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Villingen-Schwenningen Dritte Pegida-Kundgebung bleibt störungsfrei und ohne Auseinandersetzung

Diesmal gab es keine Gewalt rund um die Pegida-Demonstration in der Villinger Innenstadt. Im Unterschied zur letzten Kundgebung gelang es der Polizei Pegida-Anhänger und Antifaschisten auf Abstand zu halten.

Störungsfrei ohne Auseinandersetzungen gingen gestern Abend die politischen Kundgebungen in der Villinger Innenstadt zu Ende. Ein massives Polizeiaufgebot verhinderte im Unterschied zum letzten Mal jegliche Auseinandersetzungen.
 

Ungemütlich war's für alle: Blitz und Donner, Graupel und Schneefall waren die äußeren Begleitumstände der dritten Demonstrationsauflage in Villingen. Die Polizei hatte ihr Sicherheitskonzept verfeinert und die Gruppen von Antifaschistischer Aktion und den Pegida-Anhängern noch weiträumiger durch Sicherheitszonen getrennt. Dieses Mal stand die Pegida-Demonstration auf der Nordseite des Münsters, die Antifaschisten, die an einer Absperrung zwischen Rathaus und Münsterhaupteingang zurückgehalten wurden, hatten nicht einmal Sichtkontakt zur Pegida. Sicherheitshalber hatte die Polizei auch den Zugang zum Münsterplatz beim Café Raben dicht gemacht.

Auch dort versammelten sich entgegen der Auflagen der Polizei zeitweise etwa 40 Linke und versuchten die Pegida-Demonstranten mit Sprechchören zu stören. Als fünf Linke versuchten, über die Absperrung zu steigen, wurden sie von der Polizei daran gehindert.

Bei der Schwarzwald-Baar-Heuberg-Gida (SBH-Gida) versammelten sich rund 80 bis 100 Menschen, dieses Mal verstärkt durch einige „Patrioten“ aus der Schweiz und Vorarlberg, die von Organisatorin Sabrina Grellmann begrüßt wurden. Zu sehen waren hauptsächlich jüngere Männer, nur wenig Frauen, darunter einige fundamental christliche Geister. Hochgereckt wurde Transparente wie „Europa den Europäern“, „Lügenpresse“ und gegen die „Islamisierung des Abendlandes“. Zu sehen waren Deutschlandfahnen, zwei Fahnen mit Schwert und Hammer, die in der Neonazi-Szene Verwendung finden, aber auch zwei Israel-Flaggen. Von mehreren Rednern beschworen wurde das Schreckgespenst der zunehmenden Islamisierung des Landes. Ein koptischer Christ und Pastor aus dem Sudan, Adel Fouad, stellte fest, der Islam sei keine friedliche Religion, frauenfeindlich und nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.

Der Eindruck, dass ein größerer Anteil des Publikums aus Neonazis bestand, wurde auch durch einen Gastredner verstärkt. Auf dem Podium stand Ignaz Bearth, laut Schweizer Medien ein bekannter Rechtsextremist, der jahrelang in der Neonazi-Szene aktiv war. Ab 2010 war er Mitglied der Schweizer Volkspartei (SVP) St. Gallen, verließ diese aber im Streit und war Mitbegründer der Direktdemokratischen Partei Schweiz. Für diese Rechtsaußenpartei und die direkte Demokratie machte er gestern unter dem Beifall der Zuhörer Stimmung. Die Aussagen waren ein Querschnitt durchs rechte Weltbild: Gegen Massenzuwanderung, für schnelle Abschiebung krimineller Ausländer, zurück zur D-Mark, raus aus der EU, Solidarität mit Putins Russland, weg mit der bundesdeutschen „Demokratur“, für direkte Demokratie.

Deutschlandfahnen und rechte Gesinnung dominierten bei den »Patrioten« der Pegida.
Deutschlandfahnen und rechte Gesinnung dominierten bei den »Patrioten« der Pegida. | Bild: Jochen Hahne

Auf dem Villinger Marktplatz bekundeten schätzungsweise gut 200 Menschen ihre Solidarität gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhetze. Erstmalig sprach bei der Initiative „No Pegida“ mit Michael Sernatinger auch ein Mitglied der Jungen Union, der die humanitäre Verpflichtung Europas gegenüber den Flüchtlingen unterstrich. „Wir sind das Volk war der Ruf der Einheit und nicht der Ausgrenzung“, rief der Autor und Publizist Christian Lukas-Altenburg aus Villingen-Schwenningen unter dem Beifall des Publikums. Er warnte eindringlich vor einer Spaltung der Gesellschaft. Weitere Redner waren Roland Saurer, der Sprecher Landesarmutskonferenz Baden-Württemberg, der Juso-Kreisvorsitzende Daniel Künkiel, Tatjana Funke vom Deutschen Gewerkschaftsbund, Deniz Tas, von der alevitischen Jugend VS, Simeon Disch vom Aktionsbündnis Jugendkulturzentrum und Nicola Schurr, einer der Initiatoren von „No Pegida“.

Die Antifaschistische Aktion VS machte dagegen wieder massive Stimmung gegen „rechte Hetze“ der „Faschisten“.
Die Antifaschistische Aktion VS machte dagegen wieder massive Stimmung gegen „rechte Hetze“ der „Faschisten“. | Bild: Jochen Hahne

Rund 400 Demonstranten

Statt der erwarteten rund 1000 Demonstrationsteilnehmer der verschiedenen Kundgebungen geht die Polizei in ihrer Schätzung davon aus, dass nur 400 gekommen sind. Das schlechte Wetter hat das seinige wohl dazu beigetragen. Während sich auf der einen Seite des Münsterplatzes rund 80 bis 100 SBH-Gida-Sympathisanten sowie ungefähr 120 Anhänger der „Antifaschistischen Aktion VS“ auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes einfanden, versammelten sich bis zu 200 Personen in einer „No-Pegida“-Kundgebung auf dem unweit gelegenen Marktplatz von Villingen.

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