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Villingen-Schwenningen Fasnet als Kirchenkonzert

14.02.2012
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– „'S goht degege“ – das weiß in Villingen und weit darum herum gerade jeder. Dass sich die Fasnet im Gewand eines Kirchenkonzertes für Orgel und Trompete samt närrischer Szene im Villinger Münster zeigt, ist allerdings schon etwas ungewöhnlicher.

Die Kirche war am Sonntagabend längst vor Beginn vollständig besetzt.

Gunther Schwarz, der mit langer Zipfelmütze mit heiterem Ernst und dann wieder mit ernster Heiterkeit durch die Veranstaltung führt, begrüßt sie alle: Klaus Richter in quasi voller Montur als Narrenvater, die Villinger, die Schwenninger, die Königsfelder – schlicht das internationale Publikum. Und sofort ertönt die Eurovisionsfanfare, der Ohrwurm, zu dem ein Motiv aus dem Tedeum von Marc-Antoine Charpentier geworden ist. Matthias Eschbach alias Matze S. Bach an der Orgel und Lukas Fröhlich mit seiner Trompete geben selbstredend ihr Bestes.

Wie nun aber eine Tripelfuge von Johann Sebastian Bach für die Orgel lustig ankündigen? Gunther Schwarz schafft das Unmögliche, weil er „auf eine Bach-Blüten-Therapie vom Feinsten“ gesetzt hat. Matthias Eschbach spielt das gute Stück in beruhigendem Tempo. Er versteht sich aber nicht nur auf die gar so strenge Form, sondern auch auf das Potpourri, das in Narrenkreisen so nicht genannte Crossover. Zu spätmittelalterlich anmutenden Melodien mit Schalmeienklängen gesellen sich klammheimlich Fasnetliedle, und nach musikalischen Ausflügen in den Orient bekommt Lukas Fröhlich seine gut genutzte Chance auf einen ordentlich schrägen Trompetenschluss. Beifall! Muss sein.

„Wir zählen keine Einwohner, wir zählen Seelen.“ Gunther Schwarz wohnt in Königsfeld und weiß, wovon er spricht. Natürlich auch von Albert Schweitzer und seiner Liebe zu Johann Sebastian Bach und dessen Toccata in d-Moll. Eschbach liefert den unmissverständlichen Beweis, dass für einen Narren die komponierten Noten nicht identisch sein müssen mit den tatsächlich gespielten Noten. Andrea Riehle in der Rolle und der Kleidung des eitlen Narro, voller Hochmut und Stolz, und Henry Greif als finsterlich gegen Firlefanz und Dummheit mahnender Mönch in grober Kutte gehen mit ihren unvereinbaren Reden so ans Gewissen, dass einem die nachdenkliche Seite der Fasnet richtig klar wird.

Natürlich kann man auch anders herum, verblüffend und lustig. Lukas Fröhlich veranlasst das Publikum, ein lautes „Ja!“ zu rufen. Dieses mischt er elektronisch zu einer sanften Stimme, die aus dem Lautsprecher immer und immer „Maschgere, los amol“ spricht. Über diesem Continuo improvisiert er mit und ohne Schalldämpfer auf seiner Trompete – ein buchstäblich toller Einfall. Die Musiker nehmen sich noch des alten Engländers John Stanley und des amerikanischen Jazzers Thelonious Monk an, Henry Greif sinniert zudem in der Rolle des Bildhauers Konrad Rötlin über Gott und die Welt. Zum Schluss das Machtwort von Klaus Richter als Narrenvater: „Geld ist die Ursache allen Übels! Darum spendet heute all euer Geld für das Palliativzentrum. Und zur Fasnet lasset ihr euch dann halt einladen.“

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