Villingen-Schwenningen Gefragt ist alles, was den Körper warm hält
… die Kunden auf Schnäppchenjagd. Bild: Jochen Hahne
– Für die Einzelhändler der Doppelstadt, die Bekleidung, Schuhwerk und Winterartikel verkaufen, ist die Kältewelle ein wahrer Segen. Die meisten sind zufrieden mit dem Umsatz im Winterschlussverkauf, und auch mit dem Weihnachtsgeschäft. „Die kalten Temperaturen spielen uns zu. Bei uns geht es erst jetzt so richtig los“, erklärt Rick Sauser. Er betreibt zusammen mit seinem Bruder Kai seit September 2011 das Geschäft „Vaude Store“ in der Niederen Straße in Villingen. Marken-Kleidung und Ausrüstung für Outdoor und Sport ist hier im Sortiment. Auch Hans-Jörg Stähle von Intersport Stähle zeigt sich zufrieden. Gefragt sei derzeit alles, was gegen die Kälte schützt wie Handschuhe und Jacken, aber auch Ski-Bedarf, erklärt er. Bei Langlauf-Ausrüstungen habe sich das Interesse zurückgehalten. „Das hängt extrem vom Wetter ab. Und da besteht nur Interesse, wenn die Leute das vor der eigenen Haustüre machen können“, meint Hans-Jörg Stähle. Bei Intersport wird Ware noch bis Fasnacht heruntergesetzt sein. Dann beginnt der Umbau in der Villinger Filiale.
„Besonders gut geht alles, was gegen Kälte an Händen, Ohren und Hals hilft“, sagt Filialleiter Markus Vogel von K & L Ruppert. Schon jetzt gebe es keine Ohrenschützer mehr und kaum noch Winterjacken. Bereits vor Mitte Januar hat bei dem Bekleidungshaus der Schlussverkauf begonnen. Und die Preise bleiben solange niedrig, „bis alles weg ist“, so Vogel weiter. Da das Modehaus keine Lagerkapazitäten hat, muss auf diese Weise Platz geschaffen werden für die Frühjahrsware.
Das ist auch der Grund, warum die meisten anderen Geschäfte im Januar ihre Preise heruntersetzen, obwohl es bereits seit 2004 keinen offiziellen Winterschlussverkauf mehr gibt, bestätigt Patrick Broghammer vom gleichnamigen Modehaus in Villingen. Allerdings sei das Interesse der Kunden in den vergangenen Jahren etwas „abgeebbt“. Das liege auch daran, dass die Rabattphase, die zeitiger beginne als der frühere Winterschlussverkauf, sich nun über einen längeren Zeitraum erstrecke. Auch Patrick Broghammer ist froh um die deutlich gesunkenen Temperaturen. „Je stärker der Winter, desto schneller gehen die Teile weg“, ist die Erfahrung des Junior-Chefs.
„Unsere Kunden suchen gerade im Schlussverkauf Qualität. Ladenhüter gehen auch reduziert nicht über die Kasse und bieten wir auch gar nicht an“, sagt Jürgen Müller vom gleichnamigen Sportgeschäft in Schwenningen. „Wir sind bereits nach den ersten Tagen voll zufrieden.“ Das lange Zeit milde Winterwetter habe die Kunden vom Kauf von Winterartikeln abgehalten. „Ab Weihnachten ging es dann richtig los“, stellt Müller fest. Auch Mode für wärmere Temperaturen wird schon nachgefragt, berichtet Sarah Messner, Mitinhaberin von „Trendbereich“. „Die Menschen sehnen sich nach dem tristen Winter nach Farbe, und das Frühjahr wird bunt“, meint sie. Ihrer Erfahrung nach würden Sonderangebote nicht den Impuls zum Einkaufen geben. Kundin Steffi Wölfle bestätigt: „Ich bin losgezogen, weil ich etwas in Grün suche. Aktionen gibt es genug, aber ich bin kein Schnäppchenjäger.“
Für Peter Happ, Inhaber von Schuh Happ, ist der Schlussverkauf wichtig: „Die Kunden warten darauf, und das Wetter bringt sie jetzt in die richtige Kaufstimmung.“ Wer bis jetzt noch mit Halbschuhen durch den Winter kam, dem drückt jetzt der Schnee durch alle Nähte und kommt an warmen Stiefeln nicht vorbei. Und außerdem: Der nächste Winter kommt bestimmt.
Wie bei Casa Moda wurde in anderen Geschäften bereits seit Längerem reduziert. Ramona Schoch, Mitarbeiterin des Modehauses, freute sich über das kalte Wetter. „Jetzt sind wir richtig zufrieden mit der Kauflaune unserer Kunden, selbst Weihnachtsartikel werden noch nachgefragt.“ Gekauft würden nicht nur Kerzen und Servietten mit weihnachtlichen Motiven für das kommende Fest, auch warme Stricksachen, Jacken und Stiefel seien gefragt.
Aber nicht alle Geschäftsleute sind mit dem Verlauf des Schlussverkaufs zufrieden. So wurden auch Stimmen laut, die befürchten: Kunden könnten durch die während des ganzen Jahres stattfindenden Rabattaktionen beim Winterschlussverkauf nicht mehr so richtig in Stimmung kommen.
