Villingen-Schwenningen Gedenken an aufrechten Demokraten

Mahnwache für den vor 72 Jahren von Nazis ermordeten mutigen Schwenninger Sozialdemokraten Karl Schäfer

Mit einer Mahnwache auf dem Muslenplatz in Schwenningen gedachten am Sonntagabend Mitglieder der Aktion Stolpersteine Villingen-Schwenningen und der SPD des vor 72 Jahren verstorbenen NS-Opfers und Schwenninger Bürgers Karl Schäfer. Im Anschluss an die musikalische Eröffnung und spätere Umrahmung des Gedenkens durch den Bach- und Kirchenchor, berichtete der ehemalige Geschichtslehrer Ekkehard Hausen über das Schicksal des Widerstandskämpfers Schäfer: Schäfer kam im Alter von zwölf Jahren nach Schwenningen, kehrte nach Schule und Ausbildung 1909 wieder in die Neckarstadt zurück und heiratete 1911 die gebürtige Villingerin Anna Geiselmann. Zurück aus dem ersten Weltkrieg betrieb Karl Schäfer ab 1927 seine Fahrradwerkstatt.

Der Widerständler im Nationalsozialismus war schon lange vor dem ersten Weltkrieg aktives Mitglied der sozialdemokratischen Partei, welche damals in „der roten Hochburg“ Schwenningen sehr stark vertreten war. Weiter engagierte Schäfer sich ehrenamtlich in vielen Organisationen der Arbeiterbewegung, war Vorstandsmitglied des „Turnerbund Jahn“, heute Freie Sportvereinigung.

1933 spricht sich Karl Schäfer als Mitglied des Stadtrates mit vier anderen SPD-Ratskollegen dagegen aus, Adolf Hitler zum Ehrenbürger der Stadt zu ernennen. Fünf Jahre später wird Karl Schäfer, nach einer „Zeit der Illegalität“ und umfangreichem Wirken im Untergrund, verhaftet. Vom Untersuchungsgefängnis Rottweil kam er in das berüchtigte Stuttgarter Gestapo-Gefängnis „Hotel Silber“ und schließlich in das Konzentrationslager Welzheim. An seinem Todestag, dem 8. Juni 1938 „wird Karl Schäfer auf Anweisung der Gestapo einer so genannten Sonderbehandlung unterzogen“, so Ekkehard Hausen. Ohne Nahrung, erbarmungslos misshandelt sei er völlig zerschlagen, bei glühender Hitze nach einer Stunde Arbeitskommando schließlich gestorben.

In seinem Begleitwort würdigte Oberbürgermeister Rupert Kubon den Schwenninger als Vorbild für alle. Damals wie heute sei eine Gesellschaft, die sich hohen ethischen Werten wie Brüderlichkeit, Solidarität, Gleichberechtigung oder Meinungsfreiheit unter der Prämisse der Unantastbarkeit der Würde eines jeden Menschen verpflichtet sehe, auf Personen vom Schlage eines Karl Schäfer angewiesen. Auch Stadtrat Siegfried Heinzmann und Walter Kuhnen vom Deutschen Gewerkschaftsbund würdigten Karl Schäfer.

Suche man heute nach Erinnerungsspuren, werde man schnell enttäuscht, so Hausen und fragte: „Darf das so bleiben?“ Dieter Brandes merkt an: „Karl Schäfer wäre für mich einer der Ersten, an den – endlich – eine öffentliche Gedenktafel öffentlich erinnern würde.“

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