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30.01.2013  |  von  |  15 Kommentare

Villingen-Schwenningen Die Lage bei Hess wird immer düsterer

Villingen-Schwenningen -  Beim Villinger Leuchtenhersteller Hess spitzt sich die Lage zu. Es gibt offenbar klare Hinweise auf Manipulation entscheidender Geschäftszahlen. Damit steht die Finanzierung der Firma auf tönernen Füßen.

Christoph Hess

Peter Ziegler




Am Tag eins nach dem geheimen Bankengespräch der Firma Hess in Stuttgart verdüstert sich die Lage. Nach gesicherten Informationen des SÜDKURIER gibt es offenbar eine ganze Reihe von Fällen, die klar machen, dass die Hess-Bilanzen manipuliert worden sein müssen. Im Mittelpunkt dabei: Die Umsatzzahlen der Jahre 2011 und 2010. „Trifft dieser Verdacht zu, ist jeder Firmenkredit, den das Unternehmen zuletzt erhalten hat, faktisch sofort kündbar, weil relevante Geschäftszahlen gefälscht waren“, erklärte gestern ein Fachmann.

Wie berichtet, hatte die Hess AG die Vertreter von 15 Banken am Montag zu vertraulichen Gesprächen geladen. Nach Informationen des SÜDKURIER unterrichtete der neu vom Aufsichtsrat eingesetzte Alleinvorstand Till Becker dabei die Bankenvertreter über alle Erkenntnisse zum Fälschungsverdacht. Sitzungsteilnehmer zeigten sich nach Informationen unserer Redaktion fassungslos und vor den Kopf gestoßen.

Am gestrigen Dienstag schlossen sich in den mit Krediten bei der Hess AG engagierten Instituten zahlreiche Krisensitzungen an. Dabei wurden die bekannt gewordenen Zahlen diskutiert und Notfallpläne erörtert. Nach Informationen des SÜDKURIER bewegt sich der Verdacht auf Umsatz-Fälschungen im zweistelligen Millionenbereich.

Für etliche der Kreditinstitute ist die Lage schwierig

Treffen die Vorwürfe zu, wurden von den Banken Kunden-Ersparnisse auf Grund falscher Angaben im Firmenkundengeschäft verliehen. Ein Experte erklärt: „Für den Fall von falschen Umsatzzahlen heißt das letztendlich, dass die Rückführung der Gelder von der Firma an die Banken ein erhebliches Stück vage geworden ist. Waren die Umsätze aus dem Verkauf von Produkten zu hoch bilanziert, wurde die Lage der Firma falsch dargestellt.“

Einige der bei Hess engagierten Banken haben dabei eine offenbar vergleichsweise komfortable Situation. Experten errechnen einen Nettoerlös nach Abzug von Kosten in der Höhe von über 30 Millionen Euro. Über zwei Millionen Hess-Aktien waren im Oktober 2012 zum Preis von je 15,50 Euro angeboten worden.

Mindestens drei Fünftel der Aktien gehören institutionellen Anlegern. Auch diese sitzen derzeit wie jeder Kleinanleger auch auf einem Kursverlust von über 50 Prozent. Die Aktie notierte gestern bei 7,40 Euro.



Chronologie der Hess-Turbulenzen
  • Montag; 21. Januar: Einstimmig beschließt der Aufsichtsrat die Abberufung der Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler wegen des Verdachts auf Bilanz-Manipulationen.
  • Dienstag, 22. Januar: Christoph Hess teilt mit: Die gegen mich erhobenen Vorwürfe kenne ich nur aus der Presse und kann sie nicht nachvollziehen.
  • Mittwoch, 23. Januar: Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf. Die Familie Hess kündigt an, über ihre Aktienmehrheit (39,9 Prozent) Aufsichtsrat und Vorstand des Unternehmens neu besetzen zu wollen.
  • Donnerstag, 24. Januar: Seniorchef Jürgen G. Hess bietet an, die Leitung des Unternehmens zu übernehmen.
  • Freitag, 25. Januar: Neuer Vorstand Till Becker stellt sich den Mitarbeitern vor. Eine Firmensprecherin lehnt die Rückkehr von Jürgen G. Hess ab.
 

Weitere Bildergalerien

Die Firma Hess, ein Gießereibetrieb, wurde 1947 von Willi Hess gegründet und stellte zuerst Waffeleisen her. 1968 übernahm der Sohn Jürgen G. Hess die Firma mit acht Mitarbeitern. Er entwickelte das Unternehmen zum Hersteller modern gestalteter Außen- und Straßenleuchten aus Metallguss und Straßenmöblierungen. 2007 wurde die GmbH zur Familien-Aktiengesellschaft umfirmiert. Jürgen G. Hess wurde Aufsichtsratsvorsitzender, sein Sohn Christoph Geschäftsführer des Betriebs. Der Börsengang folgte im Oktober 2012. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Infos und Bilder rund um das Villinger Unternehmen.

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15 Kommentare
@ Peter Cuenot
Gut bebrüllt, Löwe...

Ihnen reichen ein bis zwei Stunden Geschäftsberichte und Bilanzen lesen. Glückwunsch dazu!
Dann lassen Sie, lieber Herr Cuenot, uns alle, und mich im Besonderen, an Ihrem Wissen teilhaben.
Es besteht die vage Möglichkeit, dass Sie mein Unwissen mittels Ihrem Wissen auf die Sprünge helfen könnten.
Ich möchte auch Bilanzen lesen und einordnen können. Helfen Sie mir dabei, bitte!!!

In der Zwischenzeit lese ich ein paar Artikel über die Fasnet und überlege mir angestrengt den einen oder anderen Kommentar.

In Erwartung Ihrer Aufklärung verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Gerne, Herr Martin, nenne ich Ihnen die Quellen.....
die jeder Kaufmann, Betriebswirt, Bilanzbuchhalter, aber eigentlich jeder, der Einblick in die Belange einer Firma wie Hess AG nehmen will, versteht.
Insbesondere die Jahresabschlüsse haben - auch - im Falle von Rechtsstreitigkeiten und staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen, Beweisfunktion.

Fragen sollten Sie allerdings keine stellen, sondern die Informationsquellen selber zu verstehen versuchen und gegebenenfalls jemanden aus Ihrem Verwandten-, Bekannten-, Freundeskreis usw. zu Rate ziehen.

1. Quelle:
Homepage der Firma Hess AG, dort auf "Investor Relations", dann auf "Berichte", dann können Sie den Bericht für das III. Quartal 2012 oder den mehr als 200-seitigen Geschäftsbericht 2011 abrufen.

2. Quelle:

Bundesanzeiger, dort können Sie die Jahresabschlüsse der Firma Hess AG aufrufen.
fraglich
Es ist nur fraglich, von wo diese Heuschrecken kommen bzw. wer diese sind !!!!!
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