Denn bei der 58. Auflage der beliebten Gemeinschaftsausstellung gibt es derzeit im Franziskanermuseum viel zu erkunden. Gestern wurde die Ausstellung eröffnet, der Andrang war groß.
Die sechs Gastteilnehmer bringen wieder frischen Wind in die Ausstellung. Aber auch bei den vermeintlich vertrauten Positionen der in diesem Jahr 25 beteiligten Kunstvereinsmitglieder gibt es so manch Unerwartetes zu entdecken. Zum Beispiel die großformatigen Pigment-Tinten-Drucke von Horst Willi Kurschat. Mit seinem „Pharma-Menü“ entführt uns der Schwenninger Künstler in die Hexenküche der Kunst. Je nach Sichtweise gibt es Einblicke in den Makro- oder in den Mikrokosmos. So funktioniert eben gute Kunst: der Künstler gibt etwas vor, ob es nun abstrakt, gegenständlich oder skriptual ist. Der Betrachter vervollständigt das Bild und erzählt die Geschichte weiter. Wie etwa die „der geheimnisvollen Welt des Buches“ des akribischen Zeichners Uli Schanz. Und darin könnte man alles rein packen, was es nun in der Ausstellung zu sehen gibt. Manches erschließt sich einem sofort. Anderes wird einem auch nach mehrmaligem Annäherungsversuch kryptisch erscheinen und zuweilen gibt es auch Arbeiten, die nicht gefallen; bei 102 Kunstwerken überrascht dies nicht.
In dem breiten Spektrum von Fotografie über Malerei und Grafik bis hin zur Skulptur wird jeder Besucher seinen Favoriten finden. Wer es abstrakt mag, wird bei der „Chromatischen Modulation“ von Emil Kiess aus Hüfingen oder bei der kraftvollen Öl-Pigment-Malerei von Andreas Wiertz aus Königsfeld fündig. Wer Gegenständlichkeit bevorzugt, kann sich an der „Abraham-Serie“ von Paul Revellio (Villingen und Mühlacker) oder an den marokkanischen Bazarszenen von Lore Will aus Königsfeld erfreuen. Ein Motiv aus der Heimat wenngleich ein ortsungebundenes, hat der Königsfelder Helfried Günter Glitsch mit seiner „Schneeschmelze“ gewählt. Das Naturvorbild scheint beliebig, es ist lediglich Auslöser für die Malerei. Wie auch bei der „Aika“-Serie von Lisa Keller- Nikola, die mit den Bildern auf abstrahierte Weise die Landschaftsphänomene ihrer finnischen Heimat wiedergibt. Der Ehrenvorsitzende des Kunstvereins, Gotthard Glitsch, zelebriert diese Metamorphosen schon lange, gibt aber bei seinen Radierungen mit dem Titel „Zellwuchs“ die Denkrichtung vor.
