Mein

Villingen-Schwenningen Die Statussymbole von einst

22.02.2010


Feierliche dritte Wiedereröffnung

Villingen-Schwenningen (bm) Aller guten Dinge sind drei. Dieses altbewährte Sprichwort trifft ganz genau für die Hellmut-Kienzle-Uhrensammlung: 1961 wurde sie zum ersten Mal eröffnet, dann wieder 1982 und am Samstag zum dritten Mal. Jetzt für immer – so versprachen die Festgäste.

Denn die Sammlung des Schwenninger Uhrenfabrikanten Hellmut Kienzle ist den Schwenningern lieb und teuer – im wahrsten Sinne des Wortes. Schließlich hat die Restaurierung in den vergangenen zehn Jahren eine schöne Stange Geld gekostet. Doch der Ärger über die schlechten konservatorischen Zustände in den Jahren vor 1998 im Schwenninger Heimatmuseum sind jetzt vergessen und auch die Schuldzuweisungen gehören endgültig der Vergangenheit an. Das Schwenninger Heimatmuseum ist auch erneut die Heimat der umfangreichen Sammlung.

Der Direktor des Furtwanger Uhrenmuseums, Professor Eduard Saluz, brachte die Stimmung bei der kleinen Feierstunde im Carl-Haag-Saal auf den Punkt: „Die unseligen Schatten der Vergangenheit sind endgültig verschwunden.“ Und so hatte auch der Song „Yesterday“, der bei der musikalischen Zeitreise von der Renaissance bis in die Gegenwart eigentlich die 60er Jahre repräsentieren sollte, durchaus ein zweifache Bedeutung. „Yesterday“ – gestern also – gab es viel Hickhack um dieses Herzstück des Schwenninger Befindens. Das ist passé. In den neuen Räumen, mit neuen Leuten in Schwenningen und in Furtwangen soll keine Unruhe mehr aufkommen. Die Kienzlesammlung tickt wieder zuverlässig und präzise.

Oberbürgermeister Rupert Kubon würdigte die große Bedeutung der Sammlung zu ihrer Entstehungszeit. Hier habe das Bürgertum sein Selbstbewusstsein demonstriert. „Mit der Sammlung gewann die ganze Stadt an kulturellem Profil – ein bisschen davon kehrt heute wieder nach Villingen-Schwenningen zurück“, sagte Kubon. Die Kienzlesammlung passe in ihrer Ausrichtung bestens zu den beiden anderen großen Uhrensammlungen in der Stadt: Der privaten Mauthesammlung des Schwenninger Uhrenliebhabers Werner Pfänder und die Sammlung von Schwarzwalduhren im Franziskanermuseum in Villingen. Die Kienzlesammlung ist auf privatwirtschaftliche Initiative hin entstanden und auch ihr Fortbestand in Schwenningen beruht auf starkem bürgerlichen Engagement. Kubon erinnerte hier ganz besonders an die große finanzielle Unterstützung durch Michael Kopp, der dem Projekt mit seiner Spende „über den Berg geholfen“ habe: „Ihr Einsatz für die Uhren in der Stadt ist unermüdlich.“ Weitere Zuwendungen kamen von der Uhrenstiftung Werner Schmid und der Sparkasse.

Die Bedeutung der Uhr einst als Statussymbol rief Museumsleiter Michael Hütt ins Bewusstsein. Das Pendant dazu sei heute das Smartphone. Auch dieses Accessoire brauche eigentlich niemand, dennoch werde es gerne benützt und vor allem gezeigt – weil der Träger dadurch seine gesellschaftliche und geschäftliche Wichtigkeit unterstreichen könne. Was heute das Smartphone ist, das waren über vier Jahrhunderte hinweg die Uhren, meinte Hütt. Beispiel: Eine Halsuhr, die wurde um den Hals getragen, damit sie jeder sieht. Im Umgang mit derartigen einstigen Luxusgütern stehen für das Museum heute die Zeichen der Zeit auf Sparsamkeit. Bei der Ausstattung der neuen Ausstellung ging es materiell bescheiden zu. „Wir haben soviel wie möglich wiederverwendet“, erzählte Hütt. Dennoch sei es keine bescheidene Ausstellung geworden. „Dies ist doch ein gelungenes Beispiel für gute Kulturarbeit“, freute sich der Museumsleiter.

Freuen konnte sich auch Eduard Saluz, dass die leidige Geschichte nunmehr so ein schönes Ende gefunden hat. Er zählte in seiner Ansprache die an Tiefpunkten reiche Geschichte der Sammlung auf. „Ich will die Geister noch mal alle aufrufen, damit sie für immer ruhen können“, sagte Saluz. Im dritten Anlauf soll der Ausstellung dauerhaftes Glück beschieden sein. Die Voraussetzungen dafür sind optimal, lobte der Museumsdirektor: Baulich und menschlich herrsche jetzt ein prima Klima.

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln