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Villingen-Schwenningen Handgranatenwurf: Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen Security-Firmen

Nach dem Handgranatenwurf in Villingen-Schwenningen ermittelt nun die Staatsanwalt wegen Betrugs in diversen Security-Firmen. Konkurrenzkriege zwischen den Security-Firmen werden nach wie vor als Leitmotiv der Tat vermutet.

Hinter dem Villinger Handgranatenwurf bei einem Flüchtlingsheim steckt offenbar ein Wirtschaftskrimi. Aktuell durchforsten die Beamten die Bücher mehrerer Sicherheits-Firmen. Es geht um den Verdacht, ob sich in der Region einer der Beteiligten ein Monopol aufbauen wollte – und ob der Weg dahin mit einer Handgranate geebnet werden sollte. Johannes-Georg Roth, Leiter der Konstanzer Staatsanwaltschaft, bestätigte gegenüber dem SÜDKURIER, dass gegen Angehörige des Security-Gewerbes „wegen des Verdachts des Betruges“ ermittelt werde. Laut Roth geht es dabei insbesondere um den Verdacht der „fehlerhaften Abrechnungen von Dienstleistungen“. Geprüft werde „in diesem Kontext auch, ob der Anfangsverdacht einer Straftat hinsichtlich des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt besteht“.

Einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat schlossen Staatsanwalt und Polizei schon zwölf Tage nach dem Anschlag mit großer Bestimmtheit aus. Die Granate flog nach Erkenntnissen der Beamten gegen 1.15 Uhr nachts gegen einen Bürocontainer der Security in der Villinger Dattenbergstraße, rollte von dort ein paar Meter zurück und explodierte nicht. Es gibt Hinweise, dass der Sprengkörper aus einem Fahrzeug geworfen worden sein könnte.

Zu Wochenbeginn wurde die 75-köpfige Sonderkommission den Fortschritten angepasst. Spezialisten für Wirtschaftskriminalität sind es jetzt vor allem, die dafür sorgen sollen, weiter Licht in die Aufsehen erregende Tat zu bringen. 20 Ermittler bleiben weiterhin auf der Spur der Täter, nachdem am 9. Februar, zwölf Tage nach dem Anschlag in der Nacht zum 29. Januar, vier Tatverdächtige festgenommen werden konnten. Drei der Männer im Alter von 22 bis 37 Jahren sitzen seither in Untersuchungshaft.

Aber hat die Polizei damit schon den entscheidenden Drahtzieher gefasst, oder sind die Inhaftierten Vollstrecker einer üblen Manie, der zufolge konkurrierende Sicherheitsfirmen aus dem Feld geschlagen werden sollten? Im Fokus der Polizei steht seit Wochen schon eine kleinere Sicherheitsfirma aus der Region, heißt es aus gut unterrichteten Kreisen. Hier waren die Festgenommenen beschäftigt. Die Staatsanwaltschaft machte schon vergangene Woche kein Geheimnis mehr aus der Tatsache, dass es Security-Mitarbeiter sind, die als Tätergruppe infrage kommen.

Das Freiburger Regierungspräsidium zahlt für die Bewachung der Flüchtlingsadressen viel Steuergeld. Geprüft wird jetzt von der Polizei unter anderem, ob Sicherheitsfirmen, die untereinander in Machtkämpfe verwickelt scheinen, überhaupt fähig sind, ihrer ursprünglichen Aufgabe gerecht zu werden. Oder ob die Hauptmotivation dieser Firmen nicht vielmehr auf das Ziel ausgerichtet gewesen sein könnte, Konkurrenten mit aller Brutalität vom Markt zu verdrängen, um selbst noch mehr Geld einstreichen zu können. Genau in diese Richtungen ermitteln nun die Polizeibeamten.

Beim Versuch, die Überreste der unter Polizeiaufsicht explodierten Granate zu untersuchen, gibt es laut Staatsanwalt Andreas Mathy zwar Zwischenergebnisse, aber kein endgültiges Resultat. Ob jemals belastbar nachgewiesen werden kann, dass der Sprengkörper auch mit einem Zünder versehen war, ist nach Aussagen von Kennern der Lage unwahrscheinlich. Lediglich millimetergroße Stücke sollen übrig geblieben sein, heißt es.

 

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