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13.02.2013  |  7 Kommentare

Villingen-Schwenningen Hess AG stellt Insolvenz-Antrag

Villingen-Schwenningen -  Der Vorstand der Hess AG hat am Mittwochmorgen entschieden, beim zuständigen Amtsgericht einen Insolvenzantrag zu stellen.

Eingangsbereich beim Amtsgericht in VS-Villingen  Bild: Barbara Baur



Hellt sich die Zukunft für den insolventen Leuchtenhersteller Hess auf?
Die Hess AG stellt Insolvenzantrag: Das hat der Vorstand am Mittwochmorgen nach umfassender Prüfung entschieden und in einer ad-hoc-Meldung mitgeteilt. Das Unternehmen sei zahlungsunfähig, es fehle die positive Fortführungsprognose und die Gesellschaft ist nach derzeitigem Prüfungsstand überschuldet.

Auch die Geschäftsführung der Hess Lichttechnik GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Hess AG, wird wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag stellen.

Die Hess AG ist zahlungsunfähig

Die frei verfügbaren, liquiden Mittel der Hess AG würden nicht ausreichen, um die fälligen Verbindlichkeiten der Hess AG zu decken. Ursache der Zahlungsunfähigkeit sei laut ad-hoc-Meldung auch, dass die größte Aktionärin, die Hess Grundstücksverwaltungs GmbH & Co. KG, aus Sicht der Hess AG fällige Zahlungspflichten gegenüber der Hess-Gruppe nicht erfüllt und auch sonst nicht zu ausreichenden Sanierungsbeiträgen bereit ist.

Aufgrund des seit 2009 durchgängig negativen Cashflows vor Finanzierung der Gesellschaft sei die Finanzierung des Geschäftsbetriebs der Gesellschaft für das laufende und nächste Geschäftsjahr nicht gesichert. Aufgrund der Unsicherheiten im Hinblick auf mögliche Anlegerklagen bestehen auch keine hinreichenden Aussichten auf eine kurzfristige Eigen- und Fremdkapitalzufuhr durch Investoren, teilt das Unternehmen mit.

Daher besteht für die Gesellschaft eine negative Fortführungsprognose. Es sei geplant, den operativen Geschäftsbetrieb im Rahmen eines Insolvenzverfahrens zu sanieren.

 

Chronologie der Hess-Turbulenzen


 

Chronologie der Hess-Turbulenzen
  • Montag; 21. Januar: Einstimmig beschließt der Aufsichtsrat die Abberufung der Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler wegen des Verdachts auf Bilanz-Manipulationen.
  • Dienstag, 22. Januar: Christoph Hess teilt mit: Die gegen mich erhobenen Vorwürfe kenne ich nur aus der Presse und kann sie nicht nachvollziehen.
  • Mittwoch, 23. Januar: Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf. Die Familie Hess kündigt an, über ihre Aktienmehrheit (39,9 Prozent) Aufsichtsrat und Vorstand des Unternehmens neu besetzen zu wollen.
  • Donnerstag, 24. Januar: Seniorchef Jürgen G. Hess bietet an, die Leitung des Unternehmens zu übernehmen.
  • Freitag, 25. Januar: Neuer Vorstand Till Becker stellt sich den Mitarbeitern vor. Eine Firmensprecherin lehnt die Rückkehr von Jürgen G. Hess ab.
  • Montag, 28. Januar: Am Montag bekam der Ehrenvorsitzende der Meckergilde Horst Schätzle einen Anruf aus der Firma Hess, dass der Verein ohne Wenn und Aber sofort das Hess-Gelände räumen müsse, wo der Fasnet-Verein seit drei Jahren seine vier Umzugsfahrzeuge, seine Häser und andere Utensilien in und vor einer Halle lagern durfte.
  • Mittwoch, 30. Januar: Beamte der Landespolizeidirektion Freiburg haben im Auftrag der Staatsanwaltschaft Mannheim die Firmenräume durchsucht, Akteneinsicht genommen und Dokumente mitgenommen. Auch im Privathaus von Christoph Hess in Villingen haben die Beamten aus Freiburg Papiere beschlagnahmt.
  • Montag, 4. Februar: Die Staatsanwaltschaft teilt mit, sie habe die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter der Firma wegen des Verdachts auf Beihilfe ausgeweitet.
  • Dienstag, 5. Februar: die Hess AG teilt in einer Pflichtmitteilung an der Börse mit: aufgrund des Einfrierens der Kreditlinien haben verschiedene Tochtergesellschaften der Hess AG akuten Liquiditätsbedarf.
  • Dienstag, 5. Februar: In einer von Christoph Hess und Peter Ziegler gezeichneten Erklärung vom Dienstagnachmittag legen die beiden Ex-Vorstände die Entwicklung der Firma Hess aus ihrer Sicht dar. Sie attackieren die neue Führung des Unternehmens.
  • Mittwoch, 13. Februar: Der Vorstand der Hess AG hat am Mittwochmorgen entschieden, beim zuständigen Amtsgericht einen Insolvenzantrag zu stellen. Zum Artikel
  • Mittwoch, 13. Februar: Die Hess AG nimmt in einer aktuellen Mitteilung Stellung zur Situation der Firma. Zum Artikel
  • Mittwoch, 13. Februar: Christoph Hess, Ex-Vorstandsvorsitzender der Hess AG, erklärt sich am Mittwochnachmittag zum Insolvenzantrag des Unternehmens.Zum Artikel
 

Die Erklärung der Hess AG im Wortlaut

Ad hoc-Mitteilung - Hess AG: Insolvenzanträge

Villingen-Schwenningen, 13.02.2013
Hess AG
Der Vorstand hat heute nach umfassender Prüfung festgestellt, dass die Hess AG (ISIN: DE000A0N3EJ6) zahlungsunfähig ist, ihr die positive Fortführungsprognose fehlt und die Gesellschaft nach derzeitigem Prüfungsstand überschuldet ist. Der Vorstand wird daher heute Insolvenzantrag bei dem zuständigen Amtsgericht (Insolvenzgericht) stellen. Auch die Geschäftsführung der Hess Lichttechnik GmbH, eine 100%ige Tochter der Hess AG, wird wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag stellen.

Die Hess AG ist zahlungsunfähig. Die frei verfügbaren, liquiden Mittel der Hess AG reichen nicht aus, um die fälligen Verbindlichkeiten der Hess AG zu decken. Ursache der Zahlungsunfähigkeit ist auch, dass die größte Aktionärin, die Hess Grundstücksverwaltungs GmbH & Co. KG, aus Sicht der Hess AG fällige Zahlungspflichten gegenüber der Hess-Gruppe nicht erfüllt und auch sonst nicht zu ausreichenden Sanierungsbeiträgen bereit ist.

Aufgrund des seit 2009 durchgängig negativen Cashflows vor Finanzierung der Gesellschaft ist die Finanzierung des Geschäftsbetriebs der Gesellschaft für das laufende und nächste Geschäftsjahr nicht gesichert. Aufgrund der Unsicherheiten im Hinblick auf mögliche Anlegerklagen bestehen auch keine hinreichenden Aussichten auf eine kurzfristige Eigen- und/oder Fremdkapitalzufuhr durch Investoren. Daher besteht für die Gesellschaft eine negative Fortführungsprognose.

Es ist geplant, den operativen Geschäftsbetrieb im Rahmen eines Insolvenzverfahrens zu sanieren.

Villingen-Schwenningen, den 13. Februar 2013
Der Vorstand
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Die Firma Hess, ein Gießereibetrieb, wurde 1947 von Willi Hess gegründet und stellte zuerst Waffeleisen her. 1968 übernahm der Sohn Jürgen G. Hess die Firma mit acht Mitarbeitern. Er entwickelte das Unternehmen zum Hersteller modern gestalteter Außen- und Straßenleuchten aus Metallguss und Straßenmöblierungen. 2007 wurde die GmbH zur Familien-Aktiengesellschaft umfirmiert. Jürgen G. Hess wurde Aufsichtsratsvorsitzender, sein Sohn Christoph Geschäftsführer des Betriebs. Der Börsengang folgte im Oktober 2012. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Infos und Bilder rund um das Villinger Unternehmen.

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7 Kommentare
Ich gehe mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
so unschuldig ????

Das "Handelsblatt" berichtete, dass Finanzvorstand Ziegler den Umsatz - und damit auch den Gewinn - mit mindestens fünf Scheinfirmen künstlich aufgebläht habe. Für 2011 hatte Hess bei einem Umsatz von knapp 70 Millionen Euro knapp 1,3 Millionen Euro Überschuss ausgewiesen. Hess habe seit 2009 Geld verbrannt, erklärte Becker.

Quelle: http://www.format.at/articles/1307/958/352548/die-hess-ag
Kein Wunder
Bei den Lampen hat es mich gewundert das sie sich überhaupt so lange halten. Die Mitarbeiter haben es nicht weit zur Arge. Ist gerade ums Eck. Kleinen Firmen dreht man viel früher den Hahn zu auch wenn sie noch so gut sind. Die Lampen waren nicht billig, also entweder keine Verkäufe oder Misswirtschaft.
Dummheit und Unbeholfenheit der vorherigen Geschäftsführung!
A) Wenn Christoph Hess mehrfach beklagt, er dürfe die Unterlagen - z.B. Bilanzen, Jahresabschlüsse und Geschäftsberichte - welche zu seiner Entlastung dienen könnten, nicht mehr einsehen, dann muss man sich fragen ob er nicht in der Lage ist im Internet auf den "Elektronischen Bundesanzeiger" zu gehen und sämtliche wesentlichen Daten dort abzurufen, einzusehen und das Nötige herauszukopieren.

B) Die Hess AG ist deshalb nicht mehr zahlungsfähig und überschuldet, also insolvent, weil das Eigenkapital der Firma Hess AG in Form von über 5 Millionen Aktien, welches sich nach dem Börsengang im Oktober 2012 auf 75 - 80 Millionen Euro belief, durch den Kurssturz auf um die 4 Euro, jetzt nur noch um die 20 Millionen Euro beträgt.

Ich würde beinahe wetten, dass das Gerücht um die angeblich zu Unrecht ausgewiesenen Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe genau darum gestreut wurden, um den beschriebenen Zustand herzustellen.
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