Grenzstation bei Zollhaus zwischen Villingen und Schwenningen trägt für einen Tag ein hübsches Sümmchen ein
Anno 1736 wurde die erste Zollstation zwischen dem Königreich Württemberg und dem Großherzogtum Baden errichtet. Und es war genau an diesem Platz, an der Ecke Römerstraße/Grenzweg im Villinger Ortsteil Zollhaus, versichert Martin Hummel von der Gockel-Gilde aus dem Zollhaus. Am gestrigen Freitag standen ab der Mittagsstunde wieder des Königs und des Großherzogs Zollbeamte an der Zollstation, um von jedem „Grenzgänger“ einen Wegzoll einzufordern. Die Uniformen stammten aus der Kleiderkammer der Narrozunft in Bräunlingen, und die Abgabe an der Grenzstation fand auf freiwilliger Basis statt.
Doch heute, wie vermutlich auch damals, gilt: Der Souverän braucht Geld. Waren damals im 18. Jahrhundert der König auf der einen Seite und der Großherzog auf der anderen Seite die Nutznießer der Einnahmen aus dem Grenzverkehr, so ist der heutige Souverän das Volk. Und auch dieser Souverän braucht Geld, insbesondere auch für vielfältige soziale Aufgaben. Aus diesem Grund sind die Einnahmen aus dem Wegzoll auch zweckgebunden. In diesem Jahr kommen die Gelder dem von Ulrike und Karl-Henning Lichte betreuten „Kifaz Jugend-Treff VS“ im Jugendhaus Schwenningen zugute. Waren es im vergangenen Jahr 1888 Euro, die man an „Die Tafel“ weitergeben konnte, so hofft man, heuer einen ähnlich hohen Betrag spenden zu können.
Das wäre auch ein gerechter Lohn für die acht Grenzer, die trotz ungemütlicher Minusgrade tapfer und voller Humor ihren Dienst an der historischen Grenzstation versahen. Damit alles stilgerecht zugeht, wurden eigens ein hölzernes Schilterhäusle und ein Schlagbaum installiert. Die meisten „Grenzgänger“ haben das Prozedere gelassen und lachend über sich ergehen lassen, erzählt Martin Hummel von der Gockel-Gilde. Einige seien sogar mit Fleiß öfter durch die Kontrolle gefahren, um jedes Mal wieder den Geldbeutel zu zücken und zu spenden. Das habe dann für die wenigen entschädigt, die eher kein Verständnis gezeigt haben. Auf jeden Fall wolle man die Aktion jetzt Jahr für Jahr wiederholen, meinten die acht Grenzer von der Gockel-Gilde.