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Villingen-Schwenningen Immer weniger Flüchtlinge: 1500 Brötchen landen im Müll

Lebensmittelverschwendung ausgerechnet von der Flüchtlingsnotunterkunft in der Dattenbergstraße in Villingen. Anlieger beobachteten, wie dort zum Jahresbeginn 1500 Frühstücksbrötchen kurzerhand in zwei Müllcontainern entsorgt wurden.

Das zuständige Regierungspräsidium Freiburg äußerte gestern auf SÜDKURIER-Nachfrage sein Bedauern und sprach von „Versäumnissen“. Hintergrund des Vorgangs: Die Zahl der Flüchtlinge hat sich vom Höchststand 1200 auf mittlerweile nur noch 167 Bewohner reduziert.

Eine Anliegerin, die den Vorgang mitbekommen und fotografiert hatte, zeigte sich tief empört über diese Form von Lebensmittelentsorgung. Nach ihrer Beobachtung haben zwei Flüchtlinge, offenbar im Auftrag der Heimleitung, die Brötchen und weitere Lebensmittel in die Container vor der ehemaligen Französischen Schule in der Dattenbergstraße geworfen. „Ich möchte nicht wissen, was diese Flüchtlinge dabei gedacht haben“, ärgert sie sich.

„Wir bedauern sehr, dass so eine große Anzahl von Brötchen im Müll gelandet sind“, erklärte gestern Matthias Henrich, der Pressesprecher des Regierungspräsidiums Freiburg. Während das Regierungspräsidium für den Gesamtbetrieb verantwortlich ist, wurde die Leitung der Einrichtung an die private Betreiberfirma European Homecare (EHC) übertragen. Wer genau für den Vorgang verantwortlich ist, bleibt im Vagen.

Der Hintergrund dieser fragwürdigen Aktion ist nach Feststellung des Regierungspräsidiums, dass die Bedarfsorientierte Erstaufnahmestelle (BEA) in Villingen nur noch mit 167 Personen belegt ist, zuvor waren dort bis zu 1200 Flüchtlinge untergebracht. „Leider ist es versäumt worden, die Lieferung der Brötchen bei der Essensreduzierung anzupassen, deshalb waren in den letzten Tagen sehr viele Brötchen übrig“, erläutert Henrich. Das Regierungspräsidium habe den zuständigen Caterer bereits vor einigen Tagen über die deutlich geringere Zahl von Flüchtlingen informiert und sei davon ausgegangen, dass er die Bestellung beim Bäcker entsprechend anpasst. „Das ist leider nicht geschehen“. Nachdem dieser Vorgang publik wurde, wurde jetzt noch einmal mit dem Caterer gesprochen und darum gebeten, die Bestellmenge der Backwaren noch einmal zu prüfen und zu versuchen, nicht verbrauchte Lebensmittel an soziale Einrichtungen weiter zu geben. Einige Male seien laut Caterer auch übrig gebliebene Brötchen an die Sozialeinrichtung Die Tafel weitergegeben worden, berichtet Henrich. „Aufgrund von Personalengpässen“ sei das aber in den Tagen um Weihnachten nicht möglich gewesen.

Henrich äußerte sich auch zu den Hintergründen des rapiden Rückgangs der Belegung in den Notunterkünften des Landes. Zum einen seien die Flüchtlingszahlen in Baden-Württemberg in den letzten Wochen deutlich zurückgegangen: vom Höchststand 2000 auf aktuell etwa 700 Personen täglich. Zum anderen laufe die Registrierung der Neuankömmlinge jetzt dank der neu geschaffenen zentralen Registrierungsstelle in Heidelberg erheblich schneller als anfangs.

Außerdem werden die Flüchtlinge nach ihrer Registrierung in Heidelberg derzeit allesamt im Regierungsbezirk Karlsruhe untergebracht. „Das heißt, wir haben in Südbaden derzeit nur noch Abgänge von unregistrierten Flüchtlingen, aber keine neuen Zugänge mehr“, so Henrich. In Villingen sind derzeit nur noch 167 unregistrierte Flüchtlinge in der BEA, in Schwenningen auf dem Messegelände sind es noch 240 Personen.

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