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Villingen-Schwenningen Geschichte einer Weltfirma begeistert Zuhörer bis heute

Die ehemalige Firma Kienzle Apparate ist das Thema beim Erzählcafé im Franziskaner. Dabei wird deutlich, dass das Unternehmen die Menschen bis heute bewegt.



Die wichtigsten Kienzleprodukte
  • Die gesetzliche Pflicht für das Mitführen von Fahrtenschreibern in Lastkraftwagen 1953 führte zu einem echten Boom.
  • Fahrtenschreiber: Noch heute stammen neun von zehn Fahrtenschreibern aus dem Werk in VS, das heute unter der Marke Continental firmiert.
  • Taxameter: Diese Automaten zur Erfassung von Fahrpreisen wurden in Deutschland erstmals 1880 in Pferdedroschken installiert. Taxameter wurden auch in der Uhrenfabrik C. Werner hergestellt, die 1913 von Kienzle übernommen wurde. 1928 wurde das Unternehmen in Kienzle Uhren in Schwenningen und Kienzle Taxameter und Apparate in Villingen getrennt. 1999 wurde die Kienzle Argo Taxi GmbH ins Handelsregister eingetragen, 2001 nach Leipzig verlagert.
  • Parkuhren: Ursprünglich ein amerikanisches Patent, das von Kienzle übernommen und perfektioniert wurde. Die Parkuhren wurden mit der Änderung der Straßenverkehrsordnung im Jahr 1956, die Parkuhren legitimierte, ein Verkaufsschlager.
  • Büromaschinen: Der damals schnellste Blockdrucker mit 60 Anschlägen in der Sekunde war eines der Produkte, das weltweit vertrieben wurde. Dieser Drucker kostete beispielsweise 100 000 Mark. (us)
 

Richtig gut besucht zeigte sich das Erzählcafé im Franziskaner zum Thema „Geschichte des Unternehmens Kienzle“. Drei ehemalige „Kienzleaner“, Horst Spormann, Herbert Ackermann und Josef Zieglwalner erzählten unter der Moderation des Wirtschaftshistorikers Armin Müller aus ihrem Leben für die Firma Kienzle.

Horst Spormann arbeitete seit 1951 in der Konstruktion und im Ausbildungsbereich bei Kienzle. Herbert Ackermann kam 1956 zu Kienzle, wo er erst als Assistent in der Verkaufsleitung, später für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit verantwortlich war.

Er erinnert sich an eine Begegnung mit dem legendären Elektroniker Heinz Nixdorf, der für die Produkte der Firma Kienzle schwärmte. „Nixdorf war damals an einer Zusammenarbeit mit Kienzle sehr interessiert, weil wir einfach tolle Produkte zu bieten hatten“, sagt Ackermann.

Josef Zieglwalner war bis zu seinem Ruhestand für die Rechtsvertretung und die Personalleitung verantwortlich. „Ich kam über ein Inserat zu Kienzle“, so Zieglwalner. Vom Schwarzwald habe er damals keine Ahnung gehabt, als er 1957 nach Villingen kam.

Die 50er Jahre, so beleuchtet Armin Müller die geschichtliche Entwicklung, seien wichtig für die Firma gewesen. Kienzle entwickelte sich zu einem Weltmarktführer. Taxameter, Fahrtenschreiber, Parkuhren, diese Produkte hätten dem Unternehmen regelrecht „goldene Jahre“ beschert.

Neue Techniken erforderten auch neue Ausbildungsberufe. Früh wurden bei Kienzle schon Elektroniker ausgebildet, Weiterbildungen waren Pflicht für die Mechaniker. „Für uns war das wahnsinnig schwierig zu verstehen, das war ja alles Neuland“, erinnert sich Spormann. Später als er selbst zuständig für die betriebliche Ausbildung war, wurden von 120 Bewerbern für einen Ausbildungsplatz schließlich 15 genommen. „Wir hatten damals schon spezielle Testverfahren, womit wir immer die besten jungen Leute bekommen haben“, erläutert Spormann.

Kienzle hatte schon 1962 eine eigene Fachschule für Datentechnik gegründet, wo die Mitarbeiter, später sogar die Kunden geschult wurden. Kaum einer kannte sich damals mit der neuen Technik von Computern und Datenverarbeitungsmaschinen aus, diese Fähigkeiten mussten vermittelt werden.

Josef Zieglwalner konnte einige Geschichten um die Familien von Jochen und Herbert Kienzle, die damaligen Eigentümer der Firma, beisteuern. So betonte er, dass die Kienzles immer ein sehr soziales Engagement an den Tag legten und sich um ihre Mitarbeiter persönlich kümmerten.

Auch das Publikum steuerte Erinnerungen bei. Wenn das Geld von der Bank geholt wurde, womit die Angestellten ausgezahlt wurden, ging es schon mal spannend zu, wie sich Ute Lorenz erinnert. „Wir holten Anfang der 60er Jahre noch mit der Pistole 250 000 Mark von der Bank, um damit die Löhne zu bezahlen“, erzählte sie unter Gelächter der Anwesenden.

Aber die Erfolgsstory hatte ein Ende: Erhebliche Managementfehler führten zum Niedergang, befand einer der Gäste. 1982 wurde Kienzle aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten von Mannesmann aufgekauft.

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