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Villingen-Schwenningen Im Vollrausch mit Messer zugestochen

Bewährungsstrafe für 29-jährigen Angeklagten. Das Opfer überlebt nur dank Notoperation. Täter muss Entzugstherapie machen

Villingen-Schwenningen/Konstanz – An einem Novemberabend im vorigen Jahr verletzte ein 29-jähriger Küchenhelfer einen 27-jährigen Bekannten mit einem Messerstich in den Bauch lebensgefährlich. Wegen starker innerer Blutungen hätte das Tatopfer ohne eine sofortige Notoperation nicht überlebt. Der Täter war schwer betrunken. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn wegen versuchten Totschlags an. Vor dem Landgericht Konstanz kam es jetzt lediglich zu einer Verurteilung wegen vorsätzlichen Vollrauschs. Das Gericht verhängte zwei Jahren Haft. Unter der Bedingung, dass der Täter eine stationäre Entzugstherapie antritt, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Nach einer jahrelangen Odyssee durch verschiedene europäische Länder verfiel der als Moslem aufgewachsene Angeklagte irgendwann dem Alkohol. Nach Feierabend oder an den Wochenenden trank er im Übermaß. Seit drei Jahren lebte er in Villingen-Schwenningen, wo er seinen Lebensunterhalt in der Gastronomie finanzierte. Vor Gericht wirkte er beflissen und angepasst. Er sprach recht gut Deutsch. Fünf Monate saß er in Untersuchungshaft.

Am Tag der Tat kam er bereits deutlich angetrunken in einer Wohnung in Villingen-Schwenningen an, in der auch der 27-jährige Landsmann und ein Arbeitskollege lebten. Als einziger der in der Wohnung anwesenden Personen trank nur der 27-Jährige von dem mitgebrachten Bier und Whisky. Schließlich kam ein Arbeitskollege des Angeklagten müde von der Arbeit nach Hause. Weil er nicht mittrinken wollte, kam es zum Streit. Das spätere Opfer wollte den Angeklagten zunächst mit frisch gebackenem Fladenbrot beruhigen, schimpfte ihn aus – und hatte plötzlich ein Messer mit einer elf Zentimeter langen Klinge im Unterbauch.

Vor Gericht sprach der Angeklagte von einem "Filmriss": Das Opfer sei sein bester Freund gewesen. "Es tut mir leid, ich war so betrunken", meinte er.

Der Verletzte zeigte in seiner Zeugenaussage keinerlei Rachegelüste. Er habe eine Woche im Krankenhaus liegen müssen, jetzt sei alles gut verheilt. Ab und zu habe er noch ein bisschen Schmerzen, aber die Sache sei für ihn erledigt.

Nach der Beweisaufnahme hielt das Gericht den angeklagten versuchten Totschlag wegen eines fehlenden Vorsatzes für nicht erwiesen. Stattdessen wäre der Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung zu bestrafen. Laut einem Sachverständigengutachten war aber nicht auszuschließen, dass der Angeklagte wegen seiner schweren Alkoholisierung zum Tatzeitpunkt gar nicht mehr zurechnungsfähig und damit schuldunfähig war. Geahndet wurde jetzt aber, dass er die Schuldunfähigkeit vorsätzlich durch sinnloses Betrinken herbeigeführt hatte.

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