Mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms der NASA entdeckte der Mainzer Wissenschaftler Allard Mees, dass es sich bei der keltischen Grabstätte um einen riesigen Mondkalender handle. Damit bestätigt er eine langjährige Vermutung.
Es ist wohl eine der bedeutendsten Entdeckungen, die der Archäologe Allard Mees gemacht hat. Noch dazu rückt sie den Magdalenenberg und damit Villingen-Schwenningen weltweit in den Blickpunkt öffentlichen Interesses: Der Wissenschaftler ist der Ansicht, dass es sich bei der keltischen Grabstätte um einen riesigen Kalender handle, der am Mondzyklus ausgerichtet sei (wir berichteten).
Im Gespräch mit dem SÜDKURIER erläuterte Allard Mees am gestrigen Donnerstag seine Forschungsarbeit. Erst ein spezielles Computerprogramm der US-Raumfahrtbehörde Nasa machte die Entdeckung möglich.
Die Anordnung der keltischen Gräber auf dem Magdalenenberg lasse genau diejenigen Sternenbilder erkennen, die zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende sichtbar seien, so Mees. Das würde bedeuten: Die 136 Gräber um das zentrale Fürstengrab sind nicht nach Sonnenzyklen angeordnet, wie Stonehenge, sondern nach nördlichen Sternenbildern. „Ich hatte diese Vermutung schon lange. Aber ich war vorsichtig, weil ich es damals noch nicht belegen konnte“, sagt Allard Mees, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz (RGZM) tätig ist. Ungefähr 40 Jahre nach Ende der Ausgrabungen gelang ihm nun der wissenschaftliche Nachweis. Der entsprechender Aufsatz Mees' mit dem Titel „Der Sternenhimmel vom Magdalenenberg“ wurde im Jahrbuch 2007 des RGZM veröffentlicht. Herausgegeben wurde das Heft allerdings erst jetzt.
Bereits seit vielen Jahren übten die Keltengräber auf dem Magdalenenberg auf den Archäologen Mees eine große Faszination aus. Vor einigen Jahren habe er in Rottweil bei Grabungen mitgearbeitet, sagt er. Während eines Ausflugs nach Villingen-Schwenningen habe er sich ein Modell des Grabhügels im Franziskanermuseum angeschaut. „Dann begann es bei mir zu rattern. Ich habe bereits als Kind gerne Sternenbilder angeguckt. Wenn man einige kennt, springen einem dieser Sternenbilder sozusagen entgegen“, erzählt der Holländer.
Der Grabhügel vom Magdalenenberg mit einem Durchmesser von 102 Metern ist nach Mees' Erkenntnissen die weltweit älteste keltische Anlage, die auf den Mondzyklus ausgerichtet war. Die Erbauer setzten Stangenreihen auf den Hügel. So konnten die Kelten die Mondwenden erfassen. Die Stangensetzungen seien bereits vor der Aufschüttung des Hügels angebracht worden, schreibt Mees. Im Gegensatz zum Sonnenzyklus sei der Mondzyklus das einfachere System. „Man sieht den Mond öfter und vor allem auch am Tag“, lautet Mees' simple Erklärung. Mit seinen Daten bestätigt der Wissenschaftler die Ergebnisse einer dendrochronologischen Untersuchung: Auch Mees bestimmte die Errichtung der Anlage auf das Jahr 618 vor Christus.
Warum haben sich die Kelten ausgerechnet Villingen ausgesucht? „Ich weiß es nicht“, lautet Mees' einfache Antwort. Er vermutet, dass in Villingen ein Stamm gelebt hat, dessen Regionalfürst sich mit der Wissenschaft der Sterne verbunden gefühlt hat. „Näheres werden wir erst sagen können, wenn wir wissen, ob es in der Nähe noch weitere Grabhügel gibt“, sagt er. Mit dieser Entdeckung gibt sich der Wissenschaftlicher nicht zufrieden: „Ich vermute, dass eine weitere keltische Anlage im Gebiet des Kaiserstuhls ebenfalls ein Mondkalender darstellt. Allerdings will ich mir erst genauer die Grabunterlagen angucken.“