VS-Villingen Den Schweinehund überwinden: Die unerschrockenen Frühschwimmer im Villinger Kneippbad

Acht Grad und Nieselregen: Für Alfred Herzog das richtige Wetter, um Freitagmorgen, kurz nach sieben, seine Runden durch das Becken im Villinger Kneippbad zu ziehen. Und er ist nicht allein. Eine Reportage vom Beckenrand.

Es ist kurz vor halb sieben an einem Freitagmorgen. Die Sonne ist erst vor ein paar Minuten aufgegangen, der Parkplatz am Villingen Kneippbad ist so gut wie leer. Dicke Regentropfen fallen auf die Brigach, die neben dem Fußweg zum Eingang des Bades vor sich hin plätschert. Das Geräusch des Flusses klingt besonders laut in der Stille des Morgens. Nährt man sich dem Eingang des Bades, mischt sich beharrliches Piepsen darunter: Die Frühbader passieren das Drehkreuz zum morgendlichen Schwimmen.

Begrüßt werden sie von Schwimmmeister Nico Romondia. Da so früh noch keine Kassenmitarbeiterin da ist, lässt er die Badegäste ein. Seit 15 Jahren arbeitet er bei den Bädern Villingen-Schwenningen und sagt, dass die Frühbader bei jedem Wetter kommen: "Auch bei Regen, es ist immer jemand da". Sein Kollege Daniel Weidlinger kann das bestätigen. "Man kennt die Leute, manche auch mit Namen", sagt er. Der 24-Jährige steht in Jacke, festen Schuhen und Kappe auf dem Schwimmmeisterturm und blickt auf das Becken. Von der Oberfläche des Wassers steigt weißer Dampf in die Luft. Niemand ist auf dem Gelände des Freibads zu sehen. Nur die Schwimmer ziehen ihre Bahnen, manche gemächlich auf dem Rücken, andere durchpreschen das Wasser im Kraulstil.

Bademeister Daniel Weidlinger behält vom Schwimmmeisterturm aus den Überblick über das Becken.
Bademeister Daniel Weidlinger behält vom Schwimmmeisterturm aus den Überblick über das Becken. | Bild: Julia Horn

Weidlinger hat alles im Blick. Dass niemand im Wasser sei, gebe es selten. "Aber selbst wenn nur eine Person schwimmt, wir machen natürlich trotzdem Aufsicht", sagt der 24-Jährige. An diesem Freitagmorgen ist es weit mehr als eine Person, die sich im Kneippbad eingefunden hat. 19 Frühbader kommen nach und nach aus den Umkleidekabinen, die meisten umschlingen fröstelnd ihren Oberkörper. "Es ist doch ganz schön kalt", sagt Tobias Rotzinger. Der 20-jährige Student hat sich vorgenommen, in den Semesterferien jeden Morgen schwimmen zu gehen. So starte er besser in den Tag. Schnell geht er weiter und steigt ins Becken. Das Wasser ist mit 24 Grad immerhin mehr als doppelt so warm, wie die Lufttemperatur.

Genießen es, dass das Becken um diese Uhrzeit noch nicht so voll ist: Günter Hopfinger und Maria Meier kommen seit diesem Jahr regelmäßig zum Frühbaden.
Genießen es, dass das Becken um diese Uhrzeit noch nicht so voll ist: Günter Hopfinger und Maria Meier kommen seit diesem Jahr regelmäßig zum Frühbaden. | Bild: Julia Horn

"19 Besucher zwischen 6.30 Uhr und 7.30 Uhr, das ist eine durchschnittliche Zahl", sagt Romondia, der im Kassenhäuschen des Freibads sitzt. Manchmal kämen auch über 30 Frühbader. Einer, der immer kommt, ist Alfred Herzog. Der 90-Jährige zieht seit 50 Jahren seine morgendlichen Bahnen. "Es härtet ab und ist gut für die Gesundheit", sagt er. Gesund und viel jünger als 90 sieht er wirklich aus mit seinen geröteten Wangen. Er freue sich jeden Tag auf das Schwimmen und danach auf die heiße Dusche und ein leckeres Frühstück. "Was gibt es Besseres?", fragt er und lacht. Als er aus gesundheitlichen Gründen für fast drei Wochen nicht ins Schwimmbad konnte, war das für ihn "das Schlimmste, das es gibt".

"Das Frühschwimmen war ursprünglich meinen Rückenbeschwerden geschuldet", sagt auch Hans-Walter Braun. Der 63-Jährige stützt sich auf den Rand des Beckens und rückt seine kleine Schwimmerbrille zurecht. Er sagt, dass er sich durch das Schwimmen Kraft für den Arbeitstag als Selbstständiger holt. Jeden Tag krault er eineinhalb Kilometer durch das Schwimmerbecken des Kneippbads. Zwar müsse auch er erst seinen Schweinehund überwinden, dafür könne er nach dem Schwimmen Bäume ausreißen.

"Das Schwimmen macht fit, man fühlt sich frisch und gesund", sagen auch Günter Hopfinger und Maria Meier, während sie im Wasser auf der Stelle paddeln. Das Paar kommt seit diesem Jahr regelmäßig zum Frühbaden. Sie genießen es, dass das Becken um diese Uhrzeit noch nicht so voll ist. Nach dem Baden geht es für sie, wie für viele andere berufstätige Frühbader, zur Arbeit.

Wenn die morgendlichen Schwimmer das Bad um 7.30 Uhr wieder verlassen, geht auch der Arbeitstag für Schwimmmeister Romodia und den gelernten Fitnesstrainer Weidlinger weiter, der den Sommer über im Villinger Freibad arbeitet. Bei gutem wie schlechtem Wetter sei einiges im Bereich Reinigung und Technik zu tun, so werden beispielsweise Chlor und PH-Werte im Wasser gemessen. "Um neun Uhr geht es dann weiter", sagt Romondia. Dann öffnet das Kneippbad für alle Besucher seine Türen, die doch lieber etwas länger schlafen.

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