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03.07.2012  |  von  |  2 Kommentare

Villingen-Schwenningen Hagelflieger bekämpft gleich fünf schwere Gewitterzellen

Villingen-Schwenningen -  Spezialist am Wochenende im Einsatz, als schweres Unwetter niederging. Verein zur Hagelabwehr sieht Erfolg.

Die Hagelflieger Julia Färber, Rainer Schopf und Oliver Joss: Am Samstag bekämpfte der Flieger fünf Gewitterzellen.  Bild: Archiv Freidel

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Redakteur Villingen-Schwenningen

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Fünf Fakten zum Hagelflieger
  • 1) Wie funktioniert die Hagelabwehr?

    Hagelflieger sind besonders ausgerüstete Flugzeuge, die bei speziellen Wetterlagen die in Gewitterwolken einfliegen und über eine Zusatzeinrichtung ein Silberiodid-Aceton-Gemisch in die Wolken versprühen, um die Bildung sehr kleiner Hagelkörner zu erreichen. Im Optimalfall sollen die Wolken zum Abregnen gebracht werden, bevor sich Hagelkörner überhaupt bilden können. Das Flugzeug ist eine speziell ausgerüstetet Partenavia. Für die Flüge stehen insgesamt drei Piloten zur Verfügung, die sich in den Bereitschaftsdiensten und Einsätzen abwechseln.
  • 2) Der Ablauf

    Bei Unwetterwarnungen, die bereits früh morgens vom Wetterdienst heraus gegeben werden, setzt sich einer der im Raum Stuttgart stationierten Piloten in den Zug nach Rottweil. Dort steht ein Auto bereit, um nach Donaueschingen zu fahren, wo das Hagelabwehr-Flugzeug auf dem Flugplatz wartet. Hier tritt der Pilot seinen Bereitschaftsdienst an, um gegebenenfalls schnell starten zu können. Dieser Zeitrahmen reicht laut Auskunft der Piloten aus, denn vor 13 Uhr gebe es kaum Gewitter mit starkem Hagel
  • 3) Wie häufig ist der Hagelflieger im Einsatz?

    In den Kreisen Schwarzwald-Baar und Tuttlingen ist in der Zeit vom 1. Mai bis Ende August ein Hagelflieger im Einsatz. Er betreut ein Gebiet von stolzen 1759 Quadratkilometern. Stationiert ist der Flieger in Donaueschingen. Im Jahr 2011 stand der Hagelflieger 36 Mal in Bereitschaft und war 14 Mal im Einsatz. Hagelschäden gab es während der Saison keine. 2010 stieg der Flieger für 20 Einsätze in die Lüfte. Es wurden keine Hagelschäden registriert.
  • 4) Wer finanziert den Hagelflieger?

    In unserer Region gibt es insgesamt acht Kommunen, die den Verein unterstützen. Dabei handelt es sich um Villingen-Schwenningen, Trossingen, Deißlingen, Dauchingen, Tuningen, Aldingen Talheim und Durchhausen. Die Hauptlast trägt der Verein, der vor allem auf die Beiträge der inzwischen über 2300 Mitglieder und auf Sponsoren angewiesen ist. Im Rems-Murr-Kreis beispielsweise, ist die Hagelabwehr beim Landkreis angesiedelt.
  • 5) Wie wirksam ist der Hagelflieger-Einsatz?

    Die Wirksamkeit der Hagelabwehr ist bis heute wissenschaftlich umstritten. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass das Hagelrisiko durch den Einsatz eines Hagelfliegers abnimmt. Eine Studie in Österreich kommt zu dem Schluss, dass die vom Hagel betroffene Fläche durch den Einsatz der Flugzeuge halbiert wird. Es existieren jedoch zu wenige Fall- und Vergleichsstudien, die diese Ergebnisse untermauern.
 

Ein Gewittersturm mit kräftigem Hagel fegte wie berichtet am Samstag über die Stadt Villingen-Schwenningen und seine Ortsteile. Wie kam das, fragten sich nicht wenige, wo wir doch einen Hagelflieger haben? Sei der am Wochenende gar am Boden geblieben? Keinesfalls, teilte der Vorsitzende des „Vereins zur Hagelabwehr Südwest“, Heinz Messner, auf Anfrage mit.

Der in Donaueschingen stationierte Hagelflieger habe am Samstag „fünf sehr schwere Gewitterzellen bekämpft“. Der Pilot sei an diesem Tag von 15 bis 21 Uhr in Bereitschaft gewesen. Das Unwetter war auch deutlich auf dem Wetterradar zu erkennen.

Leichte Schäden trotz Einsatz

Trotz des Einsatzes gab es vor allem in Villingen an Autos leichte Schäden, nachdem kurz vor 20 Uhr die meist murmelgroßen Eiskörner aufschlugen. „Wir haben nie gesagt, dass wir den Hagel gänzlich verhindern können“, sagte der Vorsitzende des Vereins Hagelabwehr, aber die Schäden würden um „bis zu 50 Prozent minimiert“. Es sei also leicht vorstellbar, wie das Unwetter ohne den Einsatz des Hagelfliegers hätte ausgehen können.

Die Schäden wären aus Sicht Messners sehr viel höher. Der Trossinger war am Samstag in Weilersbach unterwegs und erlebte den Sturm mit. Die Hagelkörner seien nicht so hart gewesen, was aus Sicht Messners an dem Silberjodit liegt, mit dem die Wolken „geimpft“ werden. Der Aufwand sei daher „höchstnotwendig“.

Einsatzzeit verlängern

Wie immer im festgelegten Zeitraum von Mai bis Ende August erhält der diensthabende Pilot frühmorgens die Meldung des Karlsruher Unternehmens „Südwestwetter“. Die Meteorologen legen bereits Einsatz- und Bereitschaftszeiten fest. Der Pilot aus dem Raum Stuttgart reist mit dem Zug bis Rottweil, wo bereits ein Wagen auf ihn wartet, der ihn nach Donaueschingen bringe.

Dieser Ablauf sei auch am Samstag eingehalten worden, betonte Messner. Der Vereinsvorsitzende plädierte dafür, die Einsatzzeit bis Mitte September zu verlängern, wie bereits mehrfach vorgeschlagen wurde. Gerade im September gäbe es oft noch drei bis vier Tage, an dem starke Gewitter über die Region hereinbrechen könnten. Für den Einsatz fehlen noch 8000 Euro.


Bisher beteiligen sich jedoch die Landkreise Schwarzwald-Baar und Tuttlingen nicht an der Finanzierung des Hagelfliegers. Julia Weiss, Sprecherin des Landratsamts in Villingen-Schwenningen, erläuterte auf Anfrage, dass sich daran in naher Zukunft für den Schwarzwald-Baar-Kreis nichts ändern werde.

Um den Verein zur Hagelabwehr finanziell zu unterstützen, müsse der Kreistag zustimmen. An eine neuerliche Debatte sei aber derzeit nicht gedacht. Der wichtigste Grund, der gegen eine Wiederaufnahme der Diskussion spreche, sei der, dass es wissenschaftlich nicht bewiesen sei, dass das Ausbringen von Silberjodit etwas helfe.

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2 Kommentare
Für dumm verkauft
„Um den Verein zur Hagelabwehr finanziell zu unterstützen, müsse der Kreistag zustimmen. An eine neuerliche Debatte sei aber derzeit nicht gedacht. Der wichtigste Grund, der gegen eine Wiederaufnahme der Diskussion spreche, sei der, dass es wissenschaftlich nicht bewiesen sei, dass das Ausbringen von Silberjodit etwas helfe.“
Geht`s noch?
Wer hat denn diese faule Ausrede zum Besten gegeben und wie wäre es mit stichhaltigen Beweisen?
Die Verantwortlichen sollten wenigstens so ehrlich sein und sagen, dass man Hagelschäden für eine reine Privatsache hält. Aber solch eine unpopuläre Aussage hassen diese Volksvertreter wohl wie die Pest.
Einsatz erfolgreich
Also so wie ich das sehe, war der Einsatz am Samstagabend auf jedenfall Erfolgreich. Bekannte von mir standen mit ihrem Auto an der Tankstelle am Schwarzwald Baar Center und haben mir bescheid gegeben das große Hagelkörner runterkommen. Im ortsteil Schwenningen kamen zu diesem Zeitpunkt keine Hagelkörner runter, sondern eine ungewöhnliche Art von Regen.
Wenn man bedenkt was für ein Schaden die letzten Unwetter im Schwarzwald Baar Kreis angerichtet haben, sind die 8000,- € für den Einsatz des Hagelfliegers doch wirklich Peanuts im vergleich.
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