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07.03.2013  |  0 Kommentare

Villingen-Schwenningen Hess AG: Tochterfirma Vulkan ist auch insolvent

Villingen-Schwenningen -  Vulkan in Hannover gerät nun ebenfalls in Schwierigkeiten. Während Hess als Premium-Marke gilt, hat Vulkan das untere Preissegment für Straßenleuchten übernommen.

Für 50 Mitarbeiter besteht keine Zukunft bei der Hess AG. Ihnen wurde gekündigt. Betroffen sind vor allem Beschäftigte am Stammsitz Villingen.  Bild: Hess AG



Über eine weitere Tochterfirma des in Schwierigkeiten steckenden Villinger Leuchtenherstellers Hess musste das Insolvenzverfahren eröffnet werden: Es handelt sich um die in Hannover ansässige Vulkan GmbH. Dies teilte das Amtsgericht Villingen-Schwenningen heute, Donnerstag, mit.

Vulkan hatte den Vertrieb von Straßenleuchten im günstigeren Preissegment übernommen hatte. Betroffen sind etwa 20 Mitarbeiter. Zudem wurde bekannt, dass die Hess-Aktie nicht mehr im elektronischen Wertpapierhandel Xetra gehandelt werden kann.

Der Grund

Für den Xetra-Handel notwendig sind Börsenmakler, die für den fortlaufenden Börsenhandel notwendige Liquidität der Aktien sicherstellen, sogenannte „designated sponsors“.

Diese Aufgabe hatten für die Hess AG zwei Banken übernommen, unter ihnen die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die aber inzwischen beide ihr Mandat niedergelegt hätten, erklärte Firmensprecher Marco Walz auf Anfrage.

Im Parketthandel, zum Beispiel in Frankfurt oder Stuttgart, sei die Aktie weiter erhältlich.

Wie exklusiv im SÜDKURIER berichtet musste der angeschlagene Produzent von Straßenleuchten am Stammsitz Villingen am Mittwoch knapp 50 Mitarbeiter entlassen.

Chronologie der Hess-Turbulenzen

 

Chronologie der Hess-Turbulenzen
  • Montag; 21. Januar: Einstimmig beschließt der Aufsichtsrat die Abberufung der Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler wegen des Verdachts auf Bilanz-Manipulationen.
  • Dienstag, 22. Januar: Christoph Hess teilt mit: Die gegen mich erhobenen Vorwürfe kenne ich nur aus der Presse und kann sie nicht nachvollziehen.
  • Mittwoch, 23. Januar: Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf. Die Familie Hess kündigt an, über ihre Aktienmehrheit (39,9 Prozent) Aufsichtsrat und Vorstand des Unternehmens neu besetzen zu wollen.
  • Donnerstag, 24. Januar: Seniorchef Jürgen G. Hess bietet an, die Leitung des Unternehmens zu übernehmen.
  • Freitag, 25. Januar: Neuer Vorstand Till Becker stellt sich den Mitarbeitern vor. Eine Firmensprecherin lehnt die Rückkehr von Jürgen G. Hess ab.
  • Montag, 28. Januar: Am Montag bekam der Ehrenvorsitzende der Meckergilde Horst Schätzle einen Anruf aus der Firma Hess, dass der Verein ohne Wenn und Aber sofort das Hess-Gelände räumen müsse, wo der Fasnet-Verein seit drei Jahren seine vier Umzugsfahrzeuge, seine Häser und andere Utensilien in und vor einer Halle lagern durfte.
  • Mittwoch, 30. Januar: Beamte der Landespolizeidirektion Freiburg haben im Auftrag der Staatsanwaltschaft Mannheim die Firmenräume durchsucht, Akteneinsicht genommen und Dokumente mitgenommen. Auch im Privathaus von Christoph Hess in Villingen haben die Beamten aus Freiburg Papiere beschlagnahmt.
  • Montag, 4. Februar: Die Staatsanwaltschaft teilt mit, sie habe die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter der Firma wegen des Verdachts auf Beihilfe ausgeweitet.
  • Dienstag, 5. Februar: die Hess AG teilt in einer Pflichtmitteilung an der Börse mit: aufgrund des Einfrierens der Kreditlinien haben verschiedene Tochtergesellschaften der Hess AG akuten Liquiditätsbedarf.
  • Dienstag, 5. Februar: In einer von Christoph Hess und Peter Ziegler gezeichneten Erklärung vom Dienstagnachmittag legen die beiden Ex-Vorstände die Entwicklung der Firma Hess aus ihrer Sicht dar. Sie attackieren die neue Führung des Unternehmens.
  • Mittwoch, 13. Februar: Der Vorstand der Hess AG hat am Mittwochmorgen entschieden, beim zuständigen Amtsgericht einen Insolvenzantrag zu stellen. Zum Artikel
  • Mittwoch, 13. Februar: Die Hess AG nimmt in einer aktuellen Mitteilung Stellung zur Situation der Firma. Zum Artikel
  • Mittwoch, 13. Februar: Christoph Hess, Ex-Vorstandsvorsitzender der Hess AG, erklärt sich am Mittwochnachmittag zum Insolvenzantrag des Unternehmens.Zum Artikel
  • Montag, 18. Februar: Der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Mucha legt sein Amt nieder. Er befürchtet Interessenskollission. Zum neuen vorläufigen Insolvenzverwalter wird Rechtsanwalt Dr. Volker Grub bestellt. Zum Artikel
  • Dienstag, 19. Februar: Die Staatsanwaltschaft Mannheim bestätigt, dass sie jetzt auch wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung ermittelt. Auch die Finanzaufsicht „Bafin“ hat sich eingeschaltet.Zum Artikel
  • Freitag, 22. Februar: Die Stadt Donaueschingen will dem insolventen Villinger Leuchtenhersteller Hess AG noch einen 456.000 Euro schweren Auftrag zur Modernisierung der Straßenbeleuchtung erteilen.Zum Artikel
  • Freitag, 22. Februar: Drei Tochterunternehmen der Hess Ag (Emdeligent, Emdelight, Emdeoled) zeigen am Freitag ihre Zahlungsunfähigkeit an. Zum Artikel
  • Mittwoch, 28. Februar: LBBW-Vorstandschef Hans-Jörg Vetter bekräftigte am Mittwoch in Stuttgart, dass sich das Institut von dem Villinger Unternehmen betrogen fühle. Zum Artikel
  • Mittwoch, 27. Februar: Die Kriminalpolizei durchsucht Privathaus von Jürgen G. Hess, Aufsichtsratsmitglied der Hess AG. Zum Artikel
  • Donnerstag, 28. Februar: Die Hess AG hat einen neuen Vorstand: Der Aufsichtsrat hat Andreas R. Budde berufen. Zum Artikel
  • Mittwoch, 6. März: Gewaltiger Schock für den Villinger-Stammsitz der Hess AG: 50 Mitarbeiter mussten ihre Kündigungen entgegennehmen. Einen Sozialplan für die Betroffenen gibt es nicht. Zum Artikel
  • Donnerstag, 7. März: Über eine weitere Tochterfirma der Hess AG musste das Insolvenzverfahren eröffnet werden: Es handelt sich um die in Hannover ansässige Vulkan GmbH. Zum Artikel
  • Donnerstag, 7. März: Die Aktie des angeschlagenen Villinger Leuchtenherstellers kann nicht mehr im elektronischen Wertpapierhandel Xetra gehandelt werden. Außerdem ist der Parketthandel bei der Frankfurter Wertpapierbörse ausgesetzt. Zum Artikel
 


Weitere Bildergalerien

Die Firma Hess, ein Gießereibetrieb, wurde 1947 von Willi Hess gegründet und stellte zuerst Waffeleisen her. 1968 übernahm der Sohn Jürgen G. Hess die Firma mit acht Mitarbeitern. Er entwickelte das Unternehmen zum Hersteller modern gestalteter Außen- und Straßenleuchten aus Metallguss und Straßenmöblierungen. 2007 wurde die GmbH zur Familien-Aktiengesellschaft umfirmiert. Jürgen G. Hess wurde Aufsichtsratsvorsitzender, sein Sohn Christoph Geschäftsführer des Betriebs. Der Börsengang folgte im Oktober 2012. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Infos und Bilder rund um das Villinger Unternehmen.

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