Seit einem halben Jahr ist er mit einem Elektrofahrzeug unterwegs. Über mangelnde Aufmerksamkeit kann sich Lesniak seither nicht mehr beklagen. „Wie ist das so im Alltagsbetrieb?“, fragen ihn neugierige Zeitgenossen, sobald sie gemerkt haben, dass aus dem Renault Fluence kein einziges Abgaswölkchen kommt und auch kein Motorengeräusch stört.
Der IT-Ingenieur kann über diese Frage nur lächeln, gibt aber geduldig Antwort. Jeden Tag legt er gut 150 Kilometer mit seinem Elektrofahrzeug zurück.
Morgens fährt er rund 70 Kilometer zu seinem Arbeitsplatz nach Denzlingen bei Freiburg, am Abend geht es zurück. Während sich Jörg Lesniak in der Firma für medizinische Ausstattung um die EDV-Programme kümmert, hängt sein Renault am Kabel und lädt sich wieder auf. Nicht, dass die Akkus nach dem Weg zur Arbeit schon auf Null wären. Nur etwa zu einem Viertel sind die Stromspeicher des Renault Fluence geleert.
Das ist natürlich auch der Topographie des Schwarzwaldes zu verdanken: Von Villingen-Schwenningen nach Freiburg geht es kräftig bergab, der Elektromotor hat wenig zu arbeiten und die Akkus laden auf. Über 15 000 Kilometer hat der Schwenninger inzwischen mit seinem Auto zurückgelegt.
Nur einmal hat er angehalten, um Strom nachzuladen. „Aber eigentlich wäre auch das nicht nötig gewesen“, meint Lesniak. Er war sich in den ersten Tagen nach dem Umstieg auf den Elektroantrieb eben nur noch nicht sicher, was geht und was nicht. Inzwischen ist er viel souveräner, denn er weiß: Der Elektromotor kann viel mehr, als man glaubt.
Denn im Gegensatz zu einem herkömmlichen Verbrennungsmotor entwickelt ein Elektroantrieb sein maximales Drehmoment gleich beim Start. Ein Elektroantrieb muss nicht erst hochgetrieben werden. Lesniak kann richtig schöne Geschichten erzählen von forschen Sportwagenfahrern, die es kaum fassen können, dass sie von einem unscheinbaren Mittelklassewagen an der Ampel abgehängt werden.
Seelenruhig im wahrsten Sinne des Wortes sitzt er hinterm Steuer und genießt die sagenhafte Stille: kein Motorenlärm, keine Vibrationen. Wenn da nicht das Laufgeräusch der Reifen wäre, meinte man zu schweben. Am meisten Spaß hat der Schwenninger aber, wenn er an Tankstellen die Schilder mit den Spritpreisen sieht – und einfach weiterfahren kann. Denn Lesniak tankt an der Steckdose, die für ihn die reinste Sparbüchse ist. Etwa 20 Kilowattstunden Strom verbraucht der Renault Fluence Z. E. und dieser Zusatz bedeutet einfach Zero Emission (Null Schadstoffausstoß).
Fünf Euro kostet der tägliche Strom, die Benzinkosten für 150 Kilometer sind fast viermal so hoch. „Ich kann also ausrechnen, wann sich mein Auto bezahlt gemacht hat“, sagt Lesniak. Die stetig steigenden Spritpreise machen ihm diese Rechnung zum Vergnügen.
Doch der bisher erste Schwenninger mit einem hundertprozentigen Elektroauto findet dies nicht schlimm. Er hat sich bewusst für diesen neuen Antrieb entschieden. Seine Fahrten plant er seither genau. Doch das ist es ihm wert. „Wir müssen uns ändern“, meint Jörg Lesniak.
Er glaubt fest daran, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Elektroautos keine Exoten mehr auf den Straßen sind. Dann wird auch die Infrastruktur besser sein.

Alle Kommentare 