Villingen-Schwenningen Ein Mann, eine Idee und eineinhalb Jahre Vorbereitung: Wie das Kneipenfestival nach Villingen kam

Georg Krachenfels hat mit dem Lions-Club VS Mitte das Musik- und Kneipenfestival Nightgroove nach Villingen gebracht. Im Interview mit dem SÜDKURIER spricht er über die doppelstädtische Gretchenfrage, seinen eigenen Musikgeschmack und das, was die Veranstaltung so besonders machen soll.

Herr Krachenfels, warum braucht Villingen ein Musikfestival?

Ich glaube, für die Antwort muss ich ein wenig ausholen. Früher habe ich viel im Kultursponsoring in VS gemacht. Fritz Ewald, Gründer des Jazzfestivals VS swingt, war mein Mentor. Er hat mich zum Jazz gebracht. Das war vor gut 15 Jahren. Und dann saß ich im Juni bei 30 Grad bei einem der Konzerte im Theater. Es war zwar schön, ich habe es mir aber anders vorgestellt. Ein Bier, eine Zigarette und irgendwo wird gejammt, so in etwa. Damals ist dann der Gedanke zur Kulturnacht in Schwenningen entstanden. Mit der Kulturnacht und mit dem Stirnlampenlauf in Bad Dürrheim habe ich in den Jahren meine Erfahrungen mit Großveranstaltungen gesammelt.


Und dann wurde vor eineinhalb Jahren der neue Lions-Club VS Mitte gegründet ...

...richtig. Der erste Club, in dem auch Frauen zugelassen sind. Meine Frau und ich sind Mitglied geworden. Da es die Aufgabe der Clubs ist, darüber nachzudenken, wie man benachteiligten Menschen helfen kann, haben wir uns dann auch kurz nach der Gründung überlegt, welche Veranstaltung wir machen könnten, um anderen zu helfen. Mein Vorschlag war ein Musik- und Kneipenfestival.


Wie kamen Sie ausgerechnet darauf?

Meine Frau stammt aus einer Konditorenfamilie in Augsburg. Wir pendeln daher viel hin und her. Dort gibt es seit über 15 Jahren das Kneipenfestival Honky Tonk. Die Konditorei der Familie meiner Frau ist da seit Anfang an dabei. So habe ich die Organisatoren kennengelernt. Und im September 2015 dann angesprochen, ob sie sich vorstellen könnten, so ein Festival auch mit dem Lions Club zu machen. Sie konnten.


Und dann stellt sich natürlich die Gretchenfrage: Villingen oder Schwenningen?

Wie immer eben. Ich habe ihnen die Stadt gezeigt. 'Villingen', haben sie dann gesagt, 'können wir uns vorstellen'. Die vielen kleinen Pinten, das hat ihnen gefallen. Außerdem gab es hier vor einigen Jahren schon einmal ein Kneipenfestival, sechs Wirte hatten sich damals daran beteiligt. Uns war von Anfang an wichtig, niemanden vor den Kopf zu stoßen. Wir haben die Wirte ins Boot geholt, Kulturamtsleiter Andreas Dobmeier und natürlich die Stadt selbst. Und dadurch, dass die Erlöse unserer Bewirtschaftung an das Kinderhospiz von Maria Noce gehen, ist auch Schwenningen miteinbezogen.


Haben Sie sich ein Ziel gesetzt, wie viel sie Einnehmen wollen für den guten Zweck?

Nein, das wissen wir noch nicht. Wir sind ja ein Teil des Konzeptes. Wir machen die Bewirtung bei der Funk und Soul Night im Münsterzentrum und bei der DJ-Party im Atrium der Volksbank. Mit Unterstützung der Kochbrüder der Villinger Cuchi, allen voran durch unseren Präsidenten Christoph Jung. Von ihm stammt auch das Rezept für den Pulled Pork Burger, den wir verkaufen werden. Sicher ist jedenfalls, dass der gesamte Erlös gespendet wird. Und dass die Aktion uns zusammenschweißt. Alle 38 Mitglieder werden am Abend im Einsatz sein.


Wo wird Ihr Platz sein?

Ich stehe an der Bar. (lacht)


Werden Sie von den Bands überhaupt etwas mitbekommen?

Ja. Ich werde es mir schon anschauen. Das ist ja das gute, das für jeden Musikgeschmack etwas dabei sein wird. Ich zum Beispiel bin ein Normalo. Mainstream. Ich höre Radio.


Ein Kritikpunkt, der gerade immer wieder zu hören ist, betrifft die Bandauswahl. Nicht regional genug und zum Großteil Coverbands, heißt es da, also dass keine Nachwuchsbands gefördert würden ...

... Natürlich sind das Coverbands. Aber ich kenne das Festival seit Jahren, das hat einfach Qualität. Und natürlich wäre regional schön. Aber dazu gab es die Chance. Die entsprechenden Bands hätten sich natürlich bewerben können. Jedem stand die Möglichkeit im Vorfeld offen, sich bei den Veranstaltern zu melden.


Was war denn für Sie das Schwierigste bei den Vorbereitungen?

Einen Termin zu finden, der nicht mit den Interessen der Stadt oder den Vereinen kollidiert. Ursprünglich wollten wir den 31. Oktober, also Halloween, nehmen. Aber an dem Tag gab es schon so viele andere Veranstaltungen. Darum wurde es der 29. April.


Wird es denn eine einmalige Aktion bleiben?

Wenn es gut läuft, soll es nächstes Jahr wieder stattfinden. Es soll etwas Nachhaltiges sein, sonst hätte ich das nicht gemacht und daran so lange gearbeitet. Damit das Festival wirtschaftlich ist für die Veranstalter brauchen sie mindestens 2000 Teilnehmer.


Wie wird der Tag des Festivals für Sie ablaufen?

Für uns wird es schon einen Tag vorher los gehen. Die Absperrungen müssen eingerichtet werden, die Toiletten und Getränkewagen bei der Volksbank aufgestellt und die Bar aufgebaut werden.


Worauf freuen Sie sich an dem Abend am meisten?

Darauf, dass wir es hinbekommen. Wenn die Veranstaltung gut angenommen wird. Das Schönste aber wird sein, dass wir mit einer Veranstaltung, bei der man feiert, auch die Leute unterstützt, denen es nicht so gut geht im Moment. In diesen eineinhalb Jahren der Vorbereitung habe ich mich oft gefragt, was mache ich hier eigentlich? Wenn das am Ende alles passt, dann weiß ich, warum es sich gelohnt hat.


Fragen: Anja Greiner

Karten für das Festival gibt es im Vorverkauf für 13 Euro (Abendkasse 15 Euro) unter anderem in der Geschäftsstelle des SÜDKURIER, in allen beteiligten Lokalen, bei der Volksbank, im Culinaria in Schwenningen und bei den Touristinfos.


Zur Person

Georg Krachenfels, 49 Jahre alt, ist gelernter Bäcker- und Konditormeister, sowie Betriebswirt. Vor 18 Jahren übernimmt er die Geschäftsleitung der Familienbäckerei Krachenfels und ist fortan für die inzwischen 40 Filialen in der Region zuständig. Den Hauptsitz hat die Firma in Mönchweiler.

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