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Bad_Dürrheim "Das Haus Huber war ideal für uns"

27.10.2005
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Die meisten brauchen Zeit, auf die Kontaktgruppe zuzugehen. Wenn sie die Diagnose MS bekommen - unheilbar, unaufhaltsam - kämpfen sie erst einmal mit sich selbst und dann müssen sie mit der Familie und dem Umfeld klar kommen", weiß Egon Hirt aus langer und auch eigener Erfahrung. Acht Jahre hatte es bei ihm gedauert, bis die Diagnose feststand. "Ich habe an Krebs gedacht, an alles Mögliche, aber nicht an MS." Ein großer Fortschritt heute sei die sicherere Diagnose durch die Kernspintomografie, durch die man die Entzündungsherde erkennen kann.

Er ließ sich nicht unterkriegen, sondern gründete mit Leidensgenossen die Amsel Kontaktgruppe im Kreis. Das war vor 25 Jahren. Ein Jubiläum, das am Sonntag in Brigachtal gefeiert wurde, und zu dem die Villinger Kumedie am 19. November ein Benefizkonzert gibt. Seit zehn Jahren gibt es auch das Haus Antonius in Donaueschingen, das betreutes Wohnen für MS-betroffene Menschen bietet.

"Die erste Wohngemeinschaft mit fünf Leuten haben wir in Bad Dürrheim gegründet", berichtet Hirt, der auch Vorsitzender des Haus-Antonius-Trägervereins "Imsed" ist. Er sei schon immer ins Solemar zur Therapie gegangen und habe dort oft als Spiegelung in der Eingangstür beim Hineingehen das Haus Huber gegenüber gesehen und gedacht: das wär' ideal. 1987 war es soweit. Die Villa, in dem sich auch eine Arztpraxis befand, sollte verkauft werden. Man griff zu.

"Es ist Glück, wenn die Familie hinter einem steht und die Versorgung zu Hause klappt", sagt Egon Hirt, bei dem dies offensichtlich funktioniert. Es sei aber nicht immer so. Zudem seien manchmal junge Menschen, die an MS erkrankten, zusammen mit dementen Alten im Altenheim untergebracht worden. "Da passten sie einfach nicht hin." Die verloren gegangene Lebensqualität sollte wieder gewonnen werden. Das Experiment mit der Wohngemeinschaft in Bad Dürrheim funktionierte.

Der Bedarf stieg ständig. Und es gab Probleme: "Früher hatten wir 32 Zivildienstleistende, die die Erkrankten zu Hause betreuten. Jetzt sind es noch zwei." Es tue weh, wenn man gefragt werde, ob man Hilfe schicken kann, um einen Kranken ins Bett zu bringen oder umzusetzen - und man müsse sagen: "Ich habe niemanden." Da sei es ein großes Plus, dass man das Haus Antonius in Donaueschingen habe, das etliche auffangen konnte, die zu Hause nicht mehr versorgt werden konnten. Heute leben dort 25 MS-Patienten. Im nächsten Jahr ist ein Anbau geplant. 250000 Euro wird das wohl kosten. Dafür, für Praktikanten und Aushilfskräfte, die die fehlenden Zivis ersetzen müssen, benötigt man Geld. Und für den Unterhalt der 15 behindertengerechten Fahrzeuge. Sie sind speziell auch zum Transport von Rollstühlen ausgerüstet, damit werden die MS-Betroffenen dorthin gefahren, wo sie hin wollen oder müssen. "Es erleichtert die Teilnahme am täglichen Leben."

Unterstützung benötigt man aber auch direkt: "Manche der jungen Leute müssen mit 35 oder 40 Jahren in Rente, da bekommen sie nicht viel. Und wir sind froh, wenn wir sie und eine Begleitperson auch mal mitnehmen können zur Sommerfreizeit in Isny oder anderen Ausflügen."

Multiple Sklerose (MS)

Die Multiple Sklerose ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark befällt. Dabei kann eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Symptome auftreten, so dass man keine zwei Menschen mit MS findet, die unter genau denselben Beschwerden leiden. MS ist nicht ansteckend, nicht tödlich, nicht erblich, kein Muskelschwund und keine Geisteskrankheit. MS führt auch nicht zwangsläufig zu einem Leben im Rollstuhl. 20 Prozent der Menschen mit MS haben lebenslang einen günstigen Verlauf. Bei 70 Prozent tritt nach einer langen Zeit, in der sie ein weitgehend normales Leben führen können, eine zunehmende Behinderung ein.

Amsel Kontaktgruppe

Die Amsel Kontaktgruppe Schwarzwald Baar Kreis wurde 1980 von MS-Betroffenen gegründet. Sie trägt dazu bei, die Lebenssituation der Multiple-Sklerose-Kranken zu verbessern - durch Beratung, therapeutische Betreuung, mobile Dienste, behindertengerechte Reiseangebote, betreutes Wohnen, in Informationsabenden und Wochenendseminaren. Die Gruppe hat derzeit etwa 200 Mitglieder. Gruppenleiter ist Egon Hirt.

Infos unter www.schwarzwald-baar.amsel.de

Benefizabend der Villinger Kumedie

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