Im närrischen Programm beim Ball der Villinger Hexenzunft in der Tonhalle wird die Sanierung der Zunftstube zum roten Faden.
– War das nun ein Hexenball, oder bereits ein vorgezogenes „Richtfest“ für ihr im Umbau befindliches Hexenstüble im Riet, das die Villinger Hexenzunft am Freitag und Samstag in der Neuen Tonhalle feierten? Oder war es gar eine Anspielung auf die Diskussion um den Umbau und Erweiterung der Tonhalle? Auf jeden Fall verwandelte die Hexenzunft den Saal in eine riesige, gut gelaunte Baustelle. Inspiriert von den eigenen Umbauarbeiten zog sich das Thema Bauen als roter Faden durch den Abend. Und dafür legten die rund 160 Akteure an den beiden Abenden gerne Sonderschichten ein.
Vielleicht war es das letzte Mal, dass die Hexenzunft ihren Ball in der Neuen Tonhalle feierte. Jedenfalls rührten die Akteure kräftig die Werbetrommel für ihre Zunftstube und ließen am bisherigen Veranstaltungsort kaum ein gutes Haar. Auf die neue Bestuhlungsverordnung mit breiten Fluchtwegen und „Evakuierungszonen“, die die Besucherkapazität um etliche Tisch- und Stuhlreihen zusammenschrumpfen ließ, wiesen die beiden Zunftmeister Andreas Kratt und Meik Gildner hin.
Dem polnischen Gastarbeiter Erkan alias Tobias Kratt missfielen die Wucherpreise auf der Getränkekarte. „Getränkekarte ungeheuer – Schorlepreise viel zu teuer“, reimte er munter drauflos. Und auch am Speisenangebot hatte er rumzumäkeln. Zu kleine Schnitzel und kalte Pommes sind nicht nach seinem Geschmack.
Der Applaus aus den Publikumsreihen ließ erkennen, dass die Beschreibung einen gewissen Wiedererkennungseffekt hervorrief. „Wueschtsalat gibt's auch im Riet – mir hoffe, 's komme viele Liit“, machte Erkan Appetit auf das Catering im Hexenstüble.
Neuigkeiten aus dem Städtle posaunten Joachim Schneider und Stefan Müller hinaus. Sie lobten die „Rietbau GmbH“ als „Gesellschaft mit beachtenswerten Helfern“ und lüfteten auch das Geheimnis, was der Kater, der nach alter Überlieferung der Katzenzunft das ganze Jahr im Romäusturm eingesperrt sein soll, unterm Jahr tatsächlich treibt.
Natürlich blieben die närrischen Seitenhiebe auf die historische Narrozunft nicht aus, die derzeit in unmittelbarer Nachbarschaft ebenfalls ihre Zunftheimat, die Zehntscheuer, saniert. Und dabei, so ließ die Videorecherche erkennen, gerne auch mal das technische Equipment der Hexen ausleiht. Die Zunftnarren wurden daher prompt als „historische Schnorrer“ betitelt.
Kindermund tut Wahrheit kund, sagt das Sprichwort. Auch, wenn Erwachsene Kindern die passenden Worte erst in den Mund legen. Dass das Thema Finanzen in irgendeiner Weise aufgearbeitet werden musste, war klar. Vor ihrem Hexentanz ließen sich die Junghexen deshalb darüber aus, dass die Ehrengäste und „Großkopferten“ in den vorderen Reihen nie Eintritt bezahlen. Und sie angesichts der Preiserhöhung der Eintrittskarten gegenüber dem „kleinen Mann“ nun ja noch einmal drei Euro zusätzlich sparen würden.
Mit dem Klingelbeutel am Hexenbesen sammelten sie anschließend schnell die fehlenden Beiträge von den Ehrengästen ein, die schnell den Geldbeutel zückten. Der Text dieser humorvollen Kassenaufbesserung stammte von Hexenmeister Peter Kirchner, wie dieser ausdrücklich betonte. Der Erlös dieser Aktion soll ausschließlich der Jugendarbeit im Verein zugute kommen.
Das Showprogramm wurde von den einzelnen Gruppen mit bunten und schillernden Beiträgen gestaltet.