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Villingen-Schwenningen Herbert Kienzle: Motor einer Erfolgsgeschichte

Geboren am 3. Juni 1887 als drittes Kind eines aufstrebenden Uhrenfabrikanten in Schwenningen. Gestorben am 20. März 1954 in Villingen als Chef seines eigenen, gerade wiederaufgebauten Unternehmens Kienzle Apparate GmbH: Diese Rahmendaten beschreiben das Leben von Dr. Herbert Kienzle, eines bedeutenden Pionierunternehmers und Industriellen des deutschen Südwestens.

Geboren am 3. Juni 1887: Herbert Kienzle.
Geboren am 3. Juni 1887: Herbert Kienzle. | Bild: Kienzle-Archiv

 Sein Geschäft war der feinmechanische Maschinenbau, sein Verdienst war es, das Know-how der väterlichen Uhrenfabriken erfolgreich auf neue Anwendungsfelder übertragen zu haben. Die eigentliche Strahlkraft entfaltete Kienzles Erbe erst nach seinem Tod, als die Märkte für automobile Mess- und Kontrollinstrumente, Büromaschinen und Computer boomten.
 

Dabei sah es nicht immer gut um das Lebenswerk Kienzles aus. Gerade die Gründung des eigenen Unternehmens fiel 1929 mit der großen Weltwirtschaftskrise zusammen. Hatten die Kienzle Uhrenfabriken in den Weimarer Jahren mit neuen Mess- und Kontrollinstrumenten für Betriebe und Autos große Erfolge gefeiert, stand die Ausgründung dieses Geschäftsbereichs als eigene Firma unter keinem guten Stern.

Die Absatzmärkte im In- und Ausland brachen ein, der Umsatz schrumpfte dramatisch, ein großer Teil der Belegschaft musste entlassen werden. Der Tiefpunkt war 1932 erreicht, als von ursprünglich 250 Mitarbeitern nur noch 40 beschäftigt werden konnten. Aber Kienzle und seine willensstarke Frau Charlotte glaubte an das eigene Unternehmen.

Kienzles Zukunft sicherte ein neues Gerät, der Tachograph (Fahrtschreiber), ein Kontrollapparat zur Aufzeichnung von Zeit, Strecke und Geschwindigkeit bei Fahrzeugen. Noch war Deutschland Entwicklungsland der Automobilisierung. Aber ein Blick nach Übersee zeigte schon in den 1920er-Jahren, wohin die Entwicklung auch in Europa gehen würde. Nach Abitur, Studium und Promotion zum Dr.-Ing. in Stuttgart und Berlin reiste Kienzle nach Amerika. Hier konnte er die Zukunft der Industrie mit eigenen Augen studieren. Nach Ende des Ersten Weltkriegs kam Kienzle zurück in den Schwarzwald und setzte die neuen Ideen im Familienunternehmen um.

Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands im Nationalsozialismus begann auch der Erfolg für den Kienzle-Tachograph. Hitler-Staat und Militär setzten auf ein Gerät, das wirtschaftliches und treibstoffsparendes Fahren beförderte. Umgekehrt bezeugte Kienzle als NSDAP-Mitglied und Wehrwirtschaftsführer seine Loyalität zum NS-Regime. Die Produktionsrekorde der Kriegsjahre sollten erst wieder mit dem Auto-Boom in den Wirtschaftswunderjahren und mit dem Einstieg in den Markt für Büromaschinen – später Computer – übertroffen werden.

Nach Kriegsende entstand in Villingen ein Weltunternehmen. Die Weichen hierfür wurden alle unter Herbert Kienzles Führung gestellt, die Früchte wurden von seinen beiden Söhnen Jochen und Herbert (Bert) Kienzle geerntet. Unter deren Führung stieg Kienzle Apparate zu einem Großunternehmen mit rund 10 000 Mitarbeitern auf. Die Zeit des Familienbesitzes endete 1981/82, seitdem gehörte das Villinger Werk zu den Industriekonzernen Mannesmann, Siemens und heute Continental AG.

Die Generation der Söhne: Jochen und Bert (Herbert) Kienzle besichtigen zusammen mit Betriebsleiter Herbert Kleiser die Fahrtschreiber-Montage im neuen Werk in den 1970er-Jahren.
Die Generation der Söhne: Jochen und Bert (Herbert) Kienzle besichtigen zusammen mit Betriebsleiter Herbert Kleiser die Fahrtschreiber-Montage im neuen Werk in den 1970er-Jahren.
Feinmechanik in höchster Präzision: Montage eines Kienzle-Taxameters T8 in den 1950ern.
Feinmechanik in höchster Präzision: Montage eines Kienzle-Taxameters T8 in den 1950ern.

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