Mein

Villingen-Schwenningen Gartenschau-Kunst regt erfrischend an

17.05.2010
Zum Thema


Villingen-Schwenningen – Wie ist das Wetter heute – in Tula? Besucher auf der Landesgartenschau könnten sich darüber ganz aktuell ein Bild machen. Bei einem der 15 Kunstwerke auf dem Schwenninger Ausstellungsgelände spielt ein Mikroklima die verblüffende Hauptrolle – isoliert in einer alten Telefonzelle.

Die Installation des Stuttgarter Künstlers Tino Panse wurde von der Jury beim landesweiten Kunstwettbewerb ausgewählt und nun präsentiert. 88 Künstler hatten sich beworben, elf Werke wurden gekürt und für neun Arbeiten reichte der Etat. Hinzu kamen vier Studenten-Beiträge der Stuttgarter Kunstakademie.

In der unscheinbaren gelben Telefonzelle sind die Scheiben beschlagen, denn innen herrschen authentische 20 Grad Lufttemperatur und 75 Prozent Luftfeuchtigkeit. So wie gerade in der russischen Partnerstadt Tula. Elektronisch übermittelt vom deutschen Wetterdienst und durch Klimaanlage, Gebläse und Heizung zeitgleich in der Zelle erzeugt. Kaum ein Passant beim „Eingang Stadt“ stutzt, kaum einer bleibt stehen. Dabei regt die LGS-Kunst so erfrischend an, die Welt neu zu betrachten. In einem begehbaren Würfel ist, wenn man sich kurz hineintraut, die Umwelt gedreht und auf den Kopf gestellt: Die „Camera Obscura“ von Bertram Weisshaar projiziert die Wirklichkeit auf eine Leinwand.

Sogar von oben lässt sich die Doppelstadt betrachten – wenn die Sonne scheint und Schatten wirft, oder, von unten, wenn die metallene Skulptur von Kunststudent Tae-Kyun Kim aus Südkorea bei bedecktem Himmel aufragt. Was von weitem wie eine neckische Rank-Laube aussieht, ist das Fahrbahnnetz der beiden Städte, eine abstrahierte „Straßenkarte“. Witzig sind die vermeintlichen Hinweisschilder in einigen Beeten. Die Bilder ähneln sich, der Text bleibt gleich: „In der Wärme des Sommers“ liest man und wundert sich vielleicht doch noch.

Wieso warm? Es ist doch kalt und wieso „Vergiss den Frühling nicht“? Künstlerin Annette Merkenthaler hinterfragt in mehrfacher Hinsicht und lädt listig ein, wirklich nachzufühlen...

Zu hören gibt es ein Ticken, mitten im Gras. Dort, wo Fliegerbomben des Weltkrieges gefunden wurden, prangen zwei „gefährliche“ rote Punkte von Andrea Mayer-Brennestuhl. Und die Zeitzünder-Produktion in Schwenningen erhält ihr Denkmal. Auch Grabsteine wären ein Denkmal, wenn sie nicht nach der Liegezeit entsorgt würden. Die „Endliche Säule“ von Alf Setzer bewahrt die Erinnerung. Und auf Kirchenfensterglas erzählt Cordula Haasis die „Schöpfungsgeschichte“.

Alle Infos zur Landesgartenschau 2010 im Onlinedossier Landesgartenschau Konzert Dr. Quincy and his Lemonshakers
Landesgartenschau Besucher
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln