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Villingen-Schwenningen Ein Idyll namens Nordstetten

30.07.2012
Villingen-Schwenningen -  Nordstetten, der kleine Weiler im Norden Villingens, feierte am Wochenende sein 1250-jähriges Bestehen mit einem Fest, an dem viele interessierte Besucher mit Exkursionen in die Geschichte der alten, prächtigen Höfe eingeführt wurden. Wer es nicht wusste, weiß es jetzt.

Das Nordstetten tatsächlich ein „Vorzeigeort“ ist, erlebten am Wochenende zahlreiche Besucher bei der Höfeführung mit den Einheimischen Steffi Braun (Mitte) und Ernst Reiser (rechts) .  Bild: Schimkat

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Vor den Toren der Stadt liegt ein einzigartiges Kleinod mit großer bäuerlicher Tradition.

Eine Bilderausstellung gab Einblicke in die Veränderungen, nicht nur der Höfe, sondern auch der Feldbewirtschaftung im Laufe der Jahrhunderte. Milchwägele, Hochzeitwagen sowie alte landwirtschaftliche Fahrzeuge gab es schon früh in dem Ort, dessen Bewohner mit Mut, Schaffenskraft und Ausdauer immer wieder Zerstörung, Feuer und Not widerstanden hatten.

Wie schafft es ein Ort mit 110 Einwohnern, so ein Jubiläum zu stemmen? Indem sich jeder mit dem, was er am besten kann, einbringt, an jedem Haus, im kleinsten Winkel der Straße war dieser Zusammenhalt zu erkennen. Die Eröffnung ihres Jubiläums feierten die Nordstetter mit geladenen Gästen in dem leerstehenden ehemaligen Kuhstall von Haus Nr. 16, dem „Hintere Huuser-Hof“, den sie liebevoll in einen Festsaal umgewandelt hatten.

200 Gäste saßen dicht gedrängt an geschmückten Tischen, für die variantenreiche Musik sorgten die Nordstetter Musikanten. Schon die Namen des Trompeters Wataru Takagi oder Tubaspielerin Yu-Ming-Liang ließen erahnen, dass es sich auch um japanisch-chinesische und andere Eingeborene handelte.

„Heute wird ein Stück Heimatgeschichte gefeiert in einem Ort, der sich trotz aller Tradition immer wieder geöffnet und weiterentwickelt hat, es ist erstaunlich, was Sie geleistet haben“, begrüßte Oberbürgermeister Rupert Kubon die Bewohner des „Vorzeigeorts“ Nordstetten. Dieses Prädikat hatte ihm Thomas Wieners vom Landesarchiv Freiburg, der die Geschichte von Nordstetten in der Jubiläumsschrift niedergeschrieben hat und der die Festrede hielt, eingebrockt.

Alle Redner, vom Landtagsabgeordneten Karl Rombach bis Klaus Martin, Ortsvorsteher von Obereschach, griffen diese Adelung mit Begeisterung auf. Überhaupt hatten die Nordstetter in früheren Zeiten mit ihren starken Pferdegespannen den Ochsengespannen von Obereschach aus dem Schlamm geholfen: „Wir Obereschacher sind Euch zu ewigem Dank verbunden“, verbeugte sich Martin.

Die Nordstetter sind mit viel Humor gesegnet und führten einen dementsprechend kurzweiligen Schwank in sechs Akten auf, in dem sie ihre 1250-jährige Geschichte karikierten. Geschrieben wurden die Szenen von Sebastian Schnitzer, der in Nordstetten aufwuchs, und auch selbst mitspielte. Das Stück zeigte, dass die Nordstetter nicht nur schaffen können – sie können auch spielen und nahmen sich gehörig auf die Schippe.

Wenn der heilige Jakobus (Harry Ramert) die beiden Pilger (Hildegard Reiser und Siegfried Messner), die sich stritten wie die Kesselflicker, krönte und dabei rief: „Wo bleibt der Fotograf“, blieb kein Auge trocken. Köstlich war die Szene im Rathaus zu Villingen, als der Stadtrat Gaißler (Harry Ramert) die Nordstetter Neu-Einwohner vom Acker jagen wollte.

Sie seien evangelisch, protestantisch, Widersprüchler und Einsprüchler, donnerte er, während sich der Oberbürgermeister Mayer (Michael Jobst) einen Schnaps nach dem anderen gönnte. Als die Widersprüchler auch noch renitent behaupteten, sie seien auch noch Schwenninger, war das Maß voll und der Saal tobte.

Ernst Reiser, ohne dessen jahrelange Recherchen das Fest und die Höfewanderung kaum möglich gewesen wären, machte den Erzähler und den Souffleur. Hatte einer der genialen Darsteller mal einen Hänger, gab er mit sonorer Stimme das Stichwort, sodass es auch der Besucher in der letzten Reihe hören konnte.

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