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Villingen-Schwennignen Familienhebammen: Damit die Liebe zurückkommt

Stadt und Landkreis bieten jungen Müttern zusätzlich zu den Familienhebammen seit kurzem auch Familien-Kinderkranken-Pflegerinnen zur Unterstützung an. Einblicke in den Alltag der Familien-Pflegerinnen.

Irgendwo auf dem Weg zum Erwachsenwerden ist Sabrina Dold, 19 Jahre alt, die Liebe abhandengekommen. Dann wurde sie schwanger. Und mit dem Kind kam die Angst. Die Angst davor, das Kind nicht lieben zu können, davor, irgendwas kaputt zu machen an dem kleinen Menschlein. Und die Angst davor, nicht zu wissen, wie das mit dem Stillen überhaupt funktioniert.

Manuela Strbeck lächelt als Sabrina Dold davon erzählt, sie weiß wovon die junge Mutter redet, sie war dabei. Manuela Strbeck ist 52 Jahre alt, gelernte Kinderkrankenschwester und macht derzeit eine Zusatzausbildung zur Familien-Kinderkranken-Pflegerin. Sie ist eine von fünf Pflegerinnen, die für Stadt und Landkreis seit kurzem zusätzlich im Einsatz sind im Rahmen des Unterstützungsprogramms "Frühen Hilfen". Bislang haben sich acht Familienhebammen um die Mütter in den ersten Monaten nach der Geburt gekümmert. "Die Nachfrage", sagt Carina Haag, bei der Stadt für die Koordination zuständig, "ist kontinuierlich gestiegen."

Rund 80 Einsätze gab es seit Beginn des Programms im Juni 2013. Eine Pflegerin betreut zwischen einer und vier Familien. Sabrina Dold ist Manuela Strbecks erster Fall. Geburtsvorbereitungskurse wollte Sabrina Dold nicht besuchen. Das Atmen, die anderen Frauen. "Ich hatte meinen eigenen Kopf was die Geburt angeht", sagt sie. Manuela Strbeck lächelt. "Tief durchatmen, damit der Kleine Luft bekommt", hatte sie gesagt. Und Sabrina Dold hat das gereicht. Oft sind es die kleinen Probleme um die sich die Familienkinderpflegerinnen kümmern: die richtige Ernährung nach der Stillzeit beispielsweise oder die Körperpflege. "Wenn das Problem gelöst ist", sagt Strbeck, "gibt es gleich eine ganz andere Stimmung im Haus."

Eine Portion Offenheit, Taktgefühl und Einfühlungsvermögen – alles was eine Kinderkranken-Pflegerin braucht. Alles, was sie wohl auch in dem gut 200-stündigen Zusatzkurs zur Familienpflegerin nicht lernen kann. Strbeck ist selbst Mutter von fünf Kindern. Mit Einfühlungsvermögen kennt sie sich aus.

Familien-Kinderkranken-Pflegerinnen kommen dann in die Familien, wenn der Bedarf für eine Betreuung in den ersten Wochen über das hinausgeht, was die Krankenkassen finanzieren – in der Regel die ersten zwölf Wochen. Bis zu drei Jahre können die Kinderkranken-Pflegerinnen eine Familie unterstützen.

Carina Haag von der Stadt und Ramona Götz, Koordinatorin auf Seiten des Landratsamts sehen vor allem einen Vorteil in der Unterstützung durch die Kinderkranken-Pflegerinnen: "Sie greifen präventiv ein." Können im besten Fall verhindern, dass die Familien irgendwann vom Jugendamt eine Betreuung auferlegt bekommen. Können verhindern, dass kleine Probleme zu großen Dramen werden.

"Wenn die Mutter mich verzweifelt anruft, dass das Kind immer schreit, oder nicht trinken will, dann geht es oft auch um psychische Probleme", sagt Kinderkranken-Pflegerin Ulrike Götz-Suzuki. Manchmal müssten Eltern einfach daran erinnert werden, dass ihr Kind sie liebt. "Schauen Sie mal", sagt sie dann, "ihr Kind lächelt". Und irgendwann kommen im besten Fall so erst das Vertrauen und später die Liebe zurück.

Vier Fragen an Carina Haag:

Carina Haag, die städtische Koordinatorin des Unterstützungssystems "Frühen Hilfen" über Mütter die Hilfe brauchen und Stellen, die Hilfe anbieten.

Wer kann die Hilfe in Anspruch nehmen?

"Das kann jede Mutter, die einen zusätzlichen Bedarf hat. Obligatorisch werden dann vier Stunden für je vier Wochen bewilligt. Wird darüber hinaus Hilfe benötigt, erstellen wir eine Bedarfsplanung."

Wie wird die Frühen Hilfe für die Mütter finanziert?

"Die Kosten für die Hebammen werden in den ersten zwölf Wochen von der Krankenkasse übernommen. Alles was darüber hinausgeht, sowie die gesamten Kosten für die Betreuung durch die Kinderkrankenschwestern, wird von der Jugendhilfe, kommunalen Geldern und Projektmitteln getragen."

Welche Familien nehmen die Hilfe der Kinderkrankenschwestern in Anspruch?

"Es betrifft Familien aus allen Schichten und allen Altersklassen. Eine Alleinerziehende 16-Jährige genauso wie die Akademikerin, das Ehepaar mit Drillingen oder die Mutter eines Frühchens."

Wie kommt der Kontakt zwischen den Müttern und den Familienkrankenschwestern zustande?

"Zum Teil über die Hebammen selbst, die die Mütter bereits in der Klinik betreuuen, manchmal kommen die Mütter auch selbst zu uns und Fragen nach Hilfe. Unser Ziel ist es auch, die Fachkräfte für das Angebot zu sensibilisieren. Sodass der Kinderarzt, der Frauenarzt oder der Therapeut die Familien auf das Hilfsangebot aufmerksam macht."

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