt. Bereits im Jahr 2004 stimmten die Räte gegen diese Form des Gedenkens an die Judenverfolgung im Dritten Reich. Dabei gab der Verlauf der Debatte zunächst Anlass zur Hoffnung, dass die Abstimmung im Gemeinderat anders ausgeht. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Nachrichten und Bilder rund um die Stolperstein-Debatte in Villingen-Schwenningen.
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